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Löbau

Bei Fischers gibt es keinen Fisch mehr

Mit Edelfisch in Neugersdorf schließt jetzt ein alter Familienbetrieb. Der Sohn des Inhabers verrät, warum er trotzdem froh ist.

Das große Gelände von Edelfisch in Neugersdorf ist bereits verkauft, der Familienbetrieb hat geschlossen.
Das große Gelände von Edelfisch in Neugersdorf ist bereits verkauft, der Familienbetrieb hat geschlossen. © Rafael Sampedro

Die Maschinen sind abgebaut, die Produktionshallen fast leer. Trotzdem herrscht in diesen Tagen auf dem Hof der Edelfisch GmbH in Neugersdorf noch reges Treiben. "Wir räumen jetzt alles aus", sagt Andreas Fischer, der Sohn von Firmeninhaber Klaus Fischer. Er unterstützt seine Eltern beim Ausräumen. Sie geben nach rund 25 Jahren die Firma auf. Die Maschinen hat er in Laster verladen und transportiert sie nach Versmold in Nordrhein-Westfalen. 

Dort lebt die Familie, Andreas Fischer leitet in Versmold einen Fleischzerlegebetrieb, der ebenfalls in Familienhand ist. Ein bisschen war aber auch Neugersdorf in den letzten Jahrzehnten zu ihrem Zuhause geworden. 

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Andreas' Vater Klaus Fischer kam kurz nach der Wende nach Neugersdorf. Er betrieb in seiner Heimatstadt Versmold bereits den Fleischbetrieb. "Wir haben damals viel in die Gegend hier geliefert", erzählt sein Sohn Andreas. In Neugersdorf wollte Fischer Senior damals einen Stützpunkt für den Osten aufbauen, um Transport- und Lieferwege zu verkürzen. Von der Treuhand kauften Fischers das Gelände an der Neugersdorfer Spreequellstraße Anfang der 1990er Jahre. Das war ein ehemaliger Schlachthof, zuletzt wurde dort aber zu DDR-Zeiten bereits Fisch verarbeitet. 1900 war an dem Standort ein Fleischzerlegebetrieb gegründet worden. 1970 übernahm dann die VEB Binnenfischerei Kreba und stellte auf Fischverarbeitung um. 

Bis Ende Mai ist alles leer

Als Fischers jedoch das Areal in den Neunzigern kauften, ging der Plan von einem weiteren Fleischzerlegebetrieb nicht auf. Es stellte sich heraus, dass unheimlich große Investitionen und Umbauten nötig gewesen wären, um von Fisch auf Fleisch umzustellen, erzählt Andreas Fischer. Das weiß er aus den Erzählungen seiner Eltern, selbst hat er nicht in Neugersdorf mitgearbeitet. Daher entschloss sich sein Vater die Fischverarbeitung weiterzuführen, die es ja schon am Standort gab. 

Das Unternehmen kaufte Fische von den regionalen Teichwirtschaften, zerlegte sie und verarbeitete das Fleisch weiter. In einem eigenen Laden auf dem Betriebsgelände, an der Ecke zur Volksbadstraße, wurden die Fischwaren unter anderem verkauft. Jetzt hat Klaus Fischer das Geschäft aus Altersgründen aufgegeben. Seit Ende April wird nicht mehr produziert, Ende Mai soll das Gelände komplett leer geräumt sein, sagt Andreas Fischer. 

Für ihn sei es keine Option, den Betrieb der Eltern in Neugersdorf jetzt weiterzuführen, sagt er. Er leitet weiterhin den Fleischbetrieb der Familie in Versmold. Wollte er auch den Betrieb in Neugersdorf behalten, müsste er regelmäßig die 650 Kilometer pendeln. "Das ist für mich nicht machbar."  Mit einem lachenden und einem weinenden Auge gebe die Familie deshalb nun die Fischproduktion in Neugersdorf auf. "Natürlich hängt man daran", sagt Andreas Fischer. "Wir haben hier auch Bekannte und gute Kontakte über die Jahre aufgebaut." Und seine Eltern haben viel Arbeit, Geld und Kraft in den Betrieb gesteckt. Erst 2011 hatte Klaus Fischer noch eine neue Produktionshalle auf dem Gelände bauen lassen. 

Klaus Fischer war längst im Rentenalter, hielt aber trotzdem weiter an seinem Neugersdorfer Unternehmen fest. Inzwischen ist er 80 Jahre alt, hat den Betrieb bis zuletzt geleitet. "Das ist schon eine große Leistung", sagt sein Sohn. Die ganzen Jahre pendelte der betagte Vater jede Woche zwischen Neugersdorf und Versmold. Doch nun ist endgültig Schluss. Das bedeutete auch für die zwölf Mitarbeiter das Aus. Etliche sind in Rente gegangen. "Die letzten beiden mussten wir nun leider entlassen", so Andreas Fischer. 

Fischwagen-Flotte ist bereits verkauft

Die positive Seite: "Das Ende kam zum richtigen Zeitpunkt", resümiert er. Damit spielt er auf die Corona-Krise an. Denn mit Verkaufswagen, die auf vielen Festen, Jahrmärkten und Veranstaltungen platziert waren, hatten Fischers ein weiteres, ganz wichtiges  Standbein. An den mobilen Wagen gab es Fischbrötchen und andere Imbiss-Spezialitäten zu kaufen. Edelfisch ist mit den Verkaufswagen in der ganzen Region bekannt.

Und dieses Geschäft wäre ja nun in der Corona-Krise völlig weggebrochen, weil alle Großveranstaltungen bis Ende August abgesagt sind. "Und selbst, wie es dann weitergeht, wissen wir ja noch nicht", so Andreas Fischer. Er hat inzwischen die ganze Flotte verkauft. Sechs Verkaufswagen besaß Edelfisch. 

Schon neue Pläne für das Gelände

Brach liegen wird das Areal von Edelfisch aber nicht. Fischers haben es bereits verkauft - und zwar an die Betreiber des gegenüberliegenden Speequell-Centers. Sie wollen auf dem Gelände Parkplätze anlegen, da es auf dem Center-Gelände nach mehreren Erweiterungen mittlerweile zu eng wird. 

Und auch Fisch wird es weiterhin zu kaufen geben. "Der Laden bleibt bestehen", sagt Andreas Fischer. Er wird nun aber seine Fischwaren von einem anderen Lieferanten beziehen. Die Betreiber des Spreequell-Centers hatten bereits im Zusammenhang mit den Erweiterungsplänen ebenfalls bestätigt, dass sie das Fischgeschäft erhalten wollen. 

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