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Dresdens Bäume im Dauerstress

Viele sind abgestorben, insbesondere wegen der Dürre. Langfristig werden einige Arten ganz aus Dresden verschwinden.

Sie hat die Hitze nicht überlebt, die Blutbuche am Albertplatz.
Sie hat die Hitze nicht überlebt, die Blutbuche am Albertplatz. © Sven Ellger

Dresden. Sie hat zwei Weltkriege überstanden, Brände, eiskalte Winter und diverse trockene Sommer überlebt. Doch dieses Jahr ist das letzte für die Blutbuche am Brunnen Stürmische Wogen am Albertplatz. Zwischen 1890 und 1900 wurde sie gepflanzt, als originaler Bestandteil der Platzgestaltung. Und zaghaft trieb sie im Frühjahr noch einmal aus. Doch schnell ließ sie diese Blätter wieder fallen. Nun ist sie abgestorben, im Herbst rücken die Männer mit den Kettensägen an, um sie zu fällen.

Wie viele Bäume sind abgestorben und geschädigt?

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Die Blutbuche ist eine von 300 Straßenbäumen und 400 Bäumen in städtischen Grünanlagen, die in diesem und letztem Jahr abgestorben sind, sagt Steffen Löbel, Sachgebietsleiter Straßenbäume im Amt für Stadtgrün. Und das, obwohl rund 8.000 der insgesamt 54.196 Straßenbäume im vorigen Sommer durch städtische Mitarbeiter, die Feuerwehren und auch durch Bürger gewässert wurden. Zwar könne nicht bei allen eindeutig geklärt werden, ob es sich allein um Trockenheitsschäden handelt. So sind zum Beispiel im Waldpark Blasewitz 250 Kiefern eingegangen, viele andere Exemplare der gleichen Art stehen dort aber noch. „Es hat immer viele verschiedene Ursachen“, sagt Löbel. Doch es sei davon auszugehen, dass der größte Teil im Zusammenhang mit den extremen Witterungsereignissen zu sehen ist. Die Dürre hatte bereits im Herbst 2017 begonnen. Bei weiteren fünf Prozent der Straßenbäume geht Löbel davon aus, dass sie geschwächt sind.

Wie reagiert die Stadt, um den Verlust auszugleichen?

400 bis 500 Bäume pro Jahr werden im Durchschnitt nachgepflanzt. Das ersetzt aber nur den Dürre-Verlust sowie die Bäume, die aus Gründen der Verkehrssicherheit oder wegen Krankheits- und Schädlingsbefall gefällt werden wie gerade Bergahornbäume an der Cockerwiese. „Eigentlich wollen wir die Anzahl unserer Straßenbäume aber erhöhen und nicht nur stabil halten“, sagt Jörg Lange, Abteilungsleiter Grünflächenpflege. Momentan sei die Steigerung aber nicht möglich, auch aus Kostengründen. Stolze 4.200 Euro kostet es, einen Baum in der Innenstadt neu zu pflanzen, inklusive der Planungen, Tiefbauarbeiten, des Aushubs, Substrats und der speziellen Jungbaumpflege. In den ländlicheren Randgebieten sind nur 1.500 Euro fällig, weil die Umgebung nicht so stark verdichtet ist.

Damit angesichts der heißen Temperaturen dieses Sommers nicht wieder viele Bäume eingehen, werden 4.000 Jungbäume von Fremdfirmen gewässert, sagt Lange. Weitere 2.000 gießen städtische Mitarbeiter. Auch die Bürger können mithelfen, die Bäume vor ihrer Haustür zu wässern.

Sehen wir bald ganz andere Baumarten auf unseren Straßen?

Weil einheimische Arten wie insbesondere die Rotbuche, der Bergahorn, die Eberesche oder der Rot- und Weißdorn nicht so gut mit den klimatischen Veränderungen klarkommen, werden sie langfristig aus dem Stadtbild verschwinden. Stattdessen setzt die Stadt künftig verstärkt auf die Hopfenbuche, den italienischen Ahorn und den französischen Burgenahorn. Eine Renaissance wird auch die Ulme erleben, die in den 1920er-Jahren rund 20 Prozent des Dresdner Straßenbaumbestandes ausgemacht hat, heute aber nur noch ein Prozent, sagt Lange. „Ob die sich langfristig gesehen aber auch bewähren, weiß heute noch niemand“, fügt Steffen Löbel hinzu. Denn es braucht einen Beobachtungszeitraum von 15 bis 20 Jahren, um das seriös beurteilen zu können. Bestes Beispiel sei die Dohnaer Straße, bei deren Umgestaltung in den 1990er-Jahren rund 1.100 Bergahornbäume gepflanzt wurden, von denen man damals glaubte, dass sie gut an das Dresdner Stadtklima angepasst seien. Doch inzwischen ist eine stattliche Anzahl eingegangen. Sie werden jetzt durch Spitzahornbäume ersetzt. „Aber es ändern sich natürlich auch die Bedingungen in der Stadt durch Bautätigkeit und neue Windkanäle, was auch Auswirkungen auf die Vitalität der Bäume hat“, so Löbel.

Reicht das Wässern, um die Bäume bei Trockenheit vital zu halten?

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Nein. Viele Bäume stagnieren in ihrer Entwicklung, leiden unter chronischen Krankheiten wie der Buchenkomplexkrankheit. Deshalb setzt die Stadt bei Neupflanzungen auf eine Mischung verschiedener Baumarten, damit nicht mehr ganze Straßenzüge befallen und ausgetauscht werden müssen. Derzeit wachsen 136 verschiedene Arten in Dresden, darunter beispielsweise Ginkgo, Magnolie oder Lederhülsenbaum.

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