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„Ein geschickter Schachzug der SPD“

Welche Chance hat der SPD-Direktkandidat Frank Richter? Darüber sprach die SZ mit einem Parteienforscher.

Parteilose Kandidaten wie Frank Richter (vorn), der von der SPD in das Rennen um ein Direktmandat bei der Landtagswahl geschickt wird, haben es schwer, sagt der Politikwissenschaftler Dr. Benjamin Höhne. Ihn würde nicht wundern, wenn Richter auch noch in
Parteilose Kandidaten wie Frank Richter (vorn), der von der SPD in das Rennen um ein Direktmandat bei der Landtagswahl geschickt wird, haben es schwer, sagt der Politikwissenschaftler Dr. Benjamin Höhne. Ihn würde nicht wundern, wenn Richter auch noch in © Ronald Bonß

Meißen. Der Politikwissenschaftler Dr. Benjamin Höhne ist stellvertretender Leiter des Instituts für Parlamentarismusforschung (IParl) in Berlin und erforscht unter anderem, wie Parteien ihre Kandidaten rekrutieren.

Herr Dr. Höhne, gibt es den Trend, dass Parteien heute häufiger unabhängige Direktkandidaten aufstellen?

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Es ist etwas komplizierter. Einerseits geht es tatsächlich in die Richtung, dass Parteien sich mehr darum bemühen müssen, attraktive Kandidaten aufzustellen – attraktiv insofern, als dass es Leute sind, die man kennt, denen man vertraut und die nicht wie ein gemeiner Parteisekretär daherkommen. Parteimitglieder sind ja zunehmend selten, von daher müssen sich Parteien tatsächlich mehr bewegen. Das wird noch stärker werden in Zukunft. Auf der Kommunalebene ist die Personalknappheit so groß, dass Parteien jetzt schon fast jeden nehmen, der sich halbwegs einbringt für die Sache.

Bei Landtags-, Bundestags- und Europawahlen finden sie aber noch genug Leute mit dem eigenen Stallgeruch, die kandidieren wollen. Das heißt, wo es richtig um etwas geht – nämlich, dass man ins Parlament kommt – da bevorzugen Parteien fast unverändert die eigenen Kandidaten.

Wie erfolgreich sind unabhängige Direktkandidaten wie Frank Richter?

Man kann sagen, dass parteilose Kandidaten es sehr schwer haben bei Landtagswahlen. Im Bundestag hat es sogar seit der ersten Wahl 1949 kein einziger unabhängiger Kandidat mehr geschafft, einzuziehen. Die Leute wählen ja nach wie vor eher eine Partei denn eine Person. Klar, Frank Richter ist bekannt, er hat Profil – insofern ist es schon ein geschickter Schachzug für die SPD, um medial stattzufinden. Und urbane Zentren sind schon von Vorteil für sie oder zumindest nicht so ein Nachteil wie ländliche Regionen.

Wie unabhängig können Direktkandidaten wirklich von der Partei sein, die sie ins Rennen schickt? Frank Richter war ja beispielsweise lange CDU-Mitglied, nun fährt er auf SPD-Ticket.

Zumeist zeigt sich, dass aus der Unabhängigkeit alsbald eine Parteizuneigung wird. Wenn ich mich erst im linken Spektrum der CDU aufgehalten habe und dann ins eher rechte Spektrum der SPD gehe, fallen die Unterschiede gar nicht so groß aus. Das wäre etwas, was für mich weniger für Erstaunen sorgt, als wenn man einen ehemaligen Grünen bei der AfD wiederfindet. Aber auch das haben wir bei unserer Forschung schon erlebt.

Das Interview führte Dominique Bielmeier.