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"Bildung von Ghettos verhindern"

Victor Vincze, der Vorsitzende des Ausländerbeirates, spricht im Interview über seine Ziele und die Probleme von Migranten in Dresden.

Victor Vincze ist der neue Vorsitzende des Ausländerbeirates.
Victor Vincze ist der neue Vorsitzende des Ausländerbeirates. ©  privat

Dresden. Victor Vincze ist seit Kurzem wieder Vorsitzender des Ausländerbeirates. Der 42-Jährige hatte das Amt schon einmal 2015 inne. Vincze war Persönlicher Referent des Sächsischen Ausländerbeauftragten und ist CDU-Vorstandsmitglied. Im Sächsische.de-Interview spricht er über die Situation der Flüchtlinge und Migranten in Dresden. 

Herr Vincze, Sie sind der neue Vorsitzende des Ausländerbeirats. Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die wichtigsten Themen für Flüchtlinge und Migranten, die in Dresden leben?

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Integration gehört in die Mitte der Gesellschaft und darf kein parteipolitischer Spielball sein. Eines der größten Probleme sehe ich aktuell darin, dass wir die Bildung von "Ghettos" in Dresden verhindern müssen. Es ist schwierig, wenn sich in Gorbitz und Prohlis oder in der Johannstadt die gesellschaftlichen Probleme ballen, weil dort viele sozial Schwache oder Migranten wohnen. Die Stadt muss stärker für eine bessere Durchmischung über alle Stadtteile sorgen.

Laut Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann ist aber die Vonovia der einzige Partner der Stadt bei der Bereitstellung von Wohnungen für Flüchtlinge. Sollten sich die Genossenschaften dort stärker einbringen?

Das ist für die Genossenschaften schwierig, denke ich. Aber von privaten Vermietern erhoffe ich mehr Engagement in dem Bereich.

Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Aufgabe des Beirates?

Wir vertreten die 11,3 Prozent der Menschen in Dresden, die einen Migrationshintergrund haben und verstehen uns als Vermittler für die Menschen und wollen Migranten sichtbarer machen. Mit all den Chancen aber auch Problemen wie dem Alltagsrassismus, der vielen Menschen immer noch entgegenschlägt.

Zuletzt machten immer wieder rassistische Übergriffe in Dresden Schlagzeilen, wie der Fall im Winter 2019 als ein Kind auf einem Dreirad angegriffen wurde. Wie geht es Ihnen, wenn Sie so etwas hören?

Dass Menschen und vor allem Kindern in unserer Stadt so etwas geschieht, macht mich sprachlos. Hier werden definitiv alle Grenzen überschritten. Ich höre leider immer wieder solche Geschichten, dass Migranten in unserer Stadt angefeindet werden.

Sie selbst sind Ungar, mussten Sie Rassismus im Alltag schon erleben in Dresden?

Ich merke schon, dass manche Menschen komisch gucken, wenn ich mit meinem Sohn Ungarisch spreche. Wir erziehen ihn zweisprachig. Mir ist das wichtig und ich kann das aushalten, aber viele Migranten ziehen sich dann zurück und trauen sich nicht mehr in die Öffentlichkeit.

Als eines der Probleme benannten Sie das Thema Wohnen. Wie bewerten Sie die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Migranten und Flüchtlinge?

Ich höre immer wieder von großen Unternehmen in der Stadt, dass sie Probleme haben, ausländische Mitarbeiter und Wissenschaftler zu finden, da Dresden international mit rassistischen Vorfällen oft für negative Schlagzeilen sorgt. Aber ich erlebe, dass sich immer mehr Arbeitgeber dem Thema Zuwanderung öffnen und das ist ein gutes Zeichen. Effektive Integrationspolitik ist eben gute Arbeitsmarktpolitik. Ein wichtiger Baustein und eine große Herausforderung ist aber weiterhin die Sprache.

Gibt es denn genügend Plätze in Deutschkursen?

Hier hat sich viel getan und auch die Arbeitsagentur bemüht sich hier sehr. Was noch fehlt sind zum Beispiel Deutschkurse auch am Wochenende für berufstätige Migranten, wie zum Beispiel die vielen Vietnamesen, die in Dresden leben. Für die vielen Menschen aus Osteuropa, aus der Slowakei oder Tschechien, die hier leben, aber kein Anrecht auf Sozialleistungen haben, brauchen wir Lösungen. Denn Integration funktioniert über Sprache.

Sie sprachen vom schlechten Image Dresdens. Was wollen Sie tun, um Dresden für Migranten attraktiver zu machen?

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