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Ein Karussell für 900 Kühe

Die Heidefarm Sdier investiert eine Million Euro in die Milchviehanlage Brösa. Davon haben nicht nur die Tiere etwas.

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© SZ/Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Als die offizielle Einweihung des neuen Melkkarussells in Brösa am Freitag beendet war, hatten die Gäste Pech. Denn Kühe standen dann nicht mehr in der neuen Anlage. Sie waren schon gemolken, und die Mitarbeiterinnen wie Katharina Helm säuberten den Stall. Hinter den 25 Mitarbeitern der Milchviehanlage Brösa liegt eine schwierige Zeit. Zwischen April und Mitte Juni mussten sie die etwa 900 Kühe in einen Ersatzmelkstand führen. Der war längs gebaut und kein Karussell. „Aber die Kühe sind das nicht gewohnt“, sagt Wilfried Sarodnick, der Leiter der Milchviehanlage in Brösa. Die erste Zeit hat die Schicht von 18 Uhr bis früh um 9 Uhr gemolken, erinnert er sich. Auch Dietrich Hesse, mittlerweile Aufsichtsratsvorsitzender der Heidefarm Sdier, weiß von den schweren Bedingungen in der Bauphase und lobt die Mitarbeiter. „Sie haben außerordentliches geleistet“, sagt Hesse.

Keine Alternative

Aber auch die Agrargenossenschaft musste zusätzlich zu den Baukosten investieren. Wir haben bei den Personalkosten 35 Prozent mehr Aufwand gehabt, weil wir zusätzliche Leute einstellen mussten in der Übergangszeit“, sagt Dietrich Hesse. Die Kühe mussten in kleinen Gruppen an den Behelfsmelkstand herangeführt werden. „Das ist manchmal wie Zirkus“, sagt Sarodnick. Dass der Landwirtschaftsbetrieb in einer Zeit, in der es viele Diskussionen um den Milchpreis gibt, eine Million Euro in ein neues Melkkarussell steckt, verwunderte manch einen. Die Heidefarm hat neben der Anlage in Brösa noch die Jungtieranlage in Droben. Insgesamt werden 1 800 Rinder betreut. Der Geschäftsführer der Heidefarm, Udo Noack, hat eine einfache Begründung: „Wir haben keine Alternative bei den uns hier im Heide- und Teichland gegebenen Bedingungen“, sagt er. Deshalb sieht er im 25. Jahr des Betriebes zuversichtlich in die Zukunft.

Faire Milchpreise erstreiten

Der Standort Brösa hat sich ständig verändert. Aufgebaut 1971, blieb der Stall einer von einst 25. 1997 wurde ein neuer Stall gebaut, die folgenden Jahre der Produktions- und der Abkalbstall umgebaut. Ein Güllebehälter entstand. Die Errichtung der Biogasanlage 2006/07 war für die Heidefarm ein Glücksgriff. Denn der Erlös daraus hat dem Betrieb schon oft geholfen, wenn der Milchpreis mal wieder im Keller war. Und irgendwie war das auch immer mal wieder das Thema bei der offiziellen Einweihung: Wie können die Bauern erreichen, dass gerechte, faire und für alle auskömmliche Preise erzielt werden? Der Vertreter der Heinrichsthaler Milchwerke konnte da ein wenig Hoffnung verbreiten. „Wir merken, dass die Nachfrage wieder steigt“, sagte er. Und Dietmar Liebscher, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Bautzen/Kamenz, versprach, dass der Verband alles tun wird, um die „schwerste Erzeugerpreiskrise seit 25 Jahren“ zu beenden. Er informierte, dass in Brüssel am 18. Juli eine Entscheidung zur Entschädigung der Milchbauern fallen soll. „Wenn die nicht zu unseren Gunsten ausgeht, müssen wir wieder auf die Straße“, sagte Liebscher.

Investition in die Zukunft

Eingeladen zur offiziellen Einweihung des Melkkarussells war unter anderem auch der Anlagenbauer Impulsa aus Elsterwerda. Deren Vorstand Roland Riegger bedankte sich für die Zusammenarbeit, denn bereits das alte Melkkarussell kam von dort. Riegger, der selbst aus dem Westen Deutschlands stammt, rettete den Betrieb 2002. „Es tut gut, wenn man den Kunden auch als Mitstreiter ansehen kann“, sagt er. „Dietrich Hesse hat immer an unsere Firma geglaubt. Auch wenn wir zahlenmäßig nur klein sind, liefern wir doch Qualität vom Feinsten“, sagt Roland Riegger. Das neue Karussell sei eine Investition in die Zukunft, denn „wir haben eine Technik entwickelt, die ein tiergerechtes Melken erlaubt“. Und auch Wilfried Sarodnick findet das System gut. „Es imitiert das Saugen eines Kälbchens, sodass auch die bisher schwer melkbaren Kühe besser entleert werden“, so Sarodnick. Eine knappe Million Euro investierte die Heidefarm in die neue Technik. Jetzt hofft der Vorstand, dass der Fördermittelbescheid bald ins Haus flattert. Dann können auch noch die neuen Kälberboxen gebaut werden.