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Ein Küsschen von Chapalitta

Was Manuela und Alexander Kaiser aus Sebnitz sahen, grenzte an ein Wunder. Ihr Sohn Oliver, 9 Jahre alt, konnte allein den Kopf halten, er vermochte es, aus Bauch- und Seitenlage allein in den Stütz zu gehen.

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Von Thomas Möckel

Was Manuela und Alexander Kaiser aus Sebnitz sahen, grenzte an ein Wunder. Ihr Sohn Oliver, 9 Jahre alt, konnte allein den Kopf halten, er vermochte es, aus Bauch- und Seitenlage allein in den Stütz zu gehen. Der Junge schlug des Öfteren die Augen auf, reagierte auf Stimmen und Geräusche, war aufmerksam und suchte den Blickkontakt: Und vor allem: Er lachte. „Es war einfach Wahnsinn, Dinge zu sehen, die wir bis dahin für unmöglich gehalten hatten“, sagt Mutter Manuela, 36.

Triebkraft für den spürbaren Schub an Lebensqualität für den schwerstbehinderten Oliver war Chapalitta, eine sechs Monate alte Delfin-Dame, die Jüngste im Team des Dolphin Therapy & Research Center auf Curacao. Bei der Therapie auf der karibischen Insel, die zu den niederländischen Antillen gehört, half der Meeressäuger, die Symptome des Jungen zu lindern. Es war ein unschätzbarer Erfolg für das Kind, das zeitlebens ein Pflegefall bleiben wird.

Passiert war alles bei der Geburt. Aufgrund eines akuten Sauerstoffmangels bildete sich ein Hirnödem, die Flüssigkeit zerstörte irreparabel Hirnzellen. „Für uns war es ein Hammer, zu erfahren, dass unser Kinde schwerstbehindert sein wird“, sagt Manuela Kaiser. Das Neugeborene wurde sofort von Sebnitz nach Dresden auf die Intensivstation der Uni-Klink verlegt. Fünf Tage kämpften die Ärzte um das noch junge Leben. Niemand wusste, ob Oliver durchkommt.

Doch dann erholte sich der Junge erstaunlich gut, aber bald kamen weitere Beschwerden hinzu. Oliver kann sich nur unkontrolliert bewegen, leidet an epileptischen Anfällen und hat Schwierigkeiten, seine Körpertemperatur zu regulieren.

Die ersten zwei Jahre waren geprägt von Klinikaufenthalten. „Es war eine harte Zeit, oft dachten wir, wir schaffen es nicht“, sagt Manuela Kaiser. Wegen der aufwendigen Pflege gab sie schließlich ihren Beruf auf, nun fährt sie halbtags Taxi, Mann Alexander ist als Kfz-Mechaniker der Hauptverdiener.

Für zweite Reise fehlt das Geld

Nach mehreren Therapien besserte sich allerdings Olivers Zustand, mit drei Jahren besuchte er den integrativen Kindergarten in Pirna. In dieser Zeit kam Bruder Tobias zur Welt, er ist jetzt sechs und gesund, auch er kümmert sich rührend um Oliver. Seit 2007 geht Oliver in die Polenzer Förderschule.

Zwischendurch verschlechterte sich seine gesundheitliche Situation aber wieder, abermals kämpften Ärzte um das Leben des Jungen. Auf der Suche nach Möglichkeiten, das Leid ihres Sohnes zu lindern, stießen die Eltern im Internet auf den Verein „Dolphin Aid“. Er vermittelt Therapien, bei denen Delfine und Therapeuten schwerstbehinderte Kinder betreuen. Die Wahl fiel schließlich auf Curacao, weil dort genau Olivers Symptome gezielt behandelt werden.

Die Reise blieb aber lange ein Traum, weil das Geld fehlte. Rund 12000 Euro kosten Therapie und Aufenthalt auf der Karibikinsel. Mühsam sparten Kaisers die Summe zusammen, Anfang Juni 2010 brachen sie nun zu dem 14-tägigen Aufenthalt auf. „Oliver sollte Kraft tanken, neuen Lebensmut schöpfen, damit er sich nicht aufgibt“, sagt Mutter Manuela.

Und die Therapie geriet zum absoluten Erfolg. Mithilfe der Therapeutin Mandy Kürschner und des jungen Delfins gelangen deutliche Fortschritte. Oliver fühlte sich wohl im 29 Grad warmen Wasser, er sucht die Nähe zu den sensiblen Meeressäugern. Er lag auf deren Bauch, ließ sich durchs Meer ziehen, lernte greifen und stützen. „Oliver war noch nie so entspannt und hat noch nie so viel gelacht“, sagt Manuela Kaiser.

Und das Bemerkenswerte: Die Erfolge halten auch zuhause an. Bislang hat der Junge nichts wieder verlernt. „Das zeigt, wie wichtig die Reise war“, sagt die Mutter.

Dennoch stehen Kaisers erneut vor einem Problem: Die Therapeuten auf Curacao empfahlen, die Therapie zu wiederholen, um Olivers Zustand zu festigen und weiter zu verbessern.

Aus eigener Kraft kann die Familie die Kosten aber nicht noch einmal aufbringen. Die Reise sowie der behindertengerechte Umbau von Haus und Auto haben alle Ersparnisse aufgezehrt. Daher bitten die Eltern nun im Spenden für ihren Sohn. „Es wäre schön, wenn uns viele Menschen unterstützen, damit wir unserem Kind das Leben lebenswerter machen können“, sagt Manuela Kaiser.

Wer für Oliver spenden möchte, kann sich bei der SZ unter 035971/5935753 melden. Die Sächsische Zeitung vermittelt dann einen Kontakt zu Familie Kaiser.