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Hitze-Sommer lassen Kirche absacken

Fehlendes Grundwasser hat an der Kirche in Dresden Leubnitz-Neuostra große Schäden verursacht. Jetzt muss dringend gehandelt werden.

Von Weitem wirkt das Bild idyllisch. Doch wer näher tritt, erkennt, dass die Leubnitzer Kirche von Rissen übersät ist. Weil in den vergangenen Sommern wenig Regen gefallen ist, sackt der Boden unter dem Gotteshaus ab.
Von Weitem wirkt das Bild idyllisch. Doch wer näher tritt, erkennt, dass die Leubnitzer Kirche von Rissen übersät ist. Weil in den vergangenen Sommern wenig Regen gefallen ist, sackt der Boden unter dem Gotteshaus ab. © Jürgen Lösel

Die Leubnitzer Kirche gleicht derzeit einer Baustelle: Putz rieselt von den Decken, Gerüste verdecken den Altar, Bohrgeräusche dröhnen. Doch das Gotteshaus auf der Menzelgasse wird nicht restauriert. Es wird gesichert. Denn die beiden vergangenen heißen Sommer haben große Schäden hinterlassen.

Wie dramatisch ist die Lage?

Risse übersäen eine der ältesten Kirchen Dresdens. Sie sind teilweise so groß, dass Pfarrer Wolf-Jürgen Grabner seinen Arm hineinstecken kann. Außerdem stürzen Mörtel- und Putzteile herab. Die Lage ist so dramatisch, dass sogar der Altarraum gesperrt werden musste. „Mittlerweile sind dort Gerüste hingestellt worden, um die lockeren Gewölberippen zu stützen“, erklärt Bauingenieur Dirk Böhme, der als Sachverständiger für Bautenschutz arbeitet und sich um die Notsicherung der Leubnitzer Kirche kümmert. Der Altarraum kann somit zumindest wieder eingeschränkt genutzt werden. Allerdings sind einige der Emporen weiterhin nicht zugänglich, sodass die Kirche nur noch rund zur Hälfte belegt werden kann. Einige Gottesdienste am Heiligabend müssen deshalb draußen im Pfarrhof stattfinden.

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Wie kam es zu den Schäden?

Die Kirche wurde auf einem Hügel errichtet. Der bestehe aus Tonmaterialien, wie Böhme erklärt. Durch den mangelnden Niederschlag in den vergangenen Jahren scheint dieser ausgetrocknet zu sein. Das legen zumindest die Untersuchungen eines Geotechnikers nahe, der den Baugrund im Auftrag der Kirchgemeinde untersucht hat. Demnach ist in sechs Metern Tiefe kein Wasser mehr vorhanden, was den Hügel und mit ihm das Gebäude zum Absacken bringt. „Somit sind die Risse auch ein Stück weit Folgen der klimatischen Veränderungen“, sagt Pfarrer Grabner.

Auf der Empore kann Pfarrer Wolf-Jürgen Grabner sogar seinen Arm in einen der Risse stecken.
Auf der Empore kann Pfarrer Wolf-Jürgen Grabner sogar seinen Arm in einen der Risse stecken. © René Meinig
© Jürgen Lösel
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© Jürgen Lösel
© Jürgen Lösel
© Jürgen Lösel
© Jürgen Lösel

Sind andere Gebäude auch gefährdet?

Das kann durchaus sein. „Theoretisch möglich ist, dass ein Mauerwerk Risse bekommt, wenn es auf der einen Seite sehr warm und auf der anderen Seite noch kalt ist“, erklärt John Grunewald, Direktor des Instituts für Bauklimatik an der Technischen Universität Dresden. „Im Grunde genommen hat jedes Mauerwerk Risse. Dass Materialien entsprechend ihrer Temperaturen und Feuchtegehalte Dehnungen und Schwindungen unterliegen, lässt sich nicht verhindern. Die Frage ist, ob diese Prozesse im Normalbereich liegen.“ Das hänge von der Konstruktion der Gebäude, den verwendeten Materialien, den Temperaturen und den Feuchtegehalten ab.

Bei der Leubnitzer Kirche liegt eine besondere Situation vor, weil sie auf einem Hügel errichtet wurde, der hauptsächlich aus Plänermergel, also Sedimentgesteinen der Oberkreide, besteht.

Was soll jetzt in Leubnitz passieren?

In diesem Jahr wird das Gotteshaus zunächst notdürftig gesichert. Dafür wurde im Altarraum bereits ein Gerüst aufgestellt, der Bogen über der Orgel wurde schon im vergangenen Advent abgestützt. Derzeit sind Bauleute damit beschäftigt in den Boden zu bohren. In die Löcher sollen Pfähle getrieben werden, die das Bauwerk tiefer im Boden verankern. Außerdem wird das Inventar eingepackt und so vor dem herabrieselnden Putz geschützt. 320 000 Euro kosten die Sicherungsarbeiten, die vom Amt für Denkmalpflege finanziert werden.

Doch auch nach der Sicherung wird die Kirche weiterhin nur eingeschränkt nutzbar sein. Um die Emporen und den gesamten Altarraum wieder freizugeben, müsste das Gebäude umfassend saniert werden. „In einem ersten Schritt würden wir weitere Pfähle in den Boden treiben und eventuell sogar eine Bodenplatte gießen“, erklärt Böhme. Danach könnten die bestehenden Schäden behoben werden. Frühestens 2020/21 ist mit einem Baustart zu rechnen. Doch ob dieser überhaupt erfolgen kann, hängt davon ab, ob das Geld für die Sanierung zusammenkommt. Die Kosten schätzt Böhme auf mindestens 2,5 Millionen Euro.

Woher soll das Geld kommen?

Die Kirchgemeinde versucht Fördermittel von Bund, Land und Stadt einzuholen. Daneben ist sie aber auch auf Spenden angewiesen. „Das Gute ist, dass die Leubnitzer sich sehr mit der Kirche identifizieren“, sagt Pfarrer Grabner. Er glaubt deshalb daran, dass nicht nur Kirchenmitglieder, sondern auch Anwohner sich beteiligen werden. „Obwohl wir noch gar nicht die Werbetrommel gerührt haben, ist bereits in der vergangenen Woche eine vierstellige Summe eingegangen – von Leuten, die nun in Süddeutschland leben und sich in der Leubnitzer Kirche haben taufen lassen.“

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