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Ein Faible für Vergänglichkeit

Die Künstlerin Monika Wilmes malt am liebsten Stillleben. Am Freitag eröffnet ihre Ausstellung im Dom Kultury.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ines Eifler

Quitten mag Monika Wilmes besonders, so gelb und samtig. „Natürlich nicht zum Essen!“, sagt sie fast entrüstet. Nein, sie malt sie gern. Weil sie bald so dunkle Flecken bekommen, als erste Anzeichen für ihre Verderblichkeit, für ihr kurzes Leben. Darum geht es fast immer auf den Bildern der Malerin, die jetzt seit zehn Jahren mit ihrem Mann Klaus Wilmes in Görlitz wohnt und vor allem Stillleben malt. Um Vergänglichkeit und damit den Wunsch, etwas festzuhalten, das bald nicht mehr da sein wird.

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Deshalb ist in nahezu allen ihren Werken eine gewisse Traurigkeit zu spüren, nicht vordergründig, immer nur als Nuance und oft in Ironie versteckt. Da sitzt zum Beispiel eine schwarze Fliege auf einem Porzellankännchen, in dem man süße Milch vermutet. Da liegt eine winzige tote Maus vor frischen Früchten, die Monika Wilmes als Modell genommen hat. Einmal liegen abgetrennte Puppenbeine rund um ein kleines Püppchen drapiert, das intakt ist, aber gefährdet wirkt inmitten der zerbrochenen Spielzeugreste. Und manchmal ist es nur ein einzelner herumliegender Schuh, der die perfekte Ordnung eines Raums als falsch entlarvt oder einem bunten Blumenstrauß die Süße nimmt. Es sind solche feinen Kontraste, die Monika Wilmes’ Bilder komplett machen, die ahnen lassen, dass Leben und Tod so eng zusammengehören, dass das eine ohne das andere nicht sein kann. Das zeigt sich sogar, wenn ein alter Teddybär von lauter neuem Spielzeug, von Sauriern, Barbie und Sesamstraße umringt wird.

Monika Wilmes ist nicht nur fasziniert von welkenden Blüten und vertrocknendem Obst, sie hat auch ein Faible für Dinge, die es nur noch beim Trödler gibt. Manches hat sie extra gekauft, nur um es zu malen. Dann sucht sie sorgfältig passende Utensilien dazu und arbeitet meist mehrere Wochen daran, das Arrangement aufs Papier zu bringen. Sandpapier! Monika Wilmes malt fast immer mit Pastellkreiden auf das raue Papier, das sie sich in Rollen bestellt. Sie massiert die Farben ein, so lange und so oft, bis sie aus der Tiefe leuchten. Manchmal bluten ihre Finger. Mit dieser Technik und ihrem Hang zur Perfektion bringt sie die Formen so fein, klar und präzise ins Bild, dass die Szenen eindrücklicher wirken, als sie es in der Realität je könnten. „Was ich male, gibt es ja manchmal auch gar nicht“, sagt sie und zeigt auf einen Strauß aus Blumen, die zu verschiedenen Jahreszeiten blühen.

Dass sie ein besonderes künstlerisches Talent hat, wusste Monika Wilmes schon in ihrer Kindheit. Aber sie wurde in Berlin in einer Zeit groß, als andere Dinge wichtiger waren. Ihr Vater starb im Krieg an einer Blinddarmentzündung, ihre Mutter lebte allein mit drei Kindern. Geld war knapp. Aber eine gebildete Dame aus der Nachbarschaft erkannte das Talent des Mädchens und setzte sich dafür ein, dass es mit 15 Jahren auf eine private Kunstschule gehen konnte. „Das war ein Glück für mich“, sagt Monika Wilmes, „sonst wäre ich in einem Büro gelandet.“ Weil ihre Mutter das Schulgeld aber irgendwann nicht mehr aufbringen konnte, musste sie die Schule kurz vor dem Abschluss verlassen. Darüber war Monika Wilmes so enttäuscht, dass sie viele Jahre lang weder Stift noch Pinsel in die Hand nahm. Ihr Mann sagt: „Ich hatte ganz lange keine Ahnung, dass sie malen kann!“ Aber irgendwann, da lebten Wilmes’ mit ihren drei Kindern im Sauerland, ergab sich die Gelegenheit für Monika Wilmes, zu beweisen, dass sie es noch konnte. Eine befreundete Künstlerin ermutigte sie dann weiterzumachen, wies sie auf die seltene Technik hin, mit Sandpapier zu arbeiten, „und dann ging es los“, sagt Monika Wilmes. Ihre erste Ausstellung hatte sie in einer Galerie in Berlin, wo die Familie seit 1984 wieder wohnte. „Die wurde von einer wichtigen Kritikerin groß besprochen“, erinnert sie sich. Auch dass einige ihrer Bilder in großen Banken hängen und es Leute gibt, die gleich mehrere ihrer Werke gekauft haben, erfüllt sie mit Stolz.

Seit sie in Görlitz lebt, hat Monika Wilmes aber nur selten hier ausgestellt, einmal in der Neißstraße, einmal im Jakob-Böhme-Haus in Zgorzelec. Und auch jetzt ist es wieder die polnische Seite, auf der Bilder von ihr zu sehen sein werden. Wenn Monika Wilmes am Freitag ihre Ausstellung mit 60 Pastell- und Ölbildern im Dom Kultury eröffnet, sind mehr Werke denn je von ihr in Görlitz/Zgorzelec zu sehen.

Vernissage Dom Kultury Fr., 13. 12., 17 Uhr, Ausstellung geöffnet Mo.-Fr. 16-18 Uhr oder vor Ort auf Anfrage