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Drewag heizt im Kraftwerk Mitte ein

Tief unter der Erde liefert die neue Energiezentrale nicht nur Wärme, sondern verschafft Theatern auch ein gutes Klima. 

Drewag-Sachgebietsleiter Lutz Rehwald inspiziert die Wärmeübertragungsstation in der Energiezentrale des Kraftwerks Mitte. Die Anlagen arbeiten automatisch.
Drewag-Sachgebietsleiter Lutz Rehwald inspiziert die Wärmeübertragungsstation in der Energiezentrale des Kraftwerks Mitte. Die Anlagen arbeiten automatisch. © Christian Juppe

Schon 27 Jahre wird im Kraftwerk Mitte nicht mehr mit Kohle geheizt. Stattdessen gibt es jetzt eine Energiezentrale im Keller eines Gebäudes am Wettiner Platz, die bei den gegenwärtigen Minusgraden besonders gefragt ist. Fünf Meter steigt Lutz Rehwald hinab, um der SZ den fast 500 Quadratmeter großen Raum mit seinen Anlagen zu zeigen. „Sie sind 2016 in Betrieb gegangen und versorgen seitdem stabil das gesamte Areal mit Fernwärme und Fernkälte“, erklärt der Drewag-Sachgebietsleiter, der für Instandsetzungen und Wartungen dieser und weiterer derartiger Anlagen in Dresden zuständig ist.

Die Fernwärme kommt hier in Form von bis zu 128 Grad heißem Wasser in der Wärmeübertragungsstation an. In ihr wird der Druck von 16 auf bis zu sechs Bar und die Temperatur auf 80 Grad umgewandelt. So fließt das warme Wasser weiter ins Theater Junge Generation, die Staatsoperette und die anderen Gebäude im einstigen Kraftwerk. „Das ist der höchste technische Standard, den es gibt“, sagt Rehwald. So sind die Elektronikkästen, die die Pumpen steuern, größer als die Motoren, nennt er ein Beispiel. Sämtliche Anlagen werden hier elektronisch gesteuert und aus der Leitzentrale fernüberwacht.

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Nur einmal wöchentlich kommt ein Monteur und schaut, ob alles in Ordnung ist. Dabei geht es unter anderem um kleine Undichtheiten an Pumpen oder Rohren. Rehwald kennt die Zeiten, als das noch anders war, sehr gut. Schließlich hat der Dresdner seinen Job von der Pike auf gelernt. 1980 hatte er seine Lehre zum Gas- und Wärmenetzmonteur beim Energiekombinat Dresden begonnen und später die Meisterausbildung absolviert.

Als Jungfacharbeiter arbeitete er 1982 in der Wärmeübertragungsstation an der Nöthnitzer Straße in Nachtschichten. Von dort wird das Wohngebiet an der Kohlenstraße mit Fernwärme versorgt. Die Anlagen kontrollierte er damals stündlich. „Zuvor musste ich in der Leitzentrale anrufen und mir die Außentemperatur durchgeben lassen“, berichtet Rehwald. Danach stellte er die Leistung der Anlage am Ventil ein. „Das ging allerdings nur ein halbes Jahr. Dann wurde die Anlage automatisiert.“

Dennoch war es auch weiter nötig, diese und die anderen derartigen Stationen zweimal täglich zu überprüfen. Damals floss noch normales, sauerstoffreiches Trinkwasser durch die Leitungen, was Rehwald und seine Kollegen oft nachfüllen mussten. Zudem führte das zu verstärkter Korrosion. „Heute wird aufbereitetes, entsalztes und entgastes Wasser in den Kraftwerken ins Fernwärmesystem eingespeist“, verweist er auf den Unterschied. Dadurch entstehen viel weniger Schäden. Gab es im gesamten Dresdner Fernwärmenetz 2017 noch 171 Störungen, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 159, erklärt Rehwalds Chef, Fernwärme-Abteilungsleiter Bernd Lehmann. Anfang der 1990er Jahre waren es noch dreimal so viele. Meistens handelt es sich heute aber um kleinere Defekte. Damit zahlen sich auch die großen Investitionen ins Fernwärmenetz aus. So mussten in der Wärmeübertragungsstation im Kraftwerk Mitte seit der Inbetriebnahme vor knapp zweieinhalb Jahren nur fünf Kubikmeter Wasser nachgespeist werden, was sehr wenig sei. „Die Anlage funktioniert sehr gut“, sagt Rehwald.

Bei der derzeitigen Kälte ist das auch nötig. So erreichten die Dresdner Kraftwerke am 21. Januar bei minus acht Grad eine Leistung von 626 Megawatt (MW), um das Fernwärmenetz gut zu versorgen. Das war die bisherige Höchstleistung in diesem Winter. Vor Probleme stellt das die Kraftwerke aber nicht. Schließlich haben sie eine Gesamtkapazität von 812 MW.

Die Drewag-Energiezentrale im Kraftwerk Mitte heizt aber nicht nur, sondern sorgt mit ihren beiden Kältemaschinen auch für gutes Klima in Theatern und anderen Gebäuden. Mit jeweils 1 000 Kilowatt haben sie dafür auch eine ausreichende Leistung. „Die Maschinen arbeiten nach dem Prinzip eines Kühlschranks“, erläutert Rehwald. In einem Kreislauf strömt vier bis sechs Grad kaltes Wasser in die Gebäude. Auf bis zu 15 Grad erwärmt kommt es später zur Kältemaschine zurück. Die Wärme wird über auf dem Dach installierte sogenannte Rückkühler, das sind große Wärmetauscher, an die Umgebung abgeführt. Die Kompressionskältemaschinen werden zwar vor allem in der warmen Jahreszeit zwischen Mai und September benötigt. Aber auch im Winter sind sie erforderlich, um bei Theatervorstellungen gutes Klima zu schaffen, indem sie die Feuchtigkeit abführen.

Das Kondensat wird über Entlüftungskanäle abgesaugt und fließt letztlich in den Kanal. Es gibt aber auch einen kleinen Kühlkreislauf, bei dem die Luft nur über die Wärmetauscher klimatisiert werden kann. „Das ist auch abhängig von der Außentemperatur“, sagt Rehwald. „Schafft das der kleine Kreislauf nicht, wird automatisch die Kältemaschine zugeschaltet.“