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Ein kleines Stück vom Paradies

Das fanden Dresdner am Bärwalder See. Jetzt wurden die schwimmenden Häuser in der Marina Klitten eingeweiht.

Susanne und Frank Schicke, Unternehmer einer Verpackungsmaschinenbaufirma aus Dresden, gehören zu den ersten Eigentümern eines schwimmenden Hauses in der Marina Klitten am Bärwalder See.
Susanne und Frank Schicke, Unternehmer einer Verpackungsmaschinenbaufirma aus Dresden, gehören zu den ersten Eigentümern eines schwimmenden Hauses in der Marina Klitten am Bärwalder See. © Constanze Knappe

Willy fühlt sich wie ein kleiner Star. Zusammen mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zerschneidet der Knirps das symbolische Band und gibt damit die schwimmenden Häuser am Bärwalder See frei. Die Eltern des Sechsjährigen sind unter den ersten Eigentümern eines solchen Ferienhauses in der Marina Klitten. Wie andere Besitzer auch ermöglichen sie am Montagabend einen Blick ins Innere. Die FHG Floating house GmbH Berlin hatte zur Einweihung geladen.

Von den Plänen des Unternehmens am Bärwalder See hatten Schickes aus einem Beitrag in der Sächsischen Zeitung erfahren. Sie fuhren zu FHG nach Berlin – und machten Nägel mit Köpfen. Inzwischen haben sie eine Woche Urlaub auf dem See verbracht.

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Die absolute Ruhe begeistert

Die absolute Ruhe ist es, die die Unternehmer einer Maschinenbaufirma begeistert. Kein Vergleich zur Großstadt, wo sie an einer Straße mit Kopfsteinpflaster wohnen, sagt Susanne Schicke. Auf dem See sei morgens nur das Kraulen der Nachbarn zu vernehmen, die eine Runde schwimmen. Ihr Haus liegt in der ersten Reihe dem Ufer zugewandt, die Terrasse gen Süden. Vom Oberdeck aus habe man einen grandiosen Blick. Frank Schicke zeigt beeindruckende Fotos vom Sonnenuntergang am Bärwalder See. Seit sie ihr Ferienhaus hier besitzen, sparen sie sich die vier Stunden an die Ostsee, sagt er. Von Dresden aus sind sie schnell in der Marina Klitten – perfekt fürs Wochenende und für einen Kurzurlaub. „Aber selbst direkt zur Arbeit kann man von hier aus fahren“, zählt Frank Schicke als weiteren Pluspunkt auf.

Es klingt, als hätte die Familie mit den Söhnen Willy und Bruno (8) ein kleines Stück vom Paradies gefunden. Susanne Schicke lobt das super ausgebaute Radwegenetz. Nur, so fügt sie dann hinzu, wenn das Wetter nicht so toll ist, sei es nicht ganz einfach, kleine Kinder zu beschäftigen, da es die aus der Großstadt bekannten Angebote wie Indoorspielplatz oder Kino in der Nähe nicht gibt. Zudem verzichtet die Familie auf einen Fernseher am See.

Am Montag hätte Willy den auch nicht gebraucht. Bei der von der FHG veranstalteten Einweihungsparty gab es für den Knirps viel zu sehen, wie die auf dem Oberdeck eines schwimmenden Hauses in einem Luftballon spielende Saxophonistin vor der Kulisse des Kraftwerks Boxberg. Zuvor hatte allerdings ein Wolkenbruch die Gäste davon abgehalten, einen Blick in die zum Teil geöffneten Häuser zu werfen.

Zu den bisher zehn kommen im Oktober vier und im Frühjahr 2021 weitere hinzu. Dann sollen an der extra dafür erbauten Steganlage in der Marina Klitten 26 schwimmende Häuser vor Anker liegen. Wie Geschäftsführer Ulf Sybel betonte, sind die 35 beauftragten Firmen zum großen Teil regional verwurzelt. Vor zwei Jahren habe sich eine Unternehmerin bei ihm gemeldet, die ein Hausboot für die Marina Klitten brauchte. Da habe er nicht mal gewusst, wo Boxberg liegt. „Für meine 14-jährige Tochter war es kaum glaubbar, dass das hier mal ein Riesenkohleloch war und jetzt so ein schöner See geworden ist“, erklärte er. Man nahm Kontakt zur Gemeinde auf, die das Vorhaben seit dem ersten Treffen 2018 intensiv unterstützt. Im Mai 2019 wurde das Musterhaus eröffnet.

Das sind die schwimmenden Ferienhäuser am Bärwalder See.
Das sind die schwimmenden Ferienhäuser am Bärwalder See. © Constanze Knappe

20 Arbeitsplätze werden entstehen

Mit Abschluss des Ganzen werden 7,8 Millionen Euro investiert sein. „Ein klares Zeichen für die Region“, findet Ulf Sybel. Er dankte den Kunden, „die Vertrauen in so ein Projekt auf Papier haben“. Neben aller Euphorie bräuchte es 300.000 Euro pro Haus. 160 schwimmende Ferienhäuser hat die FHG Floating house GmbH seit 1999 errichtet. Die seien im Schnitt mehr als 130 Tage pro Jahr ausgelastet. In Deutschland gebe es zu wenig Ferienhäuser. Die Nachfrage steigt, erst recht nach schwimmenden Objekten. „Das maritime Flair ohne Führerschein“, wie er es bezeichnete, wird immer beliebter.

Familie Schicke wird ihr Ferienhaus wohl nicht vermieten. Für andere Eigentümer sei die Vermietung das Ziel der Investition und wieder andere planen eine gemischte Nutzung. Die Anlage wird nach ihrer Fertigstellung 100 Ferienbetten haben, die ersten sind bereits vermietet. 20 Menschen werden künftig mit Verwaltung, Reinigung, Instandhaltung und als touristische Dienstleister damit beschäftigt sein. Man würde sich freuen, wenn ein Restaurant entsteht, und ein Fahrgastschiff auf dem See wäre „total toll“. Vielleicht könne man ja einen der stillgelegten Dampfer von der Elbe umverlegen, so Ulf Sybel.

Willy, jüngster Sohn von Familie Schicke, zerschneidet zusammen mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (M.) und weiteren Ehrengästen das symbolische Band.
Willy, jüngster Sohn von Familie Schicke, zerschneidet zusammen mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (M.) und weiteren Ehrengästen das symbolische Band. © Constanze Knappe

Investition mit Sogwirkung

Das schließt Ministerpräsident Michael Kretschmer aus. Sonst könne er sich in Dresden nicht mehr blicken lassen, wie er sagt. Auch aus seiner Sicht hat der See ein Fahrgastschiff nötig. Er sei erst spät eingestiegen, sonst hätte man es in anderer Konstellation hingekriegt. „Ich bin bereit, dass wir das Thema noch einmal aufgreifen“, versprach er. Die schwimmenden Häuser sieht er als Leuchtturm-Projekt und erwartet einen Schub für den Strukturwandel.„Allen Gästen und Wasservögeln schöne Tage“ wünschte Bürgermeister Achim Junker (CDU). Und, „dass die Spezies Mensch nicht als Störfaktor angesehen wird“. 

Mit dem ironischen Seitenhieb verwies er auf die Anstrengungen der Gemeinde, den Bärwalder See von Naturschutzauflagen befreien zu lassen – wie es das Bundesnaturschutzgesetz hergibt. Noch aber sei das Verfahren nicht abgeschlossen. „Die Gemeinde liegt teilweise im Biosphärenreservat. An anderer Stelle, etwa dem Hermannsdorfer See und Lohsa II, gibt es genug Platz für den Natur- und Artenschutz, auch für Seevögel“, so Achim Junker. Von den schwimmenden Häusern erhoffe man sich eine Sogwirkung, dass es doch noch zum Bau von Hotel und Restaurant am See kommt. Ausschreibungen dafür laufen.

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