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Ein Ehrensäbel aus napoleonischer Zeit?

Heimatforscher Jens Collatz hat 50 Orte erforscht, wo Napoleons Truppen Spuren hinterlassen haben. Mit Überraschungen.

© André Schulze

Von Katja Schlenker

Im Kohlenbunker hat Jens Collatz einen Säbel gefunden. Einige Fragmente sind darauf zu erkennen – 3. Regiment und Nr. 20. Mit Rosen verziert ist die eine Seite, auf der anderen galoppieren Pferde über das Metall. Es handelt sich um einen Ehrensäbel, wie der Rothenburger Heimatforscher herausgefunden hat. „Vielleicht stammt der Säbel von einem Husarenregiment“, sagt Jens Collatz. „Der Husarenrittmeister Konrad von Wrangel hatte zum Beispiel auch einen Ehrensäbel.“

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Ein Haus einzurichten oder den Umzug in eine neue Wohnung zu organisieren, treibt so manchem Zeitgenossen die Schweißperlen auf die Stirn.

Hat der eventuell ähnlich ausgesehen wie der gefundene? Das ist nach so vielen Jahren schwer zu sagen. Dennoch hat sich Jens Collatz in der jüngsten Vergangenheit intensiv mit der Zeit Napoleons beschäftigt. Bis in die Region Niesky ist der französische General, der von 1769 bis 1821 lebte, vorgedrungen. „In Reichenbach steht noch heute eine Napoleonbrücke, die daran erinnert“, sagt Jens Collatz.

Die Geschichte begann vor 200 Jahren. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. verbündete sich mit Russland gegen Frankreich und rief zum Befreiungskrieg auf. Andere deutsche Länder blieben anfangs zögerlich. Doch Napoleon marschierte nach Deutschland ein, siegte am 2. Mai 1813 bei Großgörschen und am 20./21. Mai bei Bautzen. Bei dieser Schlacht wurde Napoleons engster Vertrauter Géraud Christophe Michel Duroc schwer verletzt, eine Kanonenkugel riss ihm den Unterleib auf. Er starb am 23. Mai 1813 mit 30 Jahren in einem Bauernhaus in Markersdorf. Napoleon kaufte den Hof und errichtete Duroc dort ein Denkmal. Erst 1847 wurden die sterblichen Überreste Durocs in den Invalidendom nach Paris gebracht. Neben dem Denkmal und dem Grabstein gibt es heute auch noch ein Hotel in Markersdorf, das nach Géraud Christophe Michel Duroc benannt ist.

Neben Markersdorf gibt es noch weitere Orte, wo sich Spuren der napoleonischen Zeit finden lassen. „Ich habe 50 Orte zuordnen können, wo Napoleons Truppen ihre Spuren hinterlassen haben“, sagt Jens Collatz. Unter anderem sind in Tormersdorf Kosaken- und Franzosengräber überliefert. Im Trebuser Schloss soll sich eine Urkunde befunden haben, welche die Dörfer Stannewisch, Spreehammer und Neuhof beinhaltet hat. Die siebte französische Armee soll mit 900 Pfund Brot, 360 Pfund Fleisch und elfeinhalb Scheffel Hafer ausgestattet worden sein. Auch von in Rothenburg an Nervenfieber erkrankten Bayern ist in den Aufzeichnungen die Rede. In Görlitz hat Napoleon seine Pferde gewechselt.

Vor allem die Plünderungen während der Rückkehr vom Russlandfeldzug sind dokumentiert. 1811 bis Anfang 1812 bereitete Napoleon sich auf einen Krieg mit Russland vor. Am 18. Oktober 1812 gab er den Befehl zum Abmarsch aus Russland. Etwa 18 000 napoleonische Soldaten überquerten im Winter die preußische Grenze – und brachten andere ungeliebte Gäste mit. Am 22. Mai 1813 lagerten russische Korps in Tormersdorf, kamen in die Häuser und plünderten. Zirka 3 475 Taler Schaden wurden dokumentiert, in Noes hatte die Armee sogar fast 6 300 Taler Schaden beim Durchziehen gemacht. Am 24. Mai waren die Truppen in Niesky. Am 16. und 17. August 1813 erlebte Neusorge eine Schreckensnacht. Rund 14 000 Franzosen und Sachsen lagerten dort, nahmen alle Vorräte mit. So marschierten die Truppen in Richtung Leipzig. Dort tobte vom 16. bis 19. Oktober 1813 die Völkerschlacht und beendete die Herrschaft Napoleons.