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Corona-Risikogebiet Mallorca: Wer trotzdem noch fliegt

Seit fünf Tagen ist Spanien Risikogebiet. Doch von Dresden starten noch Flieger nach Mallorca. Wer darin sitzt und was Rückkehrer und Reiseanbieter berichten.

Spanien-Urlauber müssen sich seit dem 14. August testen lassen und in Quarantäne begeben, wenn sie zurück in Deutschland sind.
Spanien-Urlauber müssen sich seit dem 14. August testen lassen und in Quarantäne begeben, wenn sie zurück in Deutschland sind. © Sven Ellger

Dresden. Es ist früher Abend. In einer guten Stunde startet eine Eurowings-Maschine nach Mallorca. Besonders voll ist es am Dresdner Flughafen ohnehin selten. Doch derzeit muss man geradezu nach Touristen suchen, die einchecken möchten. Vereinzelt sieht man kleinere Reisegruppen, alle Urlauber sind jung. Die meisten Reisenden kommen jedoch allein. Familien sieht man keine. 

Claudia Rentsch möchte in den Flieger, der auf die spanische Insel fliegt. Allerdings beginnt für sie an diesem Tag nicht der Urlaub, er endet. Die junge Frau lebt auf Mallorca und ist nach Deutschland geflogen, um ihren Großvater zu überraschen. Nun geht es für sie zurück nach Hause. Sie ist besorgt, jedoch nicht wegen der Zahl der Infektionen. "Man macht sich schon Sorgen, weil der Tourismus jetzt ausbleibt und die Geschäfte leer sind. Um meine eigene Gesundheit mache ich mir jedoch keine Gedanken." 

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Nach Reisewarnung will fast niemand mehr nach Spanien

Dass der Tourismus beinahe komplett wegfällt, bestätigt auch das Reisebüro des Anbieters TUI in Dresden. Im Bezug auf Spanienreisen sagt Mitarbeiter Mario Zieroth: "Wir haben einen Buchungsrückgang von 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr!" Durch die Reisewarnung, die seit dem 14. August gilt, habe sich die Lage nochmal verschäft. Das Unternehmen hat seine Konsequenzen gezogen. "Jeder Reiseveranstalter reagiert individuell: So hat TUI zum Beispiel aktuell alle Pauschalreisen bis einschließlich 24. August abgesagt. Alltours hat alle Pauschalreisen in die betroffenen Regionen bis zum 15. September abgesagt. Für diese Buchungen erhalten die Kunden ihr Geld zurück."

Auch bei der Airline Eurowings, die regelmäßig von Dresden nach Mallorca fliegt, macht sich die Reisewarnung bemerkbar. "Die Auslastung unserer Maschinen nach Mallorca ist infolge der Reisewarnung um bis zu 25 Prozent gesunken", sagt Sprecher Florian Gränzdörffer. 

Wer fliegen will, kann fliegen

Wer jedoch trotzdem verreisen will, den hindert keiner, weder der Staat, noch die Reiseveranstalter oder Airlines. "Eine Reisewarnung ist ja kein Reiseverbot. Wenn die Kunden es wünschen, können sie auf eigenes Risiko reisen. Sofern Flüge stattfinden und die Hotels geöffnet sind, können die Gäste trotzdem nach Mallorca reisen. Es gelten dann bei der Rückkehr die offiziellen Einreisebestimmungen aus Risikoländern", sagt Zieroth von TUI.

Eurowings erstattet den Flugreisenden deshalb auch nicht die Ticket-Kosten, wenn sie ihren Flug stornieren möchten. "Eine Stornierung eines gebuchten Fluges ist nicht möglich, wenn der Flug zur gebuchten Zeit auch stattfindet. Eurowings bietet den Reisenden aber sehr flexible und kulante Umbuchungsmöglichkeiten - so ist beispielsweise eine Umbuchung auf einen früheren Flug ohne Umbuchungsgebühr möglich", sagt Gränzdörffer. Dafür verspricht das Unternehmen aber auch, alle Urlauber nicht nur ans Urlaubsziel, sondern auch wieder zurück nach Hause zu bringen. 

Allerdings wollen laut Zieroth von TUI die wenigsten Urlauber trotz Reisewarnung fliegen. "Die meisten Kunden buchen um oder warten auf eine Reiseabsage durch die Reiseveranstalter."

Was die Reiserückkehrer sagen

Jeugenia Homakov ist mit ihrem Mann für zehn Tage auf Mallorca im Urlaub gewesen. Die Reisewarnung hat das Paar überrascht. 
Jeugenia Homakov ist mit ihrem Mann für zehn Tage auf Mallorca im Urlaub gewesen. Die Reisewarnung hat das Paar überrascht.  © Sven Ellger
Elisabeth Preusz und Marcus Franz sind genervt davon, dass sie sich nun testen lassen müssen. Sie hatten jedoch schon damit gerechnet. 
Elisabeth Preusz und Marcus Franz sind genervt davon, dass sie sich nun testen lassen müssen. Sie hatten jedoch schon damit gerechnet.  © Sven Ellger
Der Spanier Carlos Andres Garcia Suesun war in Deutschland im Urlaub. Nun fliegt er zurück in seine Heimat. Die Reisewarnung für Mallorca hält er für übertrieben.
Der Spanier Carlos Andres Garcia Suesun war in Deutschland im Urlaub. Nun fliegt er zurück in seine Heimat. Die Reisewarnung für Mallorca hält er für übertrieben. © Sven Ellger
Stefanie und Rico Driest haben sich in Spanien sicherer gefühlt als in Deutschland.
Stefanie und Rico Driest haben sich in Spanien sicherer gefühlt als in Deutschland. © Sven Ellger
Alejandro Gaviria hat in Mallorca seine Familie besucht. Nun ist er wieder zurück in Deutschland. 
Alejandro Gaviria hat in Mallorca seine Familie besucht. Nun ist er wieder zurück in Deutschland.  © Sven Ellger
Claudia Rentsch lebt in Spanien. Um ihre Gesundheit macht sie sich keine Sorgen, jedoch um den Tourismus. 
Claudia Rentsch lebt in Spanien. Um ihre Gesundheit macht sie sich keine Sorgen, jedoch um den Tourismus.  © Sven Ellger

Bevor die Reisewarnung ausgesprochen wurde, sind jedoch noch einige Dresdner auf die Ferieninsel gereist. Nun, da Mallorca als Risikogebiet gilt, müssen sie sich bei ihrer Ankunft am Flughafen in Dresden testen lassen. Die Schlange ist lang. Elisabeth Preusz ist gerade nach einer neuntägigen Reise nach Deutschland zurückgekehrt. Wie beinahe alle, die mit ihrem Flieger zurück nach Deutschland geflogen sind, ist sie in Spanien angereist, bevor das Land zum Risikogebiet wurde. "Ich bin ein bisschen genervt." Schließlich muss die Studentin nun erstmal in Quarantäne. Zumindest bis ihr Testergebnis vorliegt. "Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, war da, aber man hofft halt, dass es nicht passiert, so lange man dort ist."

Jeugenia Homakov hat die Einstufung ebenfalls überrascht. Sie war mit ihrem Partner für zehn Tage auf Mallorca im Sommerurlaub. "Wir haben uns dort sehr sicher gefühlt. Jeder hat Maske getragen, Abstand gehalten, überall wurde man desinfiziert. Ich wüsste nicht, wo man sich hätte anstecken sollen."

Ob weiterhin Flieger von Dresden nach Mallorca fliegen werden, ist derzeit unklar. "Insgesamt fliegt Eurowings pro Woche rund 150 Mal von Deutschland nach Palma. Wir überprüfen natürlich täglich Nachfrage und Angebot", sagt Florian Gränzdörffer. "Aufgrund der aktuellen Reisewarnung kann eine Anpassung des Flugplans deshalb nicht vollständig ausgeschlossen werden." 

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