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Dresdner Hebammen in Not

Werdende Mütter müssen schnell sein, wenn sie sich Betreuung sichern wollen. Hebammen leider unter steigenden Haftpflichtprämien. Was die Stadt tun will.

Johanna Hünig ist seit 2012 freiberufliche Hebamme im Geburtshaus in Striesen. Sie betreut etwa fünf bis sieben Frauen jeden Monat bei der Geburt und davor.
Johanna Hünig ist seit 2012 freiberufliche Hebamme im Geburtshaus in Striesen. Sie betreut etwa fünf bis sieben Frauen jeden Monat bei der Geburt und davor. © Sven Ellger

Eine Geburt ist für jede Frau ein besonderes Ereignis, das sie nur ein- oder zwei, vielleicht dreimal in ihrem Leben erlebt. Doch Johanna Hünig erlebte sogar schon einmal acht in einem Monat. Für die 38-jährige freiberufliche Hebamme aus dem Geburtshaus in Striesen sind sie nie Alltag und immer etwas Besonderes. So sehr sie ihren Beruf auch liebt, es gibt auch Probleme in ihrer Branche.

Mit welchen Problemen kämpfen die Hebammen?

Die immer weiter steigenden Haftpflichtprämien, die alle freien Hebammen, die Geburten betreuen, zahlen müssen, sind weiter ein Problem. Aktuell sind das rund 9.000 Euro Jahr. Zum Vergleich: Bis Ende Juni 2016 betrug die Versicherungssumme noch 6.270 Euro, 2004 rund 1.370 Euro. Als Grund nennen die Versicherungen die steigenden Regress-Ansprüche der Eltern. Stirbt ein Baby bei einer Geburt oder entstehen bleibende Schäden durch Sauerstoffmangel während der Geburt, muss die Versicherung der Hebamme zahlen. Doch diese Fälle sind extrem selten. 

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Jetzt bekommen die Hebammen zwar einen Zuschuss zu den Versicherungen, aber sie müssen die 9.000 Euro trotzdem erst mal vorstrecken. Ein Problem: „Oft dauert es vier Monate, bis das Geld zurückkommt“, so Hünig. Ein weiteres Problem ist der Personalmangel in den Kliniken und im Dresdner Umland. „Eigentlich müssen sich die Dresdnerinnen schon mit positiven Schwangerschaftstest bei uns anmelden, wenn sie bei uns entbinden wollen“, so Hünig. So schnell sind die Plätze voll.

Johanna Hünig und ihre Kollegin Heike Erlenkämper aus dem Hebammenhaus in der Neustadt und vom Verein „Gut ins Leben“ müssen teilweise bis nach Bautzen oder Bischofswerda fahren, um dort Frauen bei der Geburt zu Hause zu betreuen. „Die Mütter finden in ihren Städten einfach keine Hebammen“, so Erlenkämper.

Welche Hilfsangebote gibt es?

Die Dresdner Hebammen bekommen seit 2018 finanzielle Unterstützung von der Stadt. Sie können auf Antrag für die Wochenbettbetreuung 30 Euro, für die Geburtshilfe in einem Geburtshaus oder einer Hebammenpraxis 100 Euro sowie für Hausgeburten oder Beleggeburten in einem Krankenhaus 200 Euro erhalten. „Rückwirkend zum 1. Januar kann die Förderung beantragt werden“, so Grünen-Stadträtin Tina Siebeneicher.

Wie viele Hebammen beantragen die Hilfe?

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Rund 900 Hebammen haben im ersten Halbjahr 2019 den Förderantrag gestellt. „Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt funktioniert gut“, so Linken-Stadträtin Pia Barkow. Bisher gibt es diese Geburtsprämie nur in wenigen deutschen Städten. Neben Dresden sind das unter anderem Stuttgart und Marburg. Dresden ist zusammen mit Leipzig nach wie vor eine der geburtenstärksten Städte in Deutschland. Mehr als 8.000 Kinder kommen jährlich zur Welt.

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