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Dresdner Supermarkt: "Hier sind Schwalben willkommen"

In Gönnsdorf haben die Vögel ihre Nester direkt am Eingangsbereich von Diska. Die Belegschaft sorgt dafür, dass die Tiere in Ruhe brüten können.

Am Diska-Supermarkt in Gönnsdorf gibt es 15 Schwalbennester.
Am Diska-Supermarkt in Gönnsdorf gibt es 15 Schwalbennester. © Marion Doering

Dresden. Das ist doch mal was Besonderes:  Wer im Gönnsdorfer Diska-Supermarkt zur Tür hineingeht, wird oft auch von Mehlschwalben begleitet. Die haben ihre Nester direkt im Eingangsbereich und fliegen zur Fütterung ihrer Jungen ständig aus und ein. Jetzt wurde der Markt vom Naturschutzbund Nabu Meißen-Dresden ausgezeichnet. Eine Plakette "Hier sind Schwalben willkommen" weist am Eingang auf das Engagement der Mitarbeiter hin.

Damit der Kot der Vögel die Kunden nicht trifft, haben die Diska-Mitarbeiter ein Blech angebracht, das die Hinterlassenschaften auffängt. Außerdem wird sofort gesäubert, sollte doch etwas auf den Boden fallen. 

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MarktleiterRico Kläßig nimmt die Urkunde von Lutz Hennig vom NABU Regionalverband Dresden-Meißen entgegen.
MarktleiterRico Kläßig nimmt die Urkunde von Lutz Hennig vom NABU Regionalverband Dresden-Meißen entgegen. © Marion Doering

Die Mehlschwalben kommen seit über fünf Jahren nach Gönnsdorf, wo sie im Zwischenraum zum Dach des Supermarktes gute Nistbedingungen finden. 15 Nester wurden dieses Jahr gezählt. "Die Bedingungen für die Vögel in Gönnsdorf sind gut", sagt Manuela Schott von der NABU-Arbeitsgruppe Natur im Schönfelder Hochland. In der Nähe des Supermarktes weiden Pferde und Rinder, die Insekten wie Fliegen und Mücken anziehen.  Die wiederum sind die Nahrung der Schwalben. Auch  blühende Wiesen, auf denen reichlich Insekten zu finden sind, sind perfekt für die Schwalben. 

An den Tränken der Weidetiere, wo sie mit ihren Hufen das Gras abtreten, finden die Schwalben zudem den Lehm zum Bau der Nester. Und selbst das ständige Geklapper der Einkaufswagen und das Öffnen der Tür scheint die Schwalben am Supermarkt in keiner Weise zu stören.

Mit einem Brett werden die Kunden in Gönnsdorf vor dem Kot der Schwalben geschützt.
Mit einem Brett werden die Kunden in Gönnsdorf vor dem Kot der Schwalben geschützt. © Marion Doering

Mehlschwalben, die zwischen Mitte April und Mitte Mai aus Afrika zurückkehren, wo sie den Winter verbringen, kehren stets an ihre angestammten Niststandorte zurück, das nennt man brutplatztreu. Nach ihrer anstrengenden Reise finden sie so ein bezugsfähiges Nest vor. Selbst wenn es beschädigt ist, kostet die Ausbesserung des alten Nestes deutlich weniger Kraft und Aufwand, als sich ein neues zu bauen, informiert der NABU auf seiner Internetseite. Paare kehren in der Regel zu ihrem alten Nest zurück. Wenn ein Partner den Winter oder den Zugweg nicht überlebt hat, finden sich am Brutplatz neue Paare.

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Ab Mitte Mai bis Mitte Juni legen die Weibchen ihre Eier. Nach zwei, bis spätestens drei Wochen bei schlechter Witterung schlüpfen die Jungen, die  drei bis vier Wochen von ihren Eltern aufgezogen, bis sie flügge sind. Pro Brut zieht ein Mehlschwalbenpaar drei bis fünf Junge auf.

Anfang beziehungsweise Mitte Juli beginnen die Schwalben oft eine Zweitbrut, wie derzeit in den Nestern am GönnsdorferSupermarkt zu sehen. Voraussetzung für mehrere Bruten und viel Schwalbennachwuchs ist, dass die Schwalbeneltern genügend Insekten für sich und ihre Jungen fangen. Pro Jahr werden in einer Schwalbenfamilie rund 250.000 Insekten verfüttert. Leider finden Mehlschwalben nicht mehr überall genügend Nahrung.  Der Bestand der geschützten Vogelart geht seit Jahren zurück.

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