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Hoyerswerda

Ein folgenschwerer Langzeit-Rohrbruch

Hoyerswerdas Stadt-Café wird am Freitag zubleiben. Das gilt aber nur für drinnen – aus gutem (schlechtem ...) Grund. Was trotzdem möglich ist:

John-Albrecht und Nicole Arko haben (fürs Foto!) Tisch und Stühle vors Stadtcafé gerückt.
John-Albrecht und Nicole Arko haben (fürs Foto!) Tisch und Stühle vors Stadtcafé gerückt. © Foto. Uwe Jordan

Hoyerswerda. Wenn am jetzigen Freitag, dem 15. Mai, die Gaststätten in Sachsen wieder öffnen (wenn sie es denn dürfen ...), bleibt das Stadtcafé Hoyerswerda geschlossen. Um das gleich ganz klar zu sagen: Der Außer-Haus-Verkauf von Eis und Backwaren aller Art in der Kirchstraße 1 am Markt wird reibungslos laufen. Auch die Tische und Stühle im Außenbereich, auf dem großzügig breiten Bürgersteig, werden besetzt werden können – nur das eigentliche Café kann keine Gäste empfangen.

Wie – haben die’s etwa nicht nötig; Motto „wegen Reichtums geschlossen“? Ganz falsch! Niemand ist darüber unglücklicher als Nicole Arko und ihr Bruder John-Albrecht Arko, die Inhaber/Geschäftsführer des Stadtcafés. Sie haben im März 2018 die Räume übernommen und auch die Bäckerei-Filialen des einstigen Besitzers; haben so rund 50 Hoyerswerdaer Arbeitsplätze aus der Insolvenz heraus gerettet. 

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Keinesfalls blauäugig, sondern seriösem, gewissenhaftem Kalkül folgend: Der elterliche Betrieb, die Landbäckerei Schmidt aus der Sächsischen Schweiz, Familienbetrieb in 4. Generation, sollte mit Augenmaß erweitert werden. John-Albrecht, der das Bäcker-Handwerk „von der Pike“ auf gelernt hat, und seine Schwester Nicole, studierte Betriebswirtschaftlerin, brachten professionelle Voraussetzungen mit – und fanden in Hoyerswerda, so schien es, die idealen Bedingungen; nicht zuletzt mit dem Stadtcafé. 

Dass das Haus eine bewegte Geschichte hatte, wussten sie: Errichtet in den 70er-Jahren, oft umgenutzt – egal; schließlich war es ja erst vor gut zehn Jahren saniert worden. Dass der Bestand an Café-Technik (Kühltheken, Spülmaschine, Kaffeeautomaten, Ladenbacköfen ...) Wartungsstau aufwies, einige Neuanschaffungen unumgänglich waren (eine gute Kaffeemaschine in der Gastronomie kostet soviel wie ein Kleinwagen) – das war hinzunehmen.

Was beide aber nicht tun konnten: einen Blick hinter Wände und Decken werfen. Die gaben erst nach und nach böse Geheimnisse preis: Fehlende Dämmung. Falsche Wasser- und Wärmemengenzähler. Unregulierbare Heizungen ... Seufzend ließen die Arkos reparieren, was reparierbar war. Doch das jüngste Malheur ist enorm: Ein unsachgemäß verlegtes, verborgenes und leckendes Wasserrohr hatte, wahrscheinlich über Jahre hinweg, Fußböden und Säulen des Cafès vernässt. Das Rohr zu ersetzen, war das eine. Schwerer wiegt dies: Ein Fachmann prognostizierte, dass die notwendige Gebäudetrocknung (Stand heute) vier bis sechs Wochen dauern könnte; dann erst kann der gleichfalls nicht von heute auf morgen zu bewältigende Neuaufbau der Inneneinrichtung erfolgen.

Mit anderen Worten: Zeitigstens Mitte Juli ist das Stadtcafé wieder eröffnungsfähig. Nicole und John-Albrecht Arko hoffen, dass bis dahin der Außer-Haus-Verkauf und das Außen-Café die Verluste etwas in Grenzen halten können: „Wir haben nichts geschenkt bekommen oder mit «Taschen voller Geld» in Hoyerswerda angefangen. Wir haben Kredite aufgenommen, die noch lange abbezahlt werden“, schildert John-Albrecht die Situation, und Nicole ergänzt, wohl gerade im „Grenzgebiet“ sei es unverständlich, dass brandenburgische Betriebe Corona-Nothilfe bekommen, sächsische hingegen bestenfalls „zinsgünstige“ Kredite (3 % ...); „bei unserer Betriebsgröße hingegen ist gar keine Hilfe vorgesehen“.

 Immerhin: City-Managerin Dorit Baumeister und der neue Hoyerswerdaer Wirtschaftsförderer Alexander Kühne würden sich sehr bemühen, Hilfe zu organisieren. Und ganz wichtig ist den Arkos: „Ein großer Dank gilt allen unseren Beschäftigten, die uns treu geblieben sind. Gerade für sie hoffen wir, dass möglichst bald Normalität wieder Einzug halten kann.“

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