merken
PLUS

Dresden setzt aufs Handwerk

Drei Milliarden Euro Jahresumsatz, 30 000 Arbeitsplätze: OB Hilbert will eine der wichtigsten Branchen fördern.

© Christian Juppe

Von Andreas Weller

Dresdens Handwerk ist im Aufschwung. Das merkt auch Dana Börner. Die Tischlerin hat seit 2015 ihre Werkstatt am Dammweg in der Neustadt. Bereits seit 2006 arbeitet sie selbstständig. „Derzeit läuft es relativ gut“, erzählt sie. Massivholzmöbel sind gefragt, weil die Menschen nachhaltiger einkaufen. „Aber ich habe auch Angst vor einem Fahrverbot.“ Denn auf ihren Transporter ist Dana Börner angewiesen, wenn sie zu ihren Kunden will.

Anzeige
Sommer, Sonne, Sonnencreme
Sommer, Sonne, Sonnencreme

Hier erfährst Du welchen Schutz und welche Pflege Deine Haut in den heißen Monaten wirklich braucht.

Darum müsse sich die Tischlerin aber nicht sorgen, erklärt Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). „Wir wollen Fahrverbote auf jeden Fall vermeiden.“ Vielmehr soll das Handwerk durch den am Montag unterzeichneten Aktionsplan gestärkt und gefördert werden. Die gut 5 300 Handwerksbetriebe in Dresden beschäftigen mehr als 30 000 Mitarbeiter und sind mit rund drei Milliarden Euro Umsatz im Jahr ein Wirtschaftsfaktor. Und der Umsatz wächst kontinuierlich. „Die Kaufkraft steigt und die Menschen werden älter, dazu die schlechte Zinslage – da wird das Geld eher in Leistungen angelegt und davon profitiert das Handwerk“, so Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer. Damit das Handwerk noch mehr gefördert wird, haben Hilbert und Dittrich jetzt den Aktionsplan vorgestellt. Die wichtigsten Punkte:

Stadt vergibt Aufträge in der Region und bietet neue Flächen an

Weit mehr als 100 Millionen Euro umfassen allein die Bauaufträge, die die Stadt jedes Jahr vergibt. Von 874 Aufträgen, die das Rathaus 2015 ausgeschrieben hatte, wurden 318 in Dresden erteilt und 481 im restlichen Sachsen. Nun sollen die Firmen noch früher über das informiert werden, was die Stadt plant. Damit könne auch das Problem gelöst werden, dass sich kurzfristig keine oder sehr wenige Bieter finden.

Da die Zahl der Betriebe wächst und sich einige erweitern wollen, brauchen Handwerker Platz. Die Gewerbegebiete der Stadt sind zu 80 Prozent ausgelastet. Derzeit bietet die Verwaltung rund 100 Hektar Flächen dafür an. Das entspricht etwa 140 Fußballfeldern. Robert Franke, Chef der Wirtschaftsförderung im Rathaus, will pro Jahr etwa drei zusätzliche Hektar schaffen.

Mehr Abiturienten, ein Juniormeister und mehr Geld

Mit Ober- und Berufsschulen ist die Stadt bereits im Austausch. Auch die Kammer bietet regelmäßige Angebote. Jetzt will Hilbert einen Juniormeister einführen. „Als Pendant zum Juniordoktor, um zusätzliche Anreize zu schaffen.“ Zudem seien die Aufgaben immer komplexer, sodass noch mehr Auszubildende mit Abitur benötigt werden. Aktuell liegt die Quote bei 13 Prozent. „Wir wollen 20 bis 25 Prozent“, so Dittrich. „Das Schulsystem hier belohnt nur das Auswendiglernen und naturwissenschaftliches Denken.“ Das müsse sich ändern, um Talente zu fördern. Aber auch eine bessere Bezahlung fordert Dittrich. Handwerker erhalten mehrere Hundert Euro pro Monat weniger als in der Industrie gezahlt werde, kritisiert Dittrich.

Schneller unterwegs – imTransporter und im Internet

Handwerker sind darauf angewiesen, schnell zu sein. Ein Fahrverbot wäre laut Dittrich eine „Katastrophe, die einer Enteignung gleichkäme“. Um das zu vermeiden, sind mehr Jobtickets für Handwerksbetriebe geplant. Die Verwaltung will zudem besser Baustellen planen, damit Handwerker immer flink durch die Stadt kommen. Außerdem seien Handwerkerparkausweise eine Überlegung, damit sie auch in Anwohnerparkzonen während des Einsatzes parken können. Ein großes Problem ist auch der Breitbandausbau für schnelleres Internet. Die Gewerbegebiete sind mittlerweile fast alle versorgt. Striesen und andere Stadtteile aber noch nicht. Franke lässt derzeit eine Studie erstellen, die die „weißen Flecke“ aufzeigen soll. Fördermittel beim Bund sind bereits beantragt.

Elektro-Autos (noch) nicht geeignet, aber energiesparend bauen

Hilbert möchte Dresden zum Vorreiter bei erneuerbaren Energien machen. Beim Bau funktioniert dies teilweise bereits. Um Fahrverbote zu vermeiden, sollen auch Handwerkerfahrzeuge mehr auf alternative Antriebe umgerüstet werden. Doch so einfach ist das nicht. Laut Dittrich wären die Akkus für Elektro-Transporter zu schwer. „Aber vielleicht ist der Wasserstoffmotor eine Alternative.“

Der Aktionsplan soll helfen, dass Handwerk und Verwaltung gezielter zusammenarbeiten. Um den Facharbeiterbedarf zu decken, ist geplant, auch Zuwanderer gezielt zu fördern. Tischlerin Dana Börner sieht im Gesamtplan den richtigen Ansatz. „Ich würde auch einen Flüchtling einstellen, allerdings müssten diese gezielt sprachlich gefördert werden.“