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Polizei ermittelt jetzt gegen Dynamo-Fans

Tausende Anhänger feiern die Mannschaft - trotz des Abstiegs und ohne Rücksicht auf Corona-Regeln. Anderswo gab es ähnliche Szenen, aber andere Reaktionen.

Tausende Dynamo-Fans feiern mit Rauchbomben und Pyrotechnik ihre Mannschaft vor dem Rudolf-Harbig-Stadion. Dabei halten sie sich nicht an die Abstandsregeln.
Tausende Dynamo-Fans feiern mit Rauchbomben und Pyrotechnik ihre Mannschaft vor dem Rudolf-Harbig-Stadion. Dabei halten sie sich nicht an die Abstandsregeln. © dpa/Robert Michael

Dresden. Dynamo Dresden ist aus der 2. Fußball-Bundesliga abgestiegen, und nun müssen die Emotionen raus - bei den Spielern ebenso wie bei den Fans. Mehrere tausend Anhänger der Schwarz-Gelben hatten sich deshalb am Sonntag nach dem letzten Saisonspiel vor dem Rudolf-Harbig-Stadion versammelt. Sie feierten dicht an dicht gedrängt die Mannschaft und ein bisschen auch sich selbst. Vor allem aber hielten sie sich nicht an die Corona-Abstandsregeln. Zudem wurden Feuerwerkskörper und Rauchbomben abgebrannt. Die Polizei hat deshalb nun Ermittlungen aufgenommen. 

Wie Dresdens Polizeisprecher Marko Laske auf Anfrage von Sächsische.de mitteilte, wurden entsprechende Videoaufnahmen gemacht, die derzeit ausgewertet werden. Wie viele Ordnungswidrigkeiten vorliegen und wie viele Personen angeklagt werden, sei noch nicht bekannt. "Die Videoaufzeichnungen im Zusammenhang mit dem Einsatz am Sonntag werden derzeit ausgewertet. Dies wird jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen", sagte Laske. 

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Schon während des Spiels detonieren allein 38 Feuerwerkskörper. Rund 130 Polizeibeamte waren im Einsatz, griffen aber nicht ein. Sie dokumentierten stattdessen das Geschehen aus sicherer Entfernung. Identifizierte Personen müssen nun mit Verfahren rechnen. „Mit Blick auf die Verstöße gegen die Sächsische Corona-Schutz-Verordnung ist der Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit für uns maßgebend. Daher findet unser Einschreiten in der Anwendung körperlicher Zwangsmaßnahmen seine Grenzen. Gleichzeitig werden wir die festgestellten Ordnungswidrigkeiten verfolgen", erklärte Polizei-Einsatzleiter Matthias Imhof, der die geschätzte Teilnehmerzahl indes auf "bis zu 2.000" begrenzte.

Anfangs war auch die berittene Polizei unterwegs und versuchte die blockierte Lennéstraße zu räumen, rückte aber bald wieder ab. Die Straße blieb während des Spiels dicht. Autofahrer und Straßenbahnen mussten warten und wurden später umgeleitet. Erst eine halbe Stunde nach dem Spiel war die Straße wieder befahrbar und die Umleitung der Straßenbahn aufgehoben.

Nach dem Spiel versuchten einige Anhänger zudem in den Innenbereich des Stadions zu gelangen. Einige wollten über die Eingangstore klettern. Der Sicherheitsdienst verhinderte dies.

Dynamos Trainer: "Wie wir hier zusammenstehen"

Nach dem Spiel zeigten sich Mannschaft und Trainerteam auf dem Stadionumlauf an der Lennéstraße. Sie wurden mit Sprechgesängen empfangen. Erneut wurde massiv Pyrotechnik gezündet. Eine Schuld beim Verein sah die Polizei für die Aktion nicht. Als "geil" umschrieb Dynamo-Trainer Markus Kauczinski das kleine Fanfest und "bezeichnend für die Region." Er wolle "nicht wissen, was hier abgeht", wenn man aufsteige: "Man sieht, wie wir hier zusammenstehen und mit welchem Herz die Leute dabei sind."

Am Tag darauf relativierte er seine Einschätzung. "Es war nicht zu verhindern. Was ich gut fand, dass die Verhältnismäßigkeit gestimmt hat, dass die Polizei die Ansammlung nicht mit Gewalt aufgelöst hat", sagte er am Montag im Exklusiv-Interview mit Sächsische.de. Auf die Frage, ob die Aktion den Corona-Hygieneregeln entsprochen habe, antwortete er: „Es war Polizei da, das Ordnungsamt. Es ist nicht meine Aufgabe, das zu bewerten.“ Jeder der Anwesenden müsse zudem selbst entscheiden, ob er sich dem Risiko einer Ansteckung aussetzt. 

Jürgen Klopp vom englischen Fußballmeister FC Liverpool wählte indes einen anderen Weg. Er kritisierte das Verhalten einiger Fans nach dem Gewinn des Meistertitels in England scharf und rief sie dazu auf, zuhause zu bleiben. "Wir sind es den Schwächsten in unserer Gesellschaft schuldig", schrieb Klopp in einem offenen Brief an die Lokalzeitung "Liverpool Echo",  und er verwies auf das "Gesundheitspersonal, das so viel gegeben hat und dem wir applaudiert haben, und der Polizei und den örtlichen Behörden, die uns als Verein helfen."

Doch die Aktionen der Liverpool- und Dynamo-Fans waren keineswegs die einzigen. Zweitliga-Meister Arminia Bielefeld feierte mit Dynamos Ex-Trainer Uwe Neuhaus und Hunderten Anhänger stolz den Aufstieg in die Bundesliga, auch in Stuttgart hielt man sich bei der Aufstiegsparty des VfB nicht an die Corona-Regeln. Der Jubel über den Klassenerhalt des Karlsruher SC uferte ebenfalls aus.

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Auch bei den anstehenden Relegationsspielen wird mit ähnlichen Vorfällen zu rechnen sein. Vor dem Aufstiegsspiel zur 3. Liga zwischen dem SC Verl und Lok Leipzig rief die Fanszene Lokomotive die Leipziger Fans auf, "zum wichtigsten Spiel seit der Neugründung" zu reisen. "Nachdem das Hinspiel leider ohne uns auskommen musste, werden wir in Bielefeld vor dem Stadion sein, um die Mannschaft als zwölfter Mann bestmöglich zu unterstützen. Nehmt Handys, Laptops und Tablets mit, damit wir das Spiel auch verfolgen können", heißt es auf der Facebook-Seite der Lok-Fanszene unter dem Motto: "1. FC Lok - Niemals ohne uns!". (mit sid, dpa)

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