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Ihr Plan für die olympische Medaille

Die Dresdnerin Anna Seidel wollte sich auch in den USA auf die Spiele 2022 vorbereiten. Doch dann kam Corona.

Trockenübungen waren während der Corona-Zwangspause lange die einzige Alternative für Anna Seidel. Von ihrem Ziel bringt sie das aber nicht ab.
Trockenübungen waren während der Corona-Zwangspause lange die einzige Alternative für Anna Seidel. Von ihrem Ziel bringt sie das aber nicht ab. © Matthias Rietschel

Es heißt, Wintersportler werden im Sommer gemacht. Trifft das aber auch für dieses Corona-Jahr zu? Anna Seidel, die erfolgreichste deutsche Shorttrackerin, schaut erst mal zurück: „Uns Wintersportlern ging es eigentlich gut, weil die Saison sowieso vorbei war, als wegen der Pandemie alles abgesagt wurde. Aber für die Sommersportler war das schwieriger." Die Dresdnerin selbst hatte mit dem frühzeitigen Saisonabbruch sogar eher Glück im Unglück – verletzte sie sich doch beim Weltcup im März am Fuß.

Der bekam so die nötige Pause, inzwischen kann Seidel nach anfänglichen Schmerzen im Schlittschuh wieder uneingeschränkt trainieren. Nachdem die Eishalle und alle Sportplätze ab März coronabedingt gesperrt waren, war auch sie mehr oder weniger auf sich allein gestellt. „Wir haben zwar Trainingspläne bekommen, aber mussten eigentlich alles selber durchführen“, erzählt die 22-Jährige.

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So trainierte sie unter den teilweise verwunderten Blicken ihrer Nachbarn bei sich zu Hause auf der Straße, imitierte spezifische Bewegungen und technische Aspekte unter anderem für den richtigen Winkel in der Kurvenlage. Die größte Herausforderung für Seidel war die Ungewissheit, mit der alle zu kämpfen hatten. „Man wusste ja gar nicht, was als Nächstes passiert. Das hat uns alle ziemlich mitgenommen.“

Für ihren Freund Hannibal Weitzmann, der mal bei den Kölner Haien Eishockey spielt und auch mal bei den Dresdner Eislöwen im Tor stand, war die Situation ähnlich, die neue Saison soll erst Mitte November starten. „Es war für uns nicht einfach, sich selber zu motivieren und immer ein Stück weiter zu pushen. Aber ich bin jemand, der das trotzdem ganz gut kann“, sagt Anna Seidel und schmunzelt.

Angefangen, Spanisch zu lernen

Sie schaut zur starken Konkurrenz aus den Niederlanden und aus Asien. Dort ruhe sich auch keiner aus, deshalb müsse sie entsprechend nachlegen, erklärt sie ehrgeizig. International hat sie bisher EM-Bronze gewonnen, ihr großes Ziel ist es, 2022 in Peking eine olympische Medaille zu holen. Dafür hat sie sich in der Corona-Pause gestrafft. 

„Ich habe versucht, einen Rhythmus hinzubekommen. Meistens habe ich zwischen 8 und 10 Uhr mein Training begonnen, danach Mittagessen, später die zweite Einheit.“ Die zusätzliche Freizeit nutzte sie effizient. „Sprachen machen mir großen Spaß, also habe ich angefangen, Spanisch zu lernen.“

Anna Seidel hat auf Instagram 32.000 Follower.
Anna Seidel hat auf Instagram 32.000 Follower. © © Matthias Rietschel

Außerdem hat sie ihren Auftritt in den sozialen Netzwerken während der Corona-Zeit aktiver gestaltet. „Ich mache das schon gern, aber ich bin nicht der Typ, der das jede Woche braucht. Ich kenne auch Kollegen, die das nervt“, meint sie. Social Media spiele allgemein im Leistungssport inzwischen eine große Rolle. „Viele Sponsoren schauen auf so etwas und schreiben direkt in ihre Verträge, welche Bedingungen genau zu erfüllen sind“, erklärt Seidel – und ergänzt: „In erster Linie sind wir immer noch Sportler und müssen trainieren."

Es sei aber auf jeden Fall von Vorteil, wenn man ein bisschen Zeit investiere, um sich zu präsentieren. Wichtig seien ihr dabei jedoch Authentizität und Seriosität. „Ich bin schon offen für vieles, aber unnötig viel Haut zu zeigen, wäre nicht mein Ding", betont sie. „Wenn ich eine Kooperation eingehe, achte ich darauf, dass es eine Marke ist, die ich vertreten will." Immerhin folgen Seidel auf Instagram fast 32.000 Menschen.

USA-Trip fällt aus

In der Saisonvorbereitung musste sie Abstriche machen. Anna Seidel wollte von Mai bis September ein Trainingslager in den USA absolvieren – bei ihrer ehemaligen Bundestrainerin, der Niederländerin Wilma Boomstra. Die neue Cheftrainerin der US-Shorttracker soll das amerikanische Team für die Spiele in Peking 2022 vorbereiten. Der Aufenthalt in den Vereinigten Staaten war bereits mit dem deutschen Bundestrainer Stuart Horsepool abgesprochen. Für einige Trainingslehrgänge oder Leistungsdiagnostik-Tests im Dresdner Uniklinikum Carl Gustav Carus wäre Seidel vor Ort gewesen.

Diese individuelle Maßnahme hätte Seidel allerdings allein finanzieren müssen: eine Summe im unteren fünfstelligen Bereich. Das wäre es ihr wert gewesen für ihren Weg nach Peking, denn einen Tapetenwechsel, neue Eindrücke und andere Impulse hält sie für sinnvoll: „Ich brauche auch mal andere Perspektiven“, erklärt sie, „und ich finde das Techniktraining von Wilma speziell für mich extrem gut, weil ich eine technisch versierte Läuferin bin und nicht so dieser Kraft-Typ.“

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Amerika, wo sie sich aller zwei Jahre ihre Schlittschuhe für 2.200 Euro extra anfertigen lässt, ist aufgrund der Corona-Lage natürlich bis auf Weiteres aus den sportlichen Plänen gestrichen und Seidels Fokus liegt nun auf dem Training am Bundesstützpunkt in ihrer Heimatstadt Dresden.

Allerdings ist noch völlig offen, worauf die deutschen Shorttracker um Anna Seidel eigentlich hinarbeiten. Laut Weltverband ISU soll die nächste Saison planmäßig im November mit den ersten Weltcups in Kanada starten. Viele fixe Termine gibt es jedoch noch nicht, Trainingslehrgänge in Italien und Polen haben die Deutschen vorsorglich abgesagt. Ende August soll es die ersten Entscheidungen über den Saisonverlauf geben, hofft Bundestrainer Horsepool.

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