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„Ein Neubau ist die bessere Lösung“

Die Schulleiterinnen des freien evangelischen Zinzendorf- Gymnasiums über ein neues Schulhaus und das jüngste Urteil zu Sachsens Schulförderpolitik.

Von Anja Beutler

Das Dienstzimmer von Undine Bensch ist quadratisch, praktisch und typisch für einen Neubaublock. Seit einigen Monaten aber denkt die Schulleiterin gemeinsam mit ihrer Kollegin und zweiten Schulleiterin Katrin Filschke an ganz andere Räume und ein neues Haus. Und das nicht nur, weil Sachsens Verfassungsgerichtshof vom Freistaat eine Gleichbehandlung aller Schulen – egal, ob staatliche oder freie – gefordert hat.

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Katrin Filschke
Katrin Filschke © kairospress

Spätestens ab 2016 sollen freie Schulen den staatlichen in Sachsen gleichgestellt werden – was die Finanzausstattung des Freistaates betrifft. Was wird dann in Herrnhut anders?

Katrin Filschke: Unsere Liste, was man dann anpacken könnte, ist lang und sie reicht von der wirklichen Lehrmittelfreiheit über eine Anpassung der Lehrergehälter bis zu neuen Möglichkeiten bei der Schulgeldgestaltung. Jetzt verlangen wir 60 Euro pro Kind im Monat. Geschwisterkinder bekommen Rabatt. Aber selbst diese geringe Summe ist mitunter schon eine Hürde. Das darf aus unserer Sicht nicht sein. Aber generell – da gibt es viele Dinge, über die man nachdenken könnte.

Auch über ein neues Schulhaus?

Filschke: Wir denken seit knapp einem Jahr tatsächlich über ein neues Schulhaus nach. Aber da stecken wir noch komplett in den Kinderschuhen, haben erste Schritte gemacht. Und mit dem Urteil zur Schulpolitik hat das auch nichts zu tun.

Aber mit dem Zustand des jetzigen Schulgebäudes, einem DDR-Schulbau „Typ Dresden“ von 1972?

Filschke: Ja, seit wir in das Haus eingezogen sind, steht die Frage, ob wir das Haus sanieren oder neu bauen. Wir haben in den vergangenen Monaten zwei Architekturbüros mit einer Analyse beauftragt und im Ergebnis wurde klar, dass eine Sanierung wirtschaftlich nicht vertretbar und die bessere Lösung ein Neubau ist.

Ist das Haus so schlecht?

Undine Bensch: Nein, es gibt überhaupt keine akuten Probleme, wir können hier noch eine Weile gut arbeiten. Das Haus ist hell und licht, aber es ist in die Jahre gekommen und die Entscheidung, wie es weitergeht, stand an. Es war immer klar, dass in das Haus etwas investiert werden müsste, denn eine richtige Komplettsanierung hat es hier eigentlich nicht gegeben. Es gab immer nur punktuell Dinge, die erneuert wurden. Die hinteren Fenster Anfang der 1990er und die Heizung 1994.

Aber es geht bei dem Neubau nicht nur um das Prädikat „neu“ an sich?

Bensch: Richtig. Wir wollen ein Schulhaus, das auch unseren Vorstellungen vom Lernen und unserem speziellen diakonischen Profil entspricht. Dazu gehören Räume, in denen sich die Schüler zum Lernen oder zum Besprechen von Projekten außerhalb des Unterrichts treffen können. Wir brauchen auch flexiblere Möglichkeiten, wenn wir gemeinsam mit der Förderschule Projekte in unserem Haus gestalten oder mit zwei Klassen gleichzeitig arbeiten wollen – da geraten wir jetzt schnell an Grenzen. Und in ein evangelisches Gymnasium gehört auch ein Raum der Stille. Unser Konzept soll sich im Haus selbst widerspiegeln.

Wie schnell kann das Haus denn ganz reell entstehen?

Filschke: Ich hoffe, dass wir in fünf Jahren zum ersten Spatenstich einladen können. Aber das ist wirklich noch ungewiss! Denn bis dahin muss auch eine solide Finanzierung stehen. Wir werden, um die Eigenmittel zu stellen, um Spenden werben. Außerdem gilt es in den kommenden Jahren auch auszuloten, welche Fördermöglichkeiten wir nutzen könnten. Allerdings wollen wir noch bis Ende dieses Schuljahres wissen, wie das neue Haus aussehen soll. Mit unseren Lehrern haben wir bereits gesprochen und ihre Hinweise aus dem Alltag aufgenommen.

Wo soll das neue Haus stehen?

Filschke: Auf dem Schulgelände. Genauer können wir es noch nicht sagen.

Bensch: Das bisherige Schulhaus wird bis zum Tag des Umzugs instandgehalten und vollumfänglich genutzt werden. Dies zu garantieren, ist eine große Aufgabe für die Planungen.

Für wie viele Schüler soll das neue Haus gebaut werden?

Filschke: Für 400 Schüler planen wir. Derzeit lernen rund 320 in unserem Haus. Und wir wollen das Prinzip von zwei Klassen pro Jahrgang auch beibehalten. Derzeit laufen wir bis zur zehnten Klasse zweizügig, die Oberstufe ist noch einzügig.