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Ein anderer Blick auf die DDR

Eine neue Ausstellung im Radebeuler Lügenmuseum erzählt von den Träumen und Visionen der Akteure von 1989.

Juliane Vowinckel und Reinhard Zabka haben die Ausstellung „Labytopia – Altäre der friedlichen Revolution“ kuratiert.
Juliane Vowinckel und Reinhard Zabka haben die Ausstellung „Labytopia – Altäre der friedlichen Revolution“ kuratiert. © Arvid Müller

Radebeul. Die Spiegel drehen sich im Kreis, der eigene Anblick huscht immer wieder an einem vorbei, mal größer, mal kleiner. Doch die Bewegung bleibt ein Versuch, am Ende bekommt der Betrachter das ewig gleiche Bild zu sehen. „Altar der Einfalt“ heißt diese Kunstinstallation, die Teil einer neuen Ausstellung im Radebeuler Lügenmuseum ist. „Labytopia“ beschäftigt sich mit der DDR und erzählt von den Träumen und Visionen der Akteure von 1989.

Eine kalte Luft umhüllt einen im großen Saal des ehemaligen Gasthofes Serkowitz. Hier lässt man die Jacke lieber an beim Betrachten der „Altäre der friedlichen Revolution“, welchen Beinamen die Ausstellung trägt. Der „Altar für Reisefreiheit“ ist mit bemalten Palmenblättern, Straußeneiern und Muscheln vom Kap der Guten Hoffnung geschmückt. Die drei übereinander getürmten Objektkästen sollen an das Fernweh nach Reisen in die warmen Länder erinnern, erklären die Künstler Karola Smy und Wolfgang Smy.

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Insgesamt acht Künstler haben die Kuratoren Juliane Vowinckel und Reinhard Zabka eingeladen. Die Werke waren bereits in der Dresdner Kreuzkirche zu sehen, bevor sie jetzt ins Lügenmuseum zogen. Wie immer wenn Reinhard Zabka am Werk ist, ist auch dieses Mal nichts Gewöhnliches dabei herausgekommen. Der Leiter des Lügenmuseums hat sich auch die Schau des Museums der bildenden Künste in Leipzig zur friedlichen Revolution angesehen, fand sich aber bei all den Gemälden hinter Glas eher an die Bezirkskunstausstellungen erinnert.

In seinem Haus geht es erneut wilder, fantastischer, verrückter zu. „Nicht die akademisch sozialistische Malerei und ihre Gegnerspieler waren revolutionär, revolutionär war Malerei auf Sperrmüll, Installationen und Happenings zur Überwindung des Kunstbegriffs, Aktionen, die gesellschaftlich verkrustete Strukturen aufbrechen und Verwirrungen als Realitätsbewältigung stiften konnten“, sagen die Macher. 

Gezeigt werden Arbeiten von Undergroundkünstlern, wie Zabka selbst zeitlebens einer ist, aber auch Arbeiten junger Künstler, deren Schaffen erst nach der Wende begann. Einen ganz anderen Bezug zur DDR hat die in Frankreich geborene Künstlerin Sophie Cau, die in ihrem Werk die französische Sicht auf die Geschichte verarbeitet. „Die Ausstellung erinnert an die DDR, an Notstandskreativität, an die Macht der Fantasie. Reflektiert werden auch die labyrinthischen Erlebnisse der Wiedervereinigung, die Verluste im Umbruch“, erklären die Kuratoren. Man sei hier anders berührt, als in einer klassischen Kunstausstellung, findet Juliane Vowinckel.

Vor gut einem Jahr hatte sich Reinhard Zabka vergeblich darum bemüht, dass dem Lügenmuseum auch offiziell der Status Museum anerkannt wird. Das Verwaltungsgericht Dresden urteilte jedoch, es handele sich zwar um ein Gesamtkunstwerk, sei aber mit einem richtigen Museum nicht gleichwertig. Zabka zieht sein Ding trotzdem weiter durch. „Damit ist man zwar immer ein bisschen am Rand, aber ich mache einfach weiter“, sagt er.

Rückendeckung gab es zur Ausstellungseröffnung von Stadtgalerist Alexander Lange, der stellvertretend für den Oberbürgermeister sprach. „Wir freuen uns, dass wir das Lügenmuseum haben, unterstützen es und hoffen, dass es uns noch lange erhalten bleibt.“

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