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Der Traum vom Venezianischen Haus

Der Dresdner Bauunternehmer Frank Wießner plant eine außergewöhnliche Kombination am Terrassenufer. Stimmen Sie mit ab, wie Ihnen das Projekt gefällt.

Der Dresdner Bauunternehmer Frank Wießner plant eine außergewöhnliche Kombination am Terrassenufer. Stimmen Sie mit ab, wie Ihnen das Projekt gefällt.
Der Dresdner Bauunternehmer Frank Wießner plant eine außergewöhnliche Kombination am Terrassenufer. Stimmen Sie mit ab, wie Ihnen das Projekt gefällt. © Max Wiessner Baugeschäft GmbH/arte 4d

Dresden. Wenn Frank Wießner vom Venezianischen Haus spricht, leuchten seine Augen. Doch die wenigsten Dresdner werden das Gebäude kennen, von dem hier die Rede ist. Bis 1945 stand es am Terrassenufer 3, direkt neben der Carolabrücke, ehe es von Bomben getroffen wurde. Das einem gotischen Palazzo aus Venedig nachempfundene Wohnhaus bildete 100 Jahre lang den beeindruckenden Auftakt zum Terrassenufer. Und geht es nach Bauunternehmer Wießner, könnte das bald wieder so sein.

Wie kam er auf die Idee des Wiederaufbaus?

Wießner, bekannt durch sein Projekt Narrenhäusel, will diesmal einen ungewöhnlichen Weg gehen. Ihm gehört das Grundstück nicht, das er zur Umsetzung seiner Pläne benötigt. Die relativ kleine Wiesenfläche an der Ecke Terrassenufer/Steinstraße ist in städtischer Hand. Und sie wurde auch nicht ausgeschrieben. "Aber immer, wenn ich mit meiner Familie Dampfer fahre, schaue ich auf diesen Fleck, wo nichts ist außer dem unansehnlichen Busparkplatz, und ärgere mich", sagt Wießner.  

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Schließlich begann er zu recherchieren, welche Gebäude es hier früher gab und stieß darauf, dass dies das Dresdner Künstlerviertel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts am  Elbberg war, in dem unter anderem der Bildhauer Ernst Rietschel wohnte und die  Maler Caspar David Friedrich  und Johann Christian Clausen Dahl. Dann sah Wießner Fotos vom Venezianischen Haus und war begeistert. 

Die historische Postkarte aus der Sammlung von Holger Naumann zeigt das Venezianische Haus vor der Zerstörung 1945.
Die historische Postkarte aus der Sammlung von Holger Naumann zeigt das Venezianische Haus vor der Zerstörung 1945. © Ansichtskarte: Sammlung Holger Naumann

Erbaut wurde es um 1845 im Auftrag von Freiherr Eugen von Gutschmid nach Plänen des Architekten Heinrich Hermann Bothen, einem Semper-Schüler. Wie Fritz Löffler in seinem Buch "Das alte Dresden" schrieb, wurde bereits in der Zeit von August dem Starken begonnen, prächtige Gebäude an der Elbe nach dem Vorbild des Canale Grande in Venedig zu errichten. So orientierte man sich beim Bau der Augustusbrücke an der berühmten Rialtobrücke. Und Gutschmid, der übrigens auch den Cholerabrunnen stiftete, griff die Idee auf und ließ sich das außergewöhnliche Zuhause am Terrassenufer 3 bauen, für das unter anderem der Dogenpalast Vorbild war.

"Ich möchte das Venezianische Haus gern wieder aufbauen und der Stadtgesellschaft dieses Kleinod zurückgeben", sagt der Unternehmer. Deshalb legt er nun seine Pläne den Stadtratsfraktionen und dem Stadtplanungsamt vor mit dem Ziel, sie für seine Vision zu gewinnen. 

Für diese Wiese vor dem Busparkplatz an der Carolabrücke hat Frank Wießner eine Vision.
Für diese Wiese vor dem Busparkplatz an der Carolabrücke hat Frank Wießner eine Vision. © Sven Ellger

Welche Gebäude sind vorgesehen?

Das Venezianische Haus allein würde die Fläche am Elbberg nicht füllen, so hat Wießner eine Kombination von drei  Gebäuden geplant. "Es ist eine Kombi aus der Rekonstruktion, einem verbindenden Gebäude, wie es früher dort stand, und einem modernen Neubau", sagt Wießner und weiß, dass die Dresdner Stadtplaner vor allem Wert auf Letzteres legen. Insgesamt würde ein kleinteiliges Ensemble entstehen.

"Es gibt ausgezeichnetes Archivmaterial und Fotos zum Venezianischen Haus und dem Nachbargebäude, sogar die Grundrisse der Wohnungen sind da. Kein Problem also, diese originalgetreu wieder aufzubauen", erklärt der Unternehmer. Die aufwendige Fassade des Venezianischen Hauses würde an der Nord- und Ostseite enstehen, so wie im Original. Nach Süden zum jetzigen Parkplatz würde das Gebäude wie früher einfacher gestaltet.

Blick zur Carolabrücke mit dem Venezianischen Haus auf einer Aufnahme von Ermenegildo Antonio Donadini um 1900.
Blick zur Carolabrücke mit dem Venezianischen Haus auf einer Aufnahme von Ermenegildo Antonio Donadini um 1900. © SLUB Dresden / Deutsche Fotothek

Wie sollen die Häuser genutzt werden?

Wießner möchte darin ein Kreativzentrum errichten als Angebot an Künstler und Start-ups, mindestens 20 Prozent der Fläche soll als geförderter Bereich dafür und auch für Sozialwohnungen bereitstehen. Ansonsten sind Bürolofts und auch ein Künstlerhotel geplant. Als Vorbild hat Wießner dafür unter anderem das Berliner Künstlerheim Luise vor Augen, dessen Zimmer von über 50 Künstlern individuell gestaltet wurden. Zudem schmücken Skulpturen und Installationen die Lobby. Auf seiner Webseite wirbt das Hotel damit, dass die besonderen Zimmer, die noch dazu günstig sind, "als eine Einstimmung auf die Museen und Galerien der Kunst- und Künstlermetropole Berlin dienen können."  

Das könnte in Dresden mit Wießners Projekt ebenso klappen. Welche Lage dafür könnte besser sein als in unmittelbarer Nähe zur Brühlschen Terrasse? 

Was würde das Vorhaben kosten?

Nach den Berechnungen des 46-jährigen Bauunternehmers rund zwölf Millionen Euro. Bei der Bank hat Wießner bereits angefragt und ein positives Feedback erhalten. "Ich kriege das finanziert", sagt er selbstbewusst. Klar ist auch, dass es Bedarf für die Kreativflächen gibt, die er anbieten will. Anfragen dazu hat Wießner genug.

"Ich habe auch Puffer in den Planungen eingebaut", sagt er. So könnte er die Wände beispielweise zunächst unverputzt lassen und auf den Stuck  sowie die venezianische Malerei verzichten. Das könnte später nachgeholt werden. Sorgen, dass er keine Handwerker für das Vorhaben findet, hat Wießner keine. "Ich arbeite schon lange mit vielen zusammen und bezahle sie ordentlich. Außerdem ist es für die meisten auch spannend, solch ein Projekt mitzugestalten."    

Was könnte das Projekt gefährden?

Vor allem die Elbe.  Das zu bebauende Areal liegt im Überschwemmungsgebiet und würde bei Hochwasser überflutet. Doch das hat Wießner bei den Planungen berücksichtigt. "Wir würden das Erdgeschoss entweder durchflutbar gestalten oder mit  Schotten ausrüsten."

Problematisch ist die Lage direkt an der Carolabrücke und am stark befahrenen Terrassenufer, was Verkehrslärm anbelangt. "Das muss man versuchen mit Schallschutzfenstern auszugleichen. Deshalb plane ich auch eine vorwiegende Nutzung als Arbeitsraum."

Wie geht es jetzt weiter?

Die Stadt, der die Fläche am Terrassenufer gehört, plant aktuell keine Bebauung. Das Areal stelle eine Vorhaltefläche für Entwicklungen dar, die inhaltlich und städtebaulich noch nicht untersetzt sind, schreibt Stadtsprecher Karl Schuricht auf SZ-Anfrage. 

Wießner will  mit seinen Plänen im Stadtrat Verbündete suchen, um letztlich auch die Stadt davon überzeugen zu können. Aus seinen Erfahrungen mit dem Narrenhäusel weiß der Bauunternehmer, dass solch ein Vorhaben viel Zeit benötigt. Fünf Jahre sind es bereits am Narrenhäusel. "Ich glaube aber, dass das Venezianische Haus so besonders ist wie die Yenidze oder das frühere Kugelhaus." 

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In Linken-Stadtrat Wirtz hat er bereits einen Partner gefunden, der den Idealismus Wießners mag. Wirtz hat einen Antrag für den Stadtrat geschrieben, Wießners Vision prüfen zu lassen, Hindernisse zu identifizieren und Wege zur Realisierung zu ebnen.  Nicht nur die spektakuläre Sandsteinfassade alleine lasse in Dresden schon einige Herzen höher schlagen. "Gestalterisch kann sich der Bogen von der Tradition zur Moderne spannen, darüber hinaus gibt die Kleinteiligkeit Raum für individuelle Weiterentwicklungen und vermeidet die teils anonymen, großflächigen, ganze Stadtteile umfassenden Projekte von Großinvestoren. Der Nutzungsmix, die Chance der Nähe von Wohnen und Arbeiten und die zentrale Lage können einen lebendigen funktionierenden Stadtraum schaffen helfen. Und ein Anteil von Sozialwohnungen wird auch mitgedacht", schreibt Wirtz im Begleittext seines Antrages und verschweigt darin auch die Tücken nicht. Diese gilt es zu bewältigen. "Wir wollen dem Vorschlag von Frank Wießner eine Chance geben, weil er viel Potential enthält."

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Blick auf das geplante Ensemble von der Carolabrücke.
Blick auf das geplante Ensemble von der Carolabrücke. © Max Wiessner Baugeschäft GmbH/arte 4d

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