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Ein neuer Park für die Südvorstadt

Südlich der Nöthnitzer Straße soll ein Naherholungsgebiet entstehen. Die Pläne sind alt – wie auch die Einwände dagegen.

Von Annechristin Kleppisch

Der Blick ist einmalig. Über die Felder, die nach dem Winter brachliegen, zu den Backsteinbauten auf dem TU-Campus, zu den Türmen der Stadt, die von der Sonne in warmes Licht getaucht werden, bis zu den Hängen im Norden. Der Blick auf Dresden von den Feldern nördlich der Kohlenstraße ist ein Genuss. Aber nur für die Augen. Denn wirklich bequem ist der Spaziergang über Trampelpfade, durch wild wuchernde Wildnis, Felder und Matsch nicht.

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Das soll sich ändern, fordert die Dresdner SPD. Aus den Hängen zwischen Kohlen- und Nöthnitzer Straße soll ein Naherholungsgebiet werden, ein Park zum Spazieren, Ausruhen, für Freizeit und Sport. „Der Süd-Park würde das Arbeitsumfeld für den TU- und Technologie-Campus verbessern und das Wohnumfeld aufwerten“, sagt SPD-Stadtrat Albrecht Pallas. Schon im März soll der Ortsbeirat Plauen über den Antrag entscheiden, wonach sich die Stadtverwaltung für den Süd-Park einsetzen soll.

Dort sind die Pläne allzu gut bekannt. Denn schon in den 90er-Jahren wurde über den sogenannten Süd-Park diskutiert. Der Bebauungsplan „Nummer 40, Dresden-Räcknitz Nummer 1, Südpark“ wurde bereits 1990 gefasst. „Ziel war die Schaffung von Sonderbauflächen, die der Erholung dienen“, sagt Baubürgermeister Jörn Marx (CDU). Das gelte auch heute noch. Doch konkrete Pläne oder gar ein Konzept gibt es bisher nicht. „Eine Aufwertung mit Freizeitangeboten und Erholungspotenzial ist zwar seit Jahren angedacht, aufgrund fehlender Mittel jedoch planerisch nie untersetzt worden“, sagt er.

Dieses Problem sieht Albrecht Pallas nicht. Die SPD schlägt vor, die Flächen mit dem Geld aufzuwerten, das als Ausgleich bei anderen Bauprojekten in der Stadt gezahlt wird. Bäume und Grünflächen, die für Straßen- und Wohnungsbau verschwinden, sollen dann im Süd-Park neu gesetzt und angelegt werden.

Die Anwohner würden sich über den neuen Park freuen. „Der Bedarf ist da“, sagt Bijan Djawid von der Interessengemeinschaft Wohngebiet südlich des Campus. Schon jetzt gehen die Anwohner dort gern spazieren oder sind mit dem Hund unterwegs. Sogar Rehe und seltene Vogelarten könne man dort sehen, sagt er. Die Anwohner sind aber auch noch aus einem anderen Grund für das Vorhaben. „Die Sorge ist groß, dass der Südhang irgendwann komplett zugebaut ist“, sagt er.

Derzeit plant die Stadt bereits ein neues Baugebiet in erster und zweiter Reihe entlang der Nöthnitzer Straße. Die Flächen dort sollen für neue Wissenschaftsbauten reserviert sein und der TU Dresden zur Erweiterung dienen. Froh sind die Südvorstädter darüber nicht. Seit Monaten fordern sie ein Mitspracherecht bei den Erweiterungsplänen und wollen dabei auch möglichst viel Freiraum erhalten.

Den sieht die Stadt nicht gefährdet. Sämtliche Pläne, an denen derzeit gearbeitet wird, stellen die in Rede stehenden Flächen des Süd-Parks überwiegend als Grün- und Freiraumflächen dar, sagt Jörn Marx. Als diese würden sie auch erhalten bleiben. Ob darüber hinaus weiter in den Ausbau mit Wegen, Bänken und Sportgeräten investiert wird, bleibt offen. Bijan Djawid ist skeptisch. Auf einen neuen Park hoffen will er nicht.

Albrecht Pallas ist optimistischer. „Wir haben jetzt die Chance, planerisch eine Entscheidung für den neuen Park zu treffen“, sagt er in Hinblick auf die aktuellen Verhandlungen zum Flächennutzungsplan in der Stadt. Die solle dabei nicht der einzige Investor sein. Auch die Anwohner sind gefragt. Vorstellbar sei dabei auch, Flächen zur individuellen Bewirtschaftung durch die Dresdner freizugeben.