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Duftstoff-Firma ist verstecktes Drogenlabor

Zwei Kriminelle aus Dresden müssen für viele Jahre ins Gefängnis. Sie wollten kiloweise Crystal herstellen.

Dieses professionelle Drogenlabor spürten Zollfahnder im vergangenen Jahr in Dresden auf und sorgten damit für einen empfindlichen Schlag gegen die Rauschgiftszene.
Dieses professionelle Drogenlabor spürten Zollfahnder im vergangenen Jahr in Dresden auf und sorgten damit für einen empfindlichen Schlag gegen die Rauschgiftszene. © Zoll Dresden

Dresden. Im Januar 2018 durchsuchten Zollfahnder und Polizisten Wohnungen und mehrere Lager- und Firmenräume von zwei Dresdner Kriminellen. Was sie dort sicherstellten, verschlug den Ermittlern den Atem: Die Täter hatten sich in einer Lagerhalle in Dresden-Cossebaude ein funktionsfähiges Crystal-Labor eingerichtet.

Die Beamten stellten Arzneimittel in großen Mengen sicher, aus denen der Crystal-Grundstoff Ephedrin gewonnen werden kann. Dazu haufenweise Chemikalien. Darüber hinaus wurden Waffen gefunden, darunter drei tschechische Maschinenpistolen vom Typ Scorpion und eine halbautomatische Pistole, rund 120.000 Euro Bargeld, Drogen, Handys und alles andere, was Dealer benötigen. Die Verdächtigen, Fabian L. (32) und Ralf M. (38), wurden verhaftet. 

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Wie sich nun im Prozess gegen die beiden Männer am Landgericht Dresden gezeigt hat, waren die Zollfahnder keinen Tag zu spät gekommen. Die Dresdner Drogendealer, die sich den Stoff zuvor aus Polen und Tschechien besorgten, hatten in ihrem Labor nämlich gerade mit der Produktion begonnen. Nur Tage zuvor hatten sie bei einer Fahrt ins tschechische Petrovice gleich sieben Kilo Crystal geholt.

Es ist die bislang größte Menge einer einzigen Beschaffungsfahrt, für die jemand vor einem sächsischen Gericht verurteilt wurde. Der Vorsitzende Richter Joachim Kubista sagte nun in seiner Urteilsbegründung, die Männer hatten ihren Lieferanten 140.000 Euro übergeben, seien dann von Petrovice nach Usti nad Labem gefahren, wo sie den Stoff erhielten. Fabian L. sei dann mit dem Crystal bei Altenberg über die grüne Grenze spaziert, während Ralf M. gefahren sei. Weil sich M. im Schnee festgefahren habe, habe L. unterwegs die S-Bahn genommen. 

Die Angeklagten hatten ihr Drogenlabor in Cossebaude unter falschen Namen angemietet und behauptet, dort „Duftstoffe für Zigaretten“ zu entwickeln. Ein Gutachten des Landeskriminalamtes Sachsen habe jedoch nachgewiesen, dass das Labor zur Crystal-Herstellung diente und die Täter bereits erfolgreich Vorprodukte hergestellt hatten, so Kubista. Fabian L., der einen Großteil der Vorwürfe zugab, hatte ausgerechnet den Zweck seines Labors bestritten: Er habe nie die Absicht gehabt, dort Drogen herzustellen. 

Das Gericht verurteilte L. – der Kfz-Mechatroniker ist vielfach vorbestraft – wegen der Einfuhr und des Handels mit größeren Mengen Crystal, dem Herstellen von Betäubungsmitteln, einem Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und wegen Hehlerei zu zehn Jahren Haft. M., ein Softwaretechniker, bislang kaum justizerfahren, kam mit sieben Jahren davon. Die beiden Deutschen haben die Möglichkeit, einen Teil ihrer Haft in einer Entziehungsanstalt zu verbringen, sie sind drogenabhängig. 

Strafschärfend wertete das Gericht nicht nur die gewaltige Menge Crystal in ihrem Besitz, es ging um über zehn Kilo, sondern dass sie im Begriff waren, die gefährliche Droge selbst herzustellen. Kubista merkte an, Fabian L. habe selbst nach seiner Inhaftierung weiter mit Crystal handeln wollen – im Gefängnis. Das ging aus einem im März 2018 abgefangenen Brief an den Dealer Marco W. hervor: „Den kennen wir, weil wir ihn auch schon verurteilt haben.“

Die Angeklagten waren von den Ermittlern bereits observiert worden. So gelang es den Beamten, Gespräche und Kurznachrichten zu überwachen. Auch hörten die Beamten mit, wie die Männer über teilweise schlechte Qualität und massiv gestreckten Stoff klagten. Außerdem haben andere Dealer gegen sie ausgesagt. Einer der Lieferanten war Angelo D. aus Görlitz, der erst vor wenigen Tagen unter anderem für Drogengeschäfte vom Landgericht Dresden zu neun Jahren Haft verurteilt wurde.