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Ein Leben für die Lok

Mehr als 15.000 Besucher kamen zum 6. Dampflokfest. Es braucht Träumer wie Ruthard Ohme, damit das ein Erfolg wird.

© Steffen Füssel

Von Ulrike Kirsten

Unter Dampf steht Ruthard Ohme beruflich längst nicht mehr. Die stressigen Zeiten als Lokomotivführer sind seit einigen Jahren vorbei. „In Schichten zu arbeiten und nur selten gemeinsam Feiertage wie Ostern oder Weihnachten zu verbringen, das hat schon einiges von meiner Frau und unseren drei Töchtern abverlangt. Sie haben immer Verständnis dafür gehabt, das hat vieles erleichtert“, sagt der Rentner aus Gruna. Voller Sehnsucht schaut der 69-Jährige vom Schuppen auf dem Gelände des Eisenbahmuseums an der Zwickauer Straße zur Nossener Brücke hinüber.

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Impressionen vom 6. Dresdner Dampfloktreffen

Auf ihr wetteifern am Sonnabend Hunderte Besucher des 6. Dampfloktreffens um den besten Blick auf mehrere Jahrzehnte Bahngeschichte. „Ich kenne dieses Gefühl. Mit meiner Großmutter habe ich selbst immer auf der Brücke gestanden und den Lokomotiven zugeschaut, wie sie abfuhren und ankamen. Es war immer mein Kindheitstraum irgendwann als Lokführer zu arbeiten“, sagt das Mitglied der Interessengemeinschaft Bahnbetriebswerk Dresden-Altstadt. Alte Dampfloks bewegen Ohme immer noch. „Die Luft ist nicht raus, nur weil ich nicht mehr bei der Bahn arbeite“, sagt der gelernte Dampflokschlosser, der später auch eine Ausbildung als Lokführer machte. „Ich kann einfach nicht loslassen. Die Technik fasziniert mich bis heute.“

Ohme schiebt sich unterdessen mit seinem zehnjährigen Enkel Niklas Baum durch die Massen bis zum Lokschuppen. Draußen, vor dem Museum, warten die Besucher mitunter stundenlang, um auf das prall gefüllte Gelände zu gelangen. „Eisenbahnen erzählen so viel vom Leben und man kann sich durch sie so wunderbar in die Ferne träumen. Das fasziniert eben viele Leute“, sagt Ruthard Ohme. Nach zehn Minuten Fußmarsch ist er endlich mit Niklas an der Dampflok 52 8079-7 angekommen. Dutzende Besucher drängeln sich staunend um die alte Maschine. Erst vor wenigen Tagen hat sie Ohme selbst im Ausbesserungswerk Meiningen abgeholt, wo die Lok generalüberholt wurde. „Elf weitere betriebsfähige Dampfloks haben wir in diesem Jahr zum Fest hier und natürlich unsere Elli, eine 89-jährige Elektro-Lok.“ Die hat für das Fest extra eine 85.000 Euro teure Frischekur erhalten.

Ohme hat sich unterdessen vom Trubel in den Umkleideraum der Vereinsmitglieder zurückgezogen. Am Haupteingang auf der Händlermeile gibt es kaum noch ein Durchkommen. „Es ist auch schön, wenn es hier wieder etwas ruhiger zugeht“, sagt Ohme. Denn das nächste große Projekt steht ihm und seinen Vereinskollegen schon bevor. „Wir wollen einen historischen Dampfkran, mit dem früher die Waggons beladen wurden, originalgetreu herrichten“, erzählt der Eisenbahnfreund. Dann wird auch Niklas wieder mit anpacken. „Ich bin sehr stolz, dass mein Enkel so viel Begeisterung für Eisenbahnen mitbringt“, sagt Ohme und klopft dem Jungen anerkennend auf die Schulter. „Er hat schon Dampf geschnüffelt, da war er gerade mal ein Jahr alt.“

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Der kleine Kaditzer mag sein außergewöhnliches Hobby. Mittlerweile nimmt es die Hälfte seines Kinderzimmers ein. „Ich habe eine Modelleisenbahn, an der ich ziemlich oft zusammen mit meinem Papa baue“, sagt Niklas und rückt seine Reichsbahn-Schirmmütze zurecht. Ein Geschenk von Opa Rudi. Wie Ohme einst mit seiner Großmutter steht der Junge heute oft mit seinem Großvater auf Brücken und beobachtet Züge. „Wir fragen uns dann immer, wo die Menschen in den Bahnen herkommen und wo sie hinfahren, ob sie vielleicht gerade von ihren Liebsten Abschied nehmen mussten“, sagt Ohme. Er will weiter daran teilhaben, dass die Geschichte der Eisenbahn nicht in Vergessenheit gerät. „Ich bin Dampf-, Diesel- und E-Loks gefahren, zum Schluss sogar noch ICE. Es geht nicht darum, dass wir gegen die Moderne sind. Aber eine alte Dampflok nicht zu erhalten wäre wie Geschichte sterben zu lassen.“