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Kampagne zum Erhalt der Robotron-Kantine

Die Stadt Dresden hat den Ausbau zu einem Ort für Kunst und Kultur nach hinten verschoben. Kritiker sehen darin ein "Spiel auf Zeit".

Aus der ehemaligen Kantine von Robotron soll ein Open Future Lab werden. Aber wann?
Aus der ehemaligen Kantine von Robotron soll ein Open Future Lab werden. Aber wann? © Sven Ellger

Dresden. Wenn der Stadtrat in wenigen Tagen in die Haushaltsverhandlungen für die Jahre 2021/22 einsteigt, ist ein Thema nicht dabei: der Erwerb der ehemaligen Robotron-Kantine. Die Stadt hatte im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung geplant , das heruntergekommene Gebäude in der Lingnerstadt zu einem "Open Future Lab" auszubauen, das ein Ort für Kunst und Wissenschaft werden sollte.

Als die Bewerbung scheiterte, wollte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) das Projekt aufgrund der Corona-Krise ganz beerdigen, damit hätte man Millionen Euro gespart. Der Stadtrat entschied jedoch anders. So soll das Projekt qualifiziert werden, bis der Haushalt für die Jahre 2023/2024 erstellt wird. Dann soll auch Geld für den Umbau der Kantine vorgesehen werden. 

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Das ist einigen Akteuren aus Kunst, Kultur und Wissenschaft der Stadt jedoch zu spät. "Aus unserer Sicht ist das ein riskantes Spiel auf Zeit. Gerade in unseren ungewissen Zeiten brauchen wir Orte, die in die Zukunft wirken", sagt Sarah Urban vom Verein Konglomerat. Dieser bezeichnet sich selbst als Gestalter von Kulturräumen und Dienstleister für innovative Konzepte, die vom Wissen zum Handeln führen. Urban befürchtet, dass Corona nicht die  letzte Krise sein wird. Genau deshalb brauche Dresden solche Räume. 

Um wieder Bewegung in die Sache Robotron-Kantine zu bringen, hat der Verein die Kampagne #wardanichtnochwas initiiert. Prominente Unterstützer des Projektes sagen dort, warum die Chance für die Dresdner Stadtgesellschaft nicht im Sande verlaufen sollte. Unter ihnen Stephan Willinger vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, der Präsident der Architektenkammer Sachsen, Andreas Wohlfarth, und Marion Ackermann, die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

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Aus Sicht des Vereins Konglomerat ist in die Entwicklung von Nutzungskonzepten für die Robotron-Kantine bereits sehr viel Energie, Zeit, Geld und Engagement von Stadtgestalterinnen aus vielen Ebenen und Bereichen investiert worden, was gegen eine  Verschiebung des Projektes spricht. "Wo finden die geschaffenen Synergien, die erhobenen Bedarfe und die entstandene Vision dieses innerstädtischen Zentrums für Transdisziplinarität und Miteinander sonst Platz, wenn dieser Raum für immer verschwindet?", fragt Sarah Urban vom Verein. Es gehe um mehr als den Erhalt eines Zeitzeugnisses der DDR-Architekturmoderne, sondern um den Erhalt von Lebens- und Wirkräumen städtischer Gesellschaft, um sektorenübergreifende Zusammenarbeit. Flächen für solche Orte des Miteinanders zu finden, werde immer schwieriger, der Immobilienmarkt immer umkämpfter.

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