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Ein Joker beim Beat

Die Nachwuchs-Musiker aus Bautzen wollen beim Band-Wettbewerb abräumen. Das soll aber nur der erste Schritt sein.

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© Uwe Soeder

Max Mirtschink

Lässig fläzen die vier Jungs von Joker an der Parkbank. Normalerweise erwartet man richtige Rocker ja in einem dunklen Studioraum im Bautzener Gewerbegebiet - und dann auch erst nach Mitternacht. Doch Vincent Jurschik, Florian Hauptmann, der auch Jezzi genannt wird, Florian Richter und Alexx Schmidt sind da anders. Um sich zu inspirieren, spazieren sie schon Mal eine Runde um das Gelände ihres Proberaums. Doch nicht nur dabei unterscheiden sie sich von anderen Klischee-Rockern.

Unter Beweis wollen sie das Sonnabendabend beim Bandwettbewerb „Beat 2015“ stellen. Gegen neun andere Bands tritt Joker an, in der Hoffnung den Pokal mit nach Hause zu nehmen. Doch dafür geht es nun noch mal in den Proberaum für die vier Jungs aus Bautzen. Sie kommen alle aus der Region, sind in der Provinz aufgewachsen. Ihre Brötchen verdienen sie mit normalen Jobs, nicht einmal die Schule haben sie abgebrochen. „Wir sind bodenständig. Von uns hat keiner vergessen, wo er herkommt“, erklärt Alexx.

Dabei sieht der Schlagzeuger schon ein bisschen extravagant mit seinen schulterlangen, blonden Haaren aus. Es ist gut vorstellbar, wie sie beim Trommeln durch die Luft fliegen. Das tun sie auch bei dieser Probe, denn nach dem Spaziergang am Teich geht es in den kleinen Probenraum. Überall wimmelt es von Kabeln und Schaltern, die Instrumente stehen eng beieinander.

Die Chemie hat gestimmt

Vor zwei Jahren trafen sich Alexx, Florian und Jezzi hier zum Jammen, also zum freien Musizieren miteinander. Sie kannten sich bereits aus anderen Bands. Mit der Zeit merkten sie, dass die Chemie stimmt. Nach ein paar Coversongs wurden die Zeiten im Proberaum länger. Dass dabei schnell eigene Lieder entstanden, verwundert nicht. Denn bei den Bautzenern tanzt keiner aus der Reihe. „Wenn wir zum Proben kommen, sind wir alle sehr motiviert und wollen etwas erreichen. Wir sind da sehr ordnungsliebend“, sagt Alexx über sich und seine Musikerkollegen.

Auf der Suche nach einer eigenen Band waren die Nachwuchsrocker zuerst nicht, doch allmählich reifte die Idee, eine Gruppe zu gründen. Ihr Name spielt ein wenig darauf an. „Manchmal hätte die Welt einfach ein paar Joker mehr nötig“, sagt Bandsprecher Alexx. Den Proberaum gibt es schon länger als die Band. Damals rief noch die Mutter beim Vermieter an. Alexx erinnert sich mit einem Schmunzeln an die Anfänge. Nach und nach schafften sich die Jungs von Joker in den letzten Jahren neue Instrumente und Verstärker an. Ihre Gagen für kleinere Auftritte flossen stets in eine bessere Ausstattung.

Gefühlvoll und rau

Unterstützung bekamen die vier Musiker immer von ihren Eltern – moralische und auch ein paar Unterrichtsstunden auf ihren Instrumenten bezahlten sie. Jezzi ging in die Musikschule. Alexx nahm privat einige Stunden. Florian und Vincent haben sich dagegen fast alles selber beigebracht. „Wir sind halt alle motiviert wie Sau“, sind sich die Beat-Teilnehmer einig. Dass dazu eine gehörige Portion Musikalität gehört, zeigen die Bautzener wenig später an den Instrumenten. Die E-Gitarre beginnt mit einigen markanten Griffen. Nach und nach steigen die anderen mit ein. Spätestens beim Refrain merkt man, dass die Bautzener wissen, was sie machen. Gekonnt spielen sie sich die Blicke zu, gefühlvoll und doch rau kommen ihre englischen Zeilen daher. Die meisten ihrer rund 20 eigenen Songs drehen sich um Themen wie Freiheit oder Freundschaft, aber auch um die Liebe.

Auf den Spuren von Silbermond

Ihre Inspiration ziehen sie aus ihrer Umgebung. „Die ländliche Gegend ist für uns als Rückzugsort schon wichtig“, erklären die Musiker. Doch bei Konzerten können sie auch richtig aufdrehen. „Wir sind ja nicht vier der Liedermacher Phillip Poisels,“ sagt Jezzi mit einem Schmunzeln. Das werden die jungen Bautzener auf jeden Fall beim Beat-Wettbewerb unter Beweis stellen. Den Bandcontest für junge Nachwuchsmusiker gibt es schon seit Mitte der Neunziger, bekannte Größen wie Silbermond, Jenix oder Café Jazz, die mittlerweile Strandlichter heißen, haben die Steinhausbühne als Sprungrampe für ihre Karriere benutzt. Beim Wettbewerb haben die Musiker die Chance, 20 Minuten die Jury mit ihren eigenen Songs zu begeistern. Als Preise winken Workshops und ein Auftritt beim polnischen Konzert Liga Rocka, der Gewinner darf sich sogar auf eine professionelle Studioproduktion freuen.

Dabei werden alle Musikrichtungen vertreten sein – vom Singer-Songwriter über Hardcore bis zum Rock von Joker. Favoriten gibt es keine. „Alles ist möglich und hängt von der Performance ab“, sagt Andreas Krampf, der Organisator des Steinhauses. Ob die vier Jungs aus Bautzen am Ende als Sieger dastehen werden? Ale zuckt mit den Schultern. „Musik ist kein Sport, wo es darum geht, der Beste zu sein. Wir wollen nur die Leute begeistern“, sagt er. Irgendwann wollen die leidenschaftlichen Rocker aber von ihrer Musik leben. Ein guter Schritt könnte da schon mal der Beat-Wettbewerb sein. Vielleicht haben die Jungs ja noch einen Joker im Ärmel.

Die Finalisten sind Joker (Rock), Felix Herrmann (Pop / Bautzen), Hammada (Stoner / Freiberg), Laika (Drum n Bass, Surf / Bautzen), ORC (Metal / Dippoldiswalde), Remo Devago (Acoustic-Rock / Dresden), Sawed Chicks (Rock / Olbersdorf), Techno And The Homeless (Funk, Rock / Dresden), Verdant Meadows (Melodic Metal, Hardcore / Kamenz), Timelesprii (Pop, Rock / Kamenz)

Beginn ist Sonnabend, 28. März, um 19 Uhr im Steinhaus. Eine Stunde vorher ist Einlass. Die Tickets kosten an der Abendkasse fünf Euro.

www.steinhaus-bautzen.de