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Ein Dorf in der Stadt

Eine Baugemeinschaft saniert ab 2014 einen Hof im Omsewitzer Dorfkern. Das Areal konnte nun endlich gekauft werden.

Von Linda Barthel

Bei Jörn Bohn war es vor zwei Jahren Liebe auf den ersten Blick. Der historische Vierseithof im Dorfkern von Altomsewitz hatte es dem 42-Jährigen sofort angetan. Hier zu wohnen – das wär´s. „Ich bin oft mit meiner Frau in der benachbarten Kümmelschänke gewesen und habe immer gesagt: Das ist ein traumhafter Hof“, sagt Bohn. Jetzt werden die Gemäuer, die zu den Kulturdenkmälern der Stadt gehören, das neue Zuhause seiner Familie. Denn wie es der Zufall wollte, erfuhr der Lehrer 2012 aus der Zeitung von einer Baugemeinschaft, die den Hof sanieren will. Das passt doch, dachte sich Bohn.– obwohl er zunächst gar nicht wusste, was eine Baugemeinschaft überhaupt ist.

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Der Dresdner kontaktierte sie dennoch und merkte schnell, dass Bauen in einer Gruppe genau das Richtige für ihn ist.

Mittlerweile ist die Familie, die noch in einer Wohnung in Löbtau lebt, seit mehr als einem Jahr Mitglied der Baugemeinschaft Altomsewitz. Diese lässt den denkmalgeschützten Fachwerkhof, dessen erstes Haus bereits 1768 gebaut wurde, ab kommendem Jahr erneuern. Vergangene Woche wurde das Grundstück gekauft. Bis dorthin war es ein weiter Weg. Denn es brauchte drei Anläufe, bis die Stadt der Baugemeinschaft den Zuschlag erteilte. Zweimal war das Grundstück zuvor ausgeschrieben, zweimal konnte zunächst das Mindestangebot nicht gezahlt werden.

Aufgrund seiner Größe und dem Ziel der Stadt, den Hof wie in der Vergangenheit als Wohnanlage zu nutzen, eignet er sich gut für eine Baugemeinschaft, erläutert Rathaussprecher Karl Schuricht. „Vielleicht fangen wir schon im Frühjahr an zu bauen“, sagt Jörn Bohn. Er hofft, dass alles gut läuft und er im Mai 2015 mit seiner Frau und den drei Kindern in das sanierte Herrenhaus einziehen kann.

Insgesamt entstehen in den Fachwerkhäusern 15 Wohnungen. „Es ist wie ein kleines Dorf innerhalb der Stadt. Das ist wirklich schön, ich bin nämlich kein Großstadtmensch“, so der Familienvater. Leider könne jedoch die historische Scheune nicht wie geplant saniert werden. „Wir müssen sie abreißen, obwohl wir das Haus gerne erhalten hätten“, sagt Bohn. Ein Ausbau wäre jedoch zu teuer. An gleicher Stelle entsteht deshalb ein neues Gebäude.

Zur Gemeinschaft gehören Bauherren aller Altersgruppen. „Viele haben wie wir Kinder, aber es gibt auch ein junges Ehepaar ohne Nachwuchs“, sagt Bohn. Außerdem würde ein älteres Paar einziehen, bei dem die Kinder schon aus dem Haus sind. „Die Spanne reicht von Ende 20 bis Anfang 60“, sagt der gebürtige Siegener. Einmal in der Woche trifft er sich mit seinen Mitstreitern, um Details zu planen. Die generationsübergreifende Gemeinschaft wird dabei von Marion Kempe vom Friedrichstädter Verein Bauforum beraten.

Noch stehen im neuen Domizil drei Wohnungen frei. „Wir waren schon einmal komplett, doch es sind wieder welche abgesprungen“, sagt Bohn. So hätten sich unter anderem die Kosten anders entwickelt als geplant. Deshalb suchen die Bauherren nun nach neuen Mitstreitern. Eine der Wohnungen würde sich aufgrund ihrer vergleichsweise kleinen Fläche für ein weiteres älteres Ehepaar oder eine Familie mit einem Kind eignen, sagt Bohn. Diese könnte dann auch den Gemeinschaftsraum im Herrenhaus nutzen. Hier wollen die Bauherren später Feste feiern und Gäste empfangen. „Der Raum ist mit seinen alten Säulen wirklich schön und eignet sich deshalb sehr dafür. Hier könnten wir einfach keine Waschmaschinen oder Ähnliches hinstellen“, so der Dresdner.

Die Baugemeinschaft Altomsewitz trifft sich am 11. Dezember um 20 Uhr zu einem Informationsabend in der Kümmelschänke, am 12. Dezember um 16 Uhr im Bauforum auf der Friedrichstraße.