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Aus fürs Ebersbacher Gästebüro?

Der Fremdenverkehrsverein muss aus seinen Räumen bei der Stadtverwaltung raus - aus seiner Sicht das Ende für die Anlaufstelle. Was die Stadt dazu sagt.

Das Gästebüro im Ebersbacher Verwaltungsgebäude zieht Ende September aus und später der Bürgerpolizist hier ein.
Das Gästebüro im Ebersbacher Verwaltungsgebäude zieht Ende September aus und später der Bürgerpolizist hier ein. © Rafael Sampedro

Für Eva-Maria Graf heißt es in den nächsten Wochen: Kisten packen. Die Vereinsvorsitzende vom Ebersbacher Fremdenverkehrsverein ist seit über 20 Jahren das Gesicht des Gästebüros im Verwaltungsgebäude. Hier begrüßte sie Oberlausitz-Besucher, beantwortete Fragen von Gästen, hatte Prospekte über die Region im Angebot, verkaufte Karten und Souvenirs. Damit soll bald Schluss ein. Der Fremdenverkehrsverein muss aus den Räumen im Verwaltungsgebäude ausziehen. "Das Gästebüro wird es in der Form wie bisher nicht mehr geben. Das ist schon traurig", sagt Frau Graf. Zum 30. September muss sie das Gästebüro geräumt haben. 

Aus Sicht der Stadt sieht die Sache etwas anders aus. Sie hat ihre Gründe, weshalb sie dem Verein die Nutzung der Räume für das Gästebüro kündigte. Hintergrund ist die finanzielle Lage der Stadt. Wie Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos) erklärt, arbeite die Verwaltung derzeit am Doppelhaushalt für die kommenden Jahre 2021 und 2022. Dabei wird deutlich: die demografische Entwicklung macht auch Ebersbach-Neugersdorf zu schaffen. Weniger Einwohner bedeuten weniger Einnahmen. Gleichzeitig muss die Stadt aber auch für die weniger werdenden Einwohner einiges vorhalten. Das muss finanziert werden, sparen ist angesagt.

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Eine Vorgabe lautet daher, dass städtische Liegenschaften und Immobilien auf den Prüfstand müssen: Wie werden sie genutzt? Welche Objekte braucht die Stadt tatsächlich? Denn Unterhaltung und Bewirtschaftung kosten Geld. Und weil Ebersbach und Neugersdorf sich 2011 zusammengeschlossen und damit auch ihre Verwaltung an einem Standort in Ebersbach konzentriert haben, sind nun Gebäude in Neugersdorf "übrig", die zuvor als Rathaus dienten. Eines der beiden Neugersdorfer Rathäuser ist bereits verkauft worden. Hier praktiziert jetzt eine Ergotherapie und Yoga wird angeboten. 

Drei Arbeitsplätze für Bürgerpolizisten

Bleibt das zweite Rathausgebäude direkt daneben, an der Hauptstraße 41. Diese Villa will die Stadt nun auch veräußern. Sie hatte das Gebäude ausgeschrieben und prüft die eingegangenen Bewerbungen. Zum Jahreswechsel soll der Besitzerwechsel stattfinden, sagt die Bürgermeisterin. Unter anderem befindet sich im Haus der Stützpunkt des Bürgerpolizisten. Wird das Haus verkauft, muss auch dafür ein neuer Standort gefunden werden. Das Sächsische Innenministerium will drei Arbeitsplätze in Ebersbach‑Neugersdorf erhalten. Und es stellt Anforderungen an diese Arbeitsplätze: technische, bauliche und brandschutztechnische Voraussetzungen müssen gegeben sein. "Dafür ist nicht jedes Objekt geeignet", so die Bürgermeisterin. 

Als Stützpunkt für die Bürgerpolizisten wurden nun zwei Standorte ausgewählt, die sich aus Sicht der Stadt und des Freistaats eignen:  Im Ortsteil Neugersdorf an der Schillerstraße 1, also auf dem Gelände der Grundschule, sowie im Ortsteil Ebersbach im Verwaltungsgebäude - in den Räumen des bisherigen Gästebüros. 

Die Stadt wolle den Verein beim Umzug in die Alte Mangel nun unterstützen - sieht darin positive Effekte. Denn, wenn dort zu den Büro-Öffnungszeiten dann regelmäßig offen sei, hätten noch mehr Besucher die Möglichkeit, das historische Haus und seine Geschichte kennenzulernen, sagt Bürgermeisterin Verena Hergenröder. Sie betont, dass der Fremdenverkehrsverein „Am Schlechteberg“ und der Kultur- und Landschaftspflegeverein dort am Standort schon seit vielen Jahren Traditionen pflegen und Kulturangebote schaffen. 

Wohin mit den ganzen Materialien?

So einfach ist die Lage aber nicht, sagt Eva-Maria Graf. Sie ist Vorsitzende beider Vereine. Sie sagt: In der Alten Mangel ist kein Platz für das Gästebüro, so wie es jetzt besteht. "Wir haben uns viele Gedanken dazu gemacht. Aber es ist praktisch nicht machbar." In der Alten Mangel gibt es den Saal, der als Trauzimmer genutzt wird. Zusätzlich sind im Erdgeschoss zwei Blockstuben. "Die werden beide vermietet für Feiern und Veranstaltungen", erklärt Frau Graf. Würde der Verein jetzt in einer der beiden Blockstuben das Gästebüro einrichten, könnte der Raum nicht mehr vermietet werden. Die Einnahmen aus der Vermietung braucht der Verein aber. 

Bleiben nur die Räume im Obergeschoss. Aber auch die erweisen sich aus Sicht des Vereins nicht als praktisch für eine Anlaufstelle mit öffentlichem Publikumsverkehr. "Heutzutage, wo möglichst alles barrierefrei sein soll, kann man den Gästen nicht zumuten, diese Stiege hochzuklettern", so Frau Graf. Ein anderes Büro in der Stadt anzumieten, würde sich für den Verein nicht rechnen. "Was da mit dem Verkauf reinkommt, würde für Miete und Betriebskosten draufgehen." Ziel sei es aber einen kleinen Überschuss zu erwirtschaften, der dann in die Vereinsarbeit und die Alte Mangel fließt. Die Räume im Verwaltungsgebäude bekam der Verein von der Stadt kostenfrei zur Verfügung gestellt. "Im Gegenzug haben wir ja Aufgaben übernommen, zum Beispiel Gästeanfragen beantwortet, Karten und Souvenirs verkauft, waren als Ansprechpartner für die Gäste da", sagt Frau Graf. 

Sie wird sich nun ab Oktober zumindest einen kleinen Arbeitsraum im Obergeschoss der Alten Mangel einrichten, um die Büroarbeit für den Verein erledigen zu können. "Außerdem müssen ja die ganzen Sachen irgendwohin, die dem Verein gehören", so Eva-Maria Graf. Das sind zum Beispiel jede Menge Unterlagen, die archiviert werden müssen. Außerdem Souvenirs, Postkarten und Ähnliches, was der Verein extra hat anfertigen lassen für den Souvenir-Verkauf im Gästebüro. Ob sie dann künftig regelmäßige Öffnungszeiten für das historische Haus anbieten wird, weiß Frau Graf noch nicht. "Wir müssen sehen, wie alles anläuft, welche Möglichkeiten es dann geben wird." 

Neue Touristinfo am Kottmar

Die offizielle Touristinformation für Ebersbach-Neugersdorf ist bereits seit reichlich anderthalb Jahren im Eibauer Faktorenhof untergebracht. Gemeinsam mit dem Nachbarort Kottmar gründete die Stadt die Touristinformation "Spreequell-Land"

Das Büro in Ebersbach im Verwaltungsgebäude betrieb der Verein um Frau Graf  weiterhin ehrenamtlich als Anlaufpunkt für Besucher und Einwohner. Der Zulauf war gut, berichtet Eva-Maria Graf. "Bis zum heutigen Tage." 

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