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Ein großer Bildhauer – fast vergessen

Viele Brunnen oder Plastiken in Dresden stammen von Georg Wrba. Es weiß nur niemand mehr.

Der „Bacchus auf dem Esel reitend“ und die Löwen vor der Goldenen Pforte des Rathauses stammen von Georg Wrba.
Der „Bacchus auf dem Esel reitend“ und die Löwen vor der Goldenen Pforte des Rathauses stammen von Georg Wrba. © Gunter Hübner/Samml. H. Naumann

Der „Bacchus auf dem Esel reitend“ am Eingang zum Ratskeller, die Löwen vor der Goldenen Pforte des Rathauses, „Europa auf dem Stier“ am Königsheimplatz oder die Aphrodite des Marie-Gey-Brunnens am Friedrich-List-Platz südlich des Hauptbahnhofs: Die Werke Georg Wrbas in Dresden sind nicht zu übersehen. Dessen Name jedoch droht in Vergessenheit zu geraten. Dabei gehört er zu den wichtigen deutschen Bildhauern des vergangenen Jahrhunderts. Ihm werden mehr als 3 000 plastische Werke an 322 Objekten in gut 45 Städten und Ortschaften zugeschrieben. Vor 80 Jahren ist er am 9. Januar 1939 in Dresden gestorben.

Der Künstler muss im Umgang wohl etwas schwierig gewesen sein. Öffentliche Anerkennung und Geld hätten für ihn eine große Rolle gespielt, wird berichtet. Er sei bisweilen selbstsüchtig aufgetreten, was öfter zu Problemen mit anderen Künstlern und Honoratioren geführt habe. Andererseits: Er war fleißig, umtriebig und schöpferisch, anerkannt und zudem gefragt. Schon als 29-Jähriger erhielt er in Leipzig seinen ersten großen Auftrag und gestaltete die Bauplastik am Neuen Rathaus. Mit einem Reiterstandbild Ottos machte er in München auf sich aufmerksam. Auch in Berlin und Hamburg und in Wurzen hinterließ er Spuren.

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Georg Wrba stammte aus München, wo er 1872 als Sohn eines Schmieds zur Welt kam. Er absolvierte eine Lehre als Holzbildhauer, studierte von 1891 bis 1897 an der dortigen Kunstakademie, leitete die städtischen Bildhauerfachschule und wurde 1905 zum Professor berufen.

Über Berlin kommt Wrba nach Dresden, wird 1907 als Nachfolger von Johannes Schilling Professor an der Kunstakademie und leitet bis 1930 das Meisteratelier für Bildhauerei. Er wird Mitglied in der 1906 gegründeten Künstlervereinigung „Die Zunft“ und freundet sich mit Stadtbaurat Hans Erlwein an, mit dem er eng zusammenarbeitet. Die ersten Brunnenwerke entstehen in Erlwein-Bauten: 1908 im Wasserwerk Hosterwitz, 1909 an der Außenseite des Schulgeländes an der Gustav-Freytag-Straße, 1910 der Stierbrunnen am Schlachthof. Von 1910 bis 1933 ist Wrba künstlerischer Leiter der Wiederherstellungsarbeiten am Dresdner Zwinger. Der Nestor der Dresdner Denkmalpflege, Fritz Löffler, kritisierte jedoch dessen Umgang mit den plastischen Kunstwerken.

Die Bronzeplastik des trunkenen Bacchus‘ auf dem ebenso alkoholisierten Esel am Eingang des Ratskellers stammt von 1910. In der Mimik des Tieres zeigt Wrba humoristisch die Folgen übermäßigen Alkoholgenusses. Das Berühren der Zehe des Weingottes sollte den Besuchern angeblich Glück bringen. Manche Dresdner spotteten: Der Esel stehe symbolisch für die Steuerzahler, und er sei nicht wegen Trunkenheit, sondern unter der Abgabenlast der Stadt zusammengebrochen.

Der plastische Schmuck an der Eingangshalle des Krematoriums Tolkewitz, einem der bedeutendsten Jugendstil-Monumentalbauten in Deutschland, stammt ebenso von der Hand Wrbas wie die Bauplastik am Giebel des Italienischen Dörfchens oder das Wappen mit lagernden Gestalten am Giebel des Schauspielhauses.

Viele Bronze-Arbeiten Wrbas fielen dem Metallbedarf während des Zweiten Weltkrieges zum Opfer wie etwa das „Mädchen mit Gazelle“ im Rosengarten. Der Europa-Brunnen am Königsheimplatz, Wrbas größte Brunnenanlage, wurde 1944 demontiert und erst 1995 wieder vollständig rekonstruiert.

Der Geheime Hofrat Wrba starb in seiner Villa in Dresden-Blasewitz. Zur letzten Ruhe wurde er jedoch in seiner Geburtsstadt München gebettet. In Dresden ist eine Straße nach ihm benannt.