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Ehe mit Aussicht auf Erfolg

Die Zahl der Nationalparkpartner wächst – trotz strenger Kriterien und Kontrollbesuchen.

Von Ines Mallek-Klein

Thomas Kretzschmar war Botschafter des Nationalparks Sächsische Schweiz. Das war 2009, damals startete der Nationalpark sein Partnerprogramm mit 26 Mitstreitern. Heute gibt es 44 Partner. Zwei neue Mitglieder haben vor wenigen Tagen ihren Antrag abgegeben und warten nun mit Spannung auf den Besuch des Prüfers. Der kommt jedes Jahr einmal, sagt Thomas Kretzschmar. Er betreibt in Gohrisch „Annas Gasthof“, das älteste und auch bekannteste Haus am Platz. Partner des Nationalparks zu werden, war für ihn ganz selbstverständlich. Er lebe als Gastronom von der Region, ihrer landschaftlichen Schönheit, da sei es nur natürlich, die auch erhalten zu wollen. Thomas Kretzschmar ist dabei konsequent. Sein Fleisch bezieht er von der Landfleischerei in Struppen, der Ziegenkäse reift nur wenige Kilometer vom Hotel entfernt, und beim Mineralwasser ist ihm selbst die Anfahrt vom sächsischen Lichtenau zu weit nach Gohrisch. Was aus der Region kommt, hat kurze Wege, schont die Umwelt und ist frisch, sagt Thomas Kretzschmar.

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Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

Eine Einstellung, die Nationalparksprecher Hanspeter Mayr nur begrüßen kann. Das Bewusstsein für die Region und die Produkte, die in ihr entstehen, ist genau das, was der Nationalpark mit seinem Partnerprogramm erreichen will. Ideengeber zu dem Projekt war der Bayerische Wald. Dort arbeitet man schon viele Jahrzehnte mit dem Programm. Es gibt mittlerweile so viele Mitstreiter, dass die Gründung eines eigenen Vereins nötig wurde, um die Organisation zu bewältigen. Davon ist man in der Sächsischen Schweiz noch weit entfernt, sagt Hanspeter Mayr. Aber auch hier wachse die Zahl der Mitstreiter.

Ob die Partner die Kriterien erfüllen, wird jedes Jahr überprüft. Der Kontrolleur schaut sich dann auch schon mal die Rechnungen an, um zu sehen, ob die Lebensmittel tatsächlich in der Region eingekauft wurden, weiß Thomas Kretzschmar. „Wir schauen aber nicht, ob die Bettlaken sauber sind. Die Zimmerbewertung überlassen wir den Experten des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga“, sagt Hanspeter Mayr. Wer Partner des Nationalparks wird, muss jährlich zwischen 50 und 500 Euro als Unkostenbeitrag zahlen. Die Summe ist abhängig von der Zahl der Mitarbeiter. Im Gegenzug darf das Logo als Nationalparkpartner verwendete werden. Die Vermieter und Gastronomen erhalten alle aktuellen Informationen aus dem Nationalpark, die sie genauso wie das Mitteilungsblatt Sandsteinschweizer an ihre Gäste weiterreichen können. Besonders gern und häufig werden die Schulungen des Nationalparks genutzt. Zertifizierte Wanderführer sind in den Hotels unterwegs und informieren das häufig wechselnde Personal über Ausflugs-
tipps in der Region, Wanderrouten und Wissenswertes. Wir sind mit den Hoteliers zudem einmal im Jahr in anderen Nationalparkregionen in Deutschland unterwegs und schauen dort, welche guten Serviceleistungen sich bei uns adaptieren lassen, so Hanspeter Mayr.

Damit das Niveau der Partner hoch bleibt, muss alle drei Jahre ein neuer Antrag gestellt werden. Thomas Kretzschmar hat 2012 keinen gestellt. Schuld war eine Neuausrichtung seines Hotels. Er kocht für Kindergärten und Schulen, natürlich mit Produkten aus der Region. Doch dafür musste die Küche vergrößert werden. Wir haben einen Fahrradschuppen geopfert, der ist aber ein wichtiges Kriterium, um Nationalparkpartner zu sein, sagt Kretzschmar. Er will seinen Gästen nichts versprechen, was er nicht halten kann. Dem Nationalpark bleibt er trotzdem verbunden – und auch dem Schutz der Umwelt. Nicht umsonst fährt er ein emissionsfreies Elektroauto und schafft damit 25 000 Kilometer im Jahr. Wie viele Gäste mehr ihm der Status eines Nationalparkpartners eingebracht hat, kann Thomas Kretzschmar nicht ganz genau sagen. Dass es aber welche gab, weiß er ganz genau. Sie kamen aus der Region des Müritz-Nationalparks.