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Antrag abgelehnt! Jetzt reagiert Dynamo

Die DFL lässt über die geforderte Aufstockung der 2. Bundesliga nicht abstimmen. Dynamo zeigt sich überrascht und enttäuscht. Eine Klage wird geprüft.

Dynamos Geschäftsführer Michael Born hat versucht, die DFL zu überzeugen, doch die Argumente zählen für den Ligaverband offenbar nicht.
Dynamos Geschäftsführer Michael Born hat versucht, die DFL zu überzeugen, doch die Argumente zählen für den Ligaverband offenbar nicht. © Robert Michael

Dresden. Es ist schon merkwürdig, wie in diesen Tagen Informationen über Dynamo Dresden gestreut werden. Erst berichtet die Bild-Zeitung über den Vorstoß des Vereins, den Abstieg zu annullieren und die nächste Saison in der 2. Bundesliga mit 20 Mannschaften zu spielen. Dann schiebt die Sport-Bild nach, man würde die positiven Corona-Tests anzweifeln, die zur Quarantäne für die Mannschaft, Trainer und Betreuer geführt hatten.

Nun ist es das Fußball-Magazin Kicker, das zuerst etwas vermeldet hat, was nur die beteiligten Seiten wissen können: Das Präsidium der Deutschen Fußball-Liga (DFL) hat in einer außerordentlichen Sitzung am Donnerstag entschieden, über Dynamos Antrag in der nächsten Mitgliederversammlung nicht abstimmen zu lassen. Damit wäre der Abstieg de facto besiegelt.

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Zunächst gab es weder eine offizielle Erklärung vom Ligaverband noch eine Stellungnahme von Dynamo. Am Nachmittag erklärte Pressesprecher Lennart Westphal: „Stand jetzt geben wir dazu keinen Kommentar ab.“ Doch das hat sich im Laufe des Tages geändert, 18.20 Uhr verbreitete der Verein eine Pressemitteilung und zeigte sich „überrascht und enttäuscht“ von der Antwort der DFL.

Keine sportliche Integrität des Wettbewerbs

Man habe in dieser Woche einen konkreten Vorschlag „zur Kompensation des Wettbewerbsnachteils vorgelegt. Dieser sieht für die Saison 2020/21 eine Aufstockung der 2. Bundesliga auf 19 Teams vor, wobei die SGD bereit gewesen wäre, auf einen relevanten Teil der ihr zustehenden Fernsehgelder zu verzichten“, heißt es. Zudem habe man angeregt, auch den Abstieg von Wehen Wiesbaden zu annullieren und mit dann 20 Mannschaften zu spielen. Damit hätte man „gelebte Solidarität“ zwischen den Klubs gezeigt.

„Wir haben als Verein die wirtschaftliche Solidarität im Zuge der Fortsetzung des Spielbetriebes in der 2. Bundesliga uneingeschränkt gelebt“, betont Dynamos Geschäftsführer Michael Born. Es sei unverständlich, dass die sportliche Integrität des Wettbewerbes offenbar keinerlei Rolle spiele. „Anders lässt sich die ablehnende Haltung der DFL nicht erklären.“

In Absprache mit den Vertretern der Gremien des Vereins und der anwaltlichen Vertretung werde man in der nächsten Woche das weitere Vorgehen festlegen. Bereits im Schreiben an die DFL vom 21. Juli hatte der Verein angekündigt, „dass eine gerichtliche Überprüfung der Rechtmäßigkeit aller Umstände, die zur Benachteiligung von Dynamo Dresden im Wettbewerb geführt haben, weiterhin eine Handlungsoption“ bleibe.
Zweifel an den Corona-Tests

Keine Antikörper bei Kontrolluntersuchung

Nach Informationen der SZ soll Dynamo durchaus gute Argumente haben, die ungerechte Behandlung bei der Wiederaufnahme des Spielbetriebes juristisch geltend zu machen. Born hatte von neuen Ansatzpunkten in dem vorliegenden Rechtsgutachten gesprochen. Einer sollen die Zweifel an den Corona-Tests sein, die der Verein nun auch offiziell in der Mitteilung anmeldet. Die Rede ist von „erheblichen Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit der PCR-Testungen durch das von der DFL zugeordnete Labor“.

Laut Sport-Bild haben die Verantwortlichen eine Kontrolluntersuchung in einem anderen Labor als dem zugewiesenen in Jena veranlasst. Dabei soll ein Test auf Corona-Antikörper bei den vier Spielern, die zuvor positiv auf Covid-19 getestet worden waren, negativ ausgefallen sein. Deshalb handele es sich bei den Befunden aus den Testreihen vom 2., 8. und 20. Mai „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um falsche positive Ergebnisse“. Diese Aussage wird in der Mitteilung erneuert.

Es sei davon auszugehen, „dass derartige Fehler bei der Diagnostik der DFL haftungsrechtlich zuzurechnen sind“. Zudem entspreche es nicht den Tatsachen, dass die Testungen anonymisiert erfolgt sind, da das Hygienekonzept personalisierte Testungen vorsieht. Laut DFL habe Dynamo keine stichhaltigen Belege dafür vorgelegt, „dass die Test-Ergebnisse, die sich auf Basis der in Ihrem Klub genommenen und anonymisiert übermittelten Abstriche ergeben haben, falsch waren“. Antikörper-Tests gelten nicht als hundertprozentig sicher.

DFL nimmt grundlegend andere Position ein

Der Kicker zitiert offenbar direkt aus dem Schreiben der DFL an Dynamo, in dem der Ligaverband „eine grundlegend andere Position“ einnehme. „Dies betrifft insbesondere Ihre Ansicht, das Labor in Jena sei bei der Durchführung der PCR-Tests als Erfüllungsgehilfe der DFL aufgetreten, und die Beendigung der Spielzeit sei aufgrund der konkreten Ansetzungen der SG Dynamo Dresden in rechtswidriger Weise erfolgt“, heißt es demnach.

Dynamo konnte nach dem Neustart der beiden Profi-Ligen wegen der vom Gesundheitsamt Dresden verordneten Quarantäne zwei Wochen nur individuell zu Hause trainieren. Trainer Markus Kauczinski sprach von einer "Vorbereitung auf die Tour de France", weil außer Radfahren und Kraft- sowie Stabilitätsübungen nichts möglich war. Anschließend mussten die Schwarz-Gelben drei Spiele in englischen Wochen nachholen, dadurch achtmal binnen 21 Tagen antreten. Sie hatten lediglich vor dem Saisonabschluss eine Woche Pause, davor aber bereits jede realistische Chance auf den Klassenerhalt verloren.

Gespräche geführt, aber Abstimmung abgelehnt

Darin sehen nicht nur die Dresdner selbst eine klare Wettbewerbsverzerrung. In einem Gefühlsausbruch nach der Niederlage in Kiel hatte Chris Löwe die Terminhatz scharf kritisiert. „Glauben Sie wirklich, dass sich die DFL oder Christian Seifert (Geschäftsführer/Anm. d. A.) auch nur eine Sekunde überlegt, was das für uns bedeutet? Sie sitzen in ihren 5.000 Euro teuren Bürostühlen, und wir müssen diesen verf**** Preis bezahlen“, schimpfte der 31 Jahre alte Profi und kämpfte mit den Tränen.

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Bei der DFL gab man sich zunächst sogar gesprächsbereit, am 17. Juli hatten Dynamos Verantwortliche beim Ligaverband in Frankfurt am Main vorgesprochen. „Die Fragen lauten doch: Was wollen sie genau? Wie bewertet man das? Und wie soll es umgesetzt werden?“, zeigte sich DFL-Präsidiumssprecher Peter Peters danach zwar skeptisch, wie die am 18. September beginnende Saison mit 20 Mannschaften gespielt werden könnte.

Doch dann scheitert der Antrag bereits am Präsidium, zu einer Abstimmung kommt es nicht.

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