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Ein Doktor packt aus

Der Mediziner Klaus Dieter Frank ist zum dritten Mal unter die Literaten gegangen. Das wird nicht jedem gefallen.

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Von Robert Reuther

Idyllisch liegt sie da, die Riesaer Elbbrücke. Im untergehenden Sonnenlicht verbreitet sie eine harmonische Stimmung auf dem Cover des neuen Buches von Klaus Dieter Frank. Doch in „Zeitenwechsel – Seitenwechsel“ geht es ganz anders zu, als der Blick auf das Foto vermuten lässt. Der bekannte Riesaer Mediziner und langjähriger Lokalpolitiker legt in seinem dritten Auftritt als Literat nach „Glück auf Herr Doktor“ und „Beobachtungsbericht“ ein Enthüllungsbuch vor.

Die Elbbrücke soll Lust auf das Lesen des neuen Buches „Zeitenwechsel – Seitenwechsel“ des Riesaer Arztes Klaus Dieter Frank machen. In dem Werk enthüllt er einige Dinge, die ihm schon lange auf der Seele brennen. Am 5. September stellt er sein Buch um 17
Die Elbbrücke soll Lust auf das Lesen des neuen Buches „Zeitenwechsel – Seitenwechsel“ des Riesaer Arztes Klaus Dieter Frank machen. In dem Werk enthüllt er einige Dinge, die ihm schon lange auf der Seele brennen. Am 5. September stellt er sein Buch um 17

Während es in seinen ersten beiden Werken zu einem um das Stahlwerk und zum anderen um die Stasi ging, beschäftigt sich Frank nun mit Themen, die den Riesaern auf der Seele brennen – beispielsweise mit dem Krankenhaus, dem Riesaer Fußball und nicht zuletzt mit der teilweise chaotischen Lokalpolitik. Er geht dabei zurück bis zu jener Zeit, als sein Vater noch im Riesaer Krankenhaus praktiziert hat. „Ich lebe nun fast 75 Jahre in der Stadt. Diesen Zeitraum lasse ich zu verschiedenen Themen Revue passieren“, sagt der Arzt im Ruhestand. Für Klaus Dieter Frank hat deshalb sein Buchcover eine tiefe Bedeutung. Es gab einmal eine Elbbrücke mit drei Bögen in Riesa. Für ihn symbolisieren diese die drei verschiedenen Gesellschaftsformen, in denen er gelebt hat: den Nationalsozialismus, den Sozialismus und die Demokratie. „Das Leben der Riesaer ging dabei wie die Bögen – hoch und runter. Zurzeit befinden wir uns leider wieder auf einem absteigenden Ast. Warum, das erkläre ich in meinem Buch“, sagt Frank.

Dabei hat er aus ganz anderen Gründen angefangen, ein Buch zu planen. Eigentlich, sagt der 74-Jährige, hat es ihn interessiert, warum sein Vater bereits als Student in die NSDAP eingetreten war. „Er hat nie über diese Zeit gesprochen, weder über seine Arbeit im Riesaer Krankenhaus, noch über seinen Kriegseinsatz“, sagt Klaus Dieter Frank. Er kam zurück, arbeitete weiter als Arzt wie viele andere der damaligen Parteikader auch. Nun lebten sie im Sozialismus. „Für mich war das ein Zeichen, dass die Menschen eine Wende im politischen System nicht unbedingt aus politischem Denken heraus vollziehen, sondern als Selbsterhaltungstrieb. Sie wollen die soziale Absicherung für ihre Familie. Schnell ist deshalb ein Zeitenwechsel auch ein Seitenwechsel“, so Klaus Dieter Frank.

Diesen Zeitenwechsel macht er am Krankenhaus fest. Es gibt ein Kapitel über falsche Ärzte, die es nach dem Krieg nach Riesa verschlug. Er beschreibt auch eine Geschichte, als sein Chef einem Parteisekretär geholfen hat, der betrunken einen Mann überfuhr. „Die Partei sagte, sehen sie zu, dass kein Alkohol mehr im Blut ist. Da rief mein Chef seinen Sohn zum Aderlass“, sagt Frank. Auch von Stahl Riesa kann Frank die Finger nicht lassen. Im Kapitel „Bischof for President“ setzt er sich mit dem Niedergang des Riesaer Traditionsvereins auseinander. „Damals dachten alle, wenn ein Rechtsanwalt den Verein führt, kann das nur funktionieren. Pustekuchen“, sagt Frank.

Um seine Berichte möglichst objektiv zu halten, hat Klaus Dieter Frank mehr als ein Jahr recherchiert in Akten, Archivmaterial und Artikeln der Sächsischen Zeitung. Doch manchmal war das eine Gratwanderung. „Meine Lektorin hat mehr als einmal zu mir gesagt, dass die Grenze zwischen freier Meinungsäußerung und Verleumdung sehr verschwommen ist“, sagt Frank.

Doch manchmal habe er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg halten können, beispielsweise, wenn es darum geht, warum er trotz seiner großen Liebe zu dieser Stadt und als Stadtrat mit den meisten Wählerstimmen sein Mandat in dem Gremium vor zwei Jahren niedergelegt hat. „Es ist ganz einfach. Dort, wo die Macht der Politik die Macht des Verstandes schlägt, da hast du keine Chance mehr“, so Frank. Er habe immer gesagt, dass die Mittelmäßigkeit und das Provinzielle der heutigen Stadtpolitik mit ihm nicht zu machen sei. „Und dazu stehe ich nach wie vor.“

Ihm sei bewusst, dass er sich mit dem Buch nicht nur Freunde machen werde. An vielen Stellen mache er deutlich, dass aus seiner Sicht das „C“ in der Christlich Demokratischen Union keine Rolle mehr spielt. „Alle, die in Riesa mit der Partei zu tun haben, werden nicht unbedingt begeistert sein. Dazu zählt möglicherweise auch Frau Töpfer“, sagt Klaus Dieter Frank.