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Ein Hausmann für Rentner

Einkaufen, Rasen mähen, Küche putzen – wie der Freitaler Andreas Fengler Senioren den Alltag rettet.

Andreas Fengler hat für eine ältere Dame die Einkäufe erledigt, später wird er ihr noch beim Aufräumen und Putzen helfen.
Andreas Fengler hat für eine ältere Dame die Einkäufe erledigt, später wird er ihr noch beim Aufräumen und Putzen helfen. © Sven Ellger

Immer dann, wenn Andreas Fengler seine Mutter besucht, merkt er, was Altern wirklich bedeutet. Es geht nicht nur um die Gesundheit, es geht um so vieles, für das alte Menschen plötzlich kein Händchen, keine Kraft oder keine Nerven mehr haben. Die Post türmt sich auf dem Schreibtisch und wird nicht abgearbeitet oder gar nicht erst verstanden. Und die Küche muss mal wieder gründlich geputzt werden. Und der Kühlschrank ist leer. „Oft ist es so, dass die Menschen nicht in ein Heim wollen, das Zuhause und die alltäglichen Dinge ihnen aber über den Kopf wachsen“, sagt Fengler.

Als es bei seiner Mutter so weit war, suchte Fengler nach einer Art regelmäßigen Haushaltsdienst für die alte Dame. Schließlich stieß er im Internet auf die Adresse der Seniorenlebenshilfe, einem kommerziellen Unternehmen aus Berlin. Er fragte an, kam mit den Berlinern ins Gespräch und entschied sich dann – beruflich gerade in einer Findungsphase – selbst Seniorenhelfer zu werden. Seit Anfang Januar ist er nun im Raum Freital aktiv.

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Hilfe für Senioren im Alltag ist keine neue Erfindung. Oft sind es die eigenen Verwandten, die den Rentnern unter die Arme greifen. Sie gehen Einkäufe erledigen oder fahren Oma und Opa zum Kaffeeplausch ins nächste Dorf. Auch wird – wie beispielsweise in Zauckerode oder Pesterwitz – Hilfe über Seniorenclubs und Stadtteilvereine organisiert. Doch was ist, wenn die eigenen Kinder und Enkel weit weg leben oder schlicht keine Zeit haben? Oder wenn die Unterstützung in der Nachbarschaft nicht gut funktioniert?

In diese Lücke stößt die Seniorenlebenshilfe mit Andreas Fengler in Freital nun mit ihrem Angebot. Die Idee ist, einen Service rund um den Alltag anzubieten, der gebucht werden kann. Egal, ob in der Apotheke ein Rezept eingelöst, der Garten gewässert oder der Kühlschrank gefüllt werden muss – Andreas Fengler ist für alles bereit. „Ich war schon immer ein häuslicher Typ“, sagt er. Als Geschäftsführer eines mittelständigen Unternehmens sei er sich auch nicht zu schade gewesen, die Mitarbeitertoiletten zu putzen.

Andreas Fengler ist beruflich viel herumgekommen. Der gelernte Zimmermann hat einst in einer Tischlerei gearbeitet. Nach der Wende half er einem westdeutschen Unternehmen, im Raum Dresden mit dem Vertrieb von Maschinen für die Holzbearbeitung Fuß zu fassen. Mit einem Kompagnon gründete er schließlich selbst einen Werkzeug- und Maschinenhandel mit angeschlossener CNC-Werkzeugschleiferei. 14-Stunden-Tage seien durchaus die Regel gewesen, berichtet Fengler. Irgendwann war er mit dem Kopf nur noch bei der Arbeit. „Meine Frau sagte mir mal, mit mir könne man sich gar nicht mehr unterhalten, ich kriege zu Hause kaum noch etwas mit. Da merkte ich, ich muss etwas ändern.“ Fengler ging zur Kur, später verkaufte er seine Firmenanteile und trat eine Stelle in einem Autohaus an. Doch Druck herrschte auch dort. „Es ging immer nur um die Zahlen und den Erfolg.“ Als sich der heute 57-Jährige mit dem Thema Seniorenlebenshilfe befasste, dachte er sich, dass ihm dies auch eine neue berufliche Perspektive geben könnte. „Ich will noch mal etwas ganz anderes machen.“

Solche Dienstleistungen, wie Fengler sie nun für die Seniorenlebenshilfe offeriert, haben durchaus auch Pflegedienste im Angebot. Der Vorteil als Ein-Mann-Unternehmen sei, dass sich die alten Leutchen nicht immer an neue Gesichter gewöhnen müssen. „Es kommen nicht ständig neue Leute und ich bin sehr verlässlich“, wirbt er. Als Lebenshelfer kümmert er sich um Wohnung, Haus und Garten, kann Postangelegenheiten und Behördenkram erledigen, begleitet seine Kunden zu Ärzten, zum Friedhof oder zum Friseur – mit oder ohne Auto, wie jeweils gewünscht. Sogar Freizeitaktivitäten wie einfach mal spazieren gehen, Bücher vorlesen oder Ausflüge unternehmen, sind möglich. „Ich stelle mich auch mit in die Küche und helfe beim Kochen“, sagt Andreas Fengler. Das Ganze hat natürlich seinen Preis. Der Lebenshelfer arbeitet nach Stundensätzen zwischen 21 und 26 Euro.

Der Freitaler, der in Wurgwitz Fußball spielt, ist sich sicher, dass es trotzdem einen Markt dafür gibt. Die ersten Anfragen liegen schon vor, erste Besuche sind bereits erfolgt. Dabei hat Fengler eines festgestellt: „Den alten Menschen geht es nicht nur um Unterstützung im Haushalt. Die wollen auch mal quatschen und freuen sich, wenn einfach jemand vorbei kommt, weil sie niemanden mehr haben.“

Informationen rund um die Seniorenlebenshilfe unter der kostenlosen Nummer 0800 83221100 oder unter www.seniorenlebenshilfe.de

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/freital vorbei.

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