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13. Februar: Erstmals Opfernamen-Lesung

Der Verein Denk Mal Fort will auf Dresdens Heidefriedhof „den Toten ihre Individualität zurückgeben“.

Gedenken auf dem Heidefriedhof
Gedenken auf dem Heidefriedhof ©  Foto: Rene Meinig

Eine alte Idee wird neu belebt: 2012 planten die Fraktionen von CDU und FDP in der Bußmannkapelle ein zentrales Mahnmal für die Opfer des 13. Februar 1945, auf dem auch die Namen der Toten aufgeführt werden sollten. Doch die Idee fand nicht genug Rückhalt. Nun wird sie in anderer Form realisiert: Am 75. Jahrestag der Angriffe veranstaltet der Verein Denk Mal Fort unter Federführung der Ideengeber Sebastian Kieslich (CDU) und Holger Haase (FDP) eine Gedenkstunde auf dem Heidefriedhof. Dabei sollen die Namen von 4.000 identifizierten Bombentoten vorgetragen werden, die dort begraben wurden.

Die Kritik an der Idee eines Mahnmals

Damit wolle man „den Toten, soweit möglich, ihre Individualität zurückgeben“, heißt es im Aufruf des Vereins. Tatsächlich gab es auf dem Heidefriedhof bis in die Sechziger Gräber mit den Namen von Bombenopfern. Doch während der Errichtung der großen Gedenk-Anlage wurden diese beseitigt. „Stattdessen gedachte man fortan von offizieller Seite den namenlosen und ungezählten Opfern der Bombenangriffe, fanden protokollarische Kranzniederlegungen ... statt, die keinen unmittelbaren Bezug zu den Beisetzungen haben“.

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Diese Gefahr bestehe für eine bloße Lesung der Namen allerdings nicht, so der Verein. „Zum einen ist unsere Aktion ja nur temporär, also etwas Flüchtiges und Vorübergehendes“, sagt Justus Ulbricht, Beisitzer in Denk Mal Fort und Geschäftsführer des Dresdner Geschichtsvereins. „Es geht ja eben nicht um ein Denkmal, also um eine Verstetigung des Gedenkens.“ Man betrachte die Namensnennung auch nicht als Ehrung der Toten. Sondern als ein Zeichen gegen ihre von der Stadt damals betriebene Anonymisierung, gegen die Auflösung ihrer Identität, so Ulbricht. „Auf diese Weise wollen wir die Opfer des 13. und 14. Februar 1945 symbolisch in die Stadtgemeinschaft zurückholen.“

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes war irrtümlich zu lesen, es sollen die Namen von sämtlichen 19.000 identifizierten Dresdner Bombentoten vorgelesen werden. Der Verein wird aber nur die Namen der 4.000 Opfer vorlesen, die auf dem Heidefriedhof begraben wurden. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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