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Ein neues Feuerwehrhaus für Obergurig

Lange hat die Gemeinde nach einer Lösung gesucht. Jetzt gibt es Ersatz für das alte Depot. Die Zustände dort waren schon länger nicht mehr haltbar.

Erst wurde lange nach einem geeigneten Standort gesucht. Jetzt laufen die Bauarbeiten und Obergurigs Bürgermeister Thomas Polpitz kann der freiwilligen Feuerwehr Obergurig-Großdöbschütz vermutlich schon im November ihr neues Domizil übergeben.
Erst wurde lange nach einem geeigneten Standort gesucht. Jetzt laufen die Bauarbeiten und Obergurigs Bürgermeister Thomas Polpitz kann der freiwilligen Feuerwehr Obergurig-Großdöbschütz vermutlich schon im November ihr neues Domizil übergeben. © SZ/Uwe Soeder

Obergurig. Wenn Not am Mann ist, packt der Bürgermeister schon mal selbst mit an. So, wie in dieser Woche, als auf der Baustelle für das neue Depot der freiwilligen Feuerwehr Obergurig-Großdöbschütz vier Bauarbeiter sich redlich mühen, verdrahtete Gitter zur Verstärkung der Bodenplatte voneinander zu trennen. Thomas Polpitz (CDU) entdeckt die rettende Zange als erster, eilt den Männern zu Hilfe, bevor er beginnt zu erklären.

Das bisherige Feuerwehrgerätehaus der Ortswehr an der Drohmbergstraße in Großdöbschütz, sagt er, sei ungünstig gelegen, zudem dauere es aufgrund der schmalen Ausfahrt lange, das Einsatzfahrzeug in die Halle hinein- und wieder hinauszumanövrieren. Wegen der Enge innerhalb der Fahrzeughalle seien die Kameraden bislang gezwungen gewesen, erst vor dem Depot in das Einsatzfahrzeug zu steigen. Dass die Argumente nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt ein Ausflug zu dem versteckt liegenden Gerätehaus, zu welchem man erst gelangt, wenn man die schmale, sich durch eine Wohnsiedlung schlängelnde Drohmbergstraße durchquert hat.

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Weil das alte Depot offensichtlich nicht mehr normgerecht genutzt und nur noch mit einer Sondergenehmigung überhaupt betrieben werden kann, sah die Gemeinde bereits vor Jahren dringenden Bedarf, die Situation für die Kameraden zu verbessern. Die Suche nach einem geeigneten Standort aber gestaltete sich schwierig. "Seitdem ich Bürgermeister bin, haben wir immer einen vernünftigen Platz gesucht", erinnert sich Thomas Polpitz, der sein Amt im Jahr 2007 antrat.

Kein Gebäude von der Stange

In dieser Zeitspanne, erzählt er weiter, sei sogar überlegt worden, Teile eines  Feldes an der Hainitzer Straße in Großdöbschütz auszugliedern und dort neu zu bauen. "Dafür hätten wir aber erst Baurecht schaffen müssen. Das wäre ein riesen Verwaltungsakt geworden und hätte die Lösung des Problems noch weiter hinausgezögert."

Als sich daher 2017 für die Gemeinde die Gelegenheit bot, das Gebäude des ehemaligen Landwarenhandels an der Hainitzer Straße zu erwerben, fackelte die Verwaltung nicht lange und nutzte die Chance. Rund 50.000 Euro war ihr die Immobilie wert. Thomas Polpitz erzählt die Historie des neuen Standortes für das Feuerwehrdepot so: "Zu DDR-Zeiten war das ehemalige Landwarenhaus eine gute Adresse. Der Ort ist absolut positiv besetzt und über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt." Nach der Wende, erzählt Polpitz weiter, sei einige Jahre ein Futtermittelhandel dort untergebracht gewesen. Als der sein neues Domizil in der Pink-Mühle bezogen habe, sei das Gebäude für den Ankauf durch die Gemeinde verfügbar gewesen.

Obergurig entschied sich daraufhin gegen ein Feuerwehrdepot von der Stange. Beschlossen wurde stattdessen, in dem Altbau den Sozialtrakt mit Sanitärbereichen, dem Aufenthaltsraum und dem Büro für den Wehrleiter unterzubringen. Eine neu gebaute Fahrzeughalle mit Platz für zwei Einsatzfahrzeuge ergänzt das Ensemble nach der Fertigstellung.

Im ehemaligen Landwarenhandel (r.) wird der Sozialtrakt des neuen Feuerwehrgerätehauses untergebracht. Über eine Schleuse gelangt man von dort in die neue Fahrzeughalle. Zwei Einsatzfahrzeuge haben dort Platz.
Im ehemaligen Landwarenhandel (r.) wird der Sozialtrakt des neuen Feuerwehrgerätehauses untergebracht. Über eine Schleuse gelangt man von dort in die neue Fahrzeughalle. Zwei Einsatzfahrzeuge haben dort Platz. © Visualisierung: Gemeindeverwaltung

Nach ersten Schätzungen rechnete die Gemeinde mit etwa 650.000 Euro an Baukosten. Im Rahmen einer Fachförderung unterstützten Landkreis und Freistaat das Vorhaben mit einem Betrag von 350.000 Euro. Im Februar dieses Jahres begannen die Bauarbeiten. Die Fertigstellung ist bereits für Anfang November dieses Jahres geplant. 

Wermutstropfen für die Gemeindeverwaltung unter Thomas Polpitz: "So wie es bis jetzt aussieht, rechnen wir mit Kosten in Höhe von rund 950.000 Euro. Das ist natürlich eine Menge Holz, aber so sind nun einmal inzwischen die Preise", sagt er fast entschuldigend. 600.000 Euro - so hoch ist der Eigenanteil, den die 2.000-Seelen-Gemeinde nunmehr allein stemmen muss.

Das Geld dafür werde man aus dem eigenen Haushalt nehmen. Ein Kredit sei nicht notwendig, so Thomas Polpitz zum Finanzierungsmodell. Aber man werde sich beispielweise vom bisher als Feuerwehrdepot genutzten Gebäude an der Drohmbergstraße trennen, um die Summe aufzubringen. "Der Erlös wird natürlich nur ein Bruchteil dessen sein, was wir brauchen", sagt Polpitz.

Zwei Minuten eher am Einsatzort

Dafür können sich die Kameraden der Feuerwehr Obergurig-Großdöbschütz nach Fertigstellung auf beste Bedingungen freuen: Zwei separate Eingänge mit Stellplätzen sind an der Hainitzer Straße geplant. Die Anfahrt der Einsatzkräfte lässt sich so ohne gegenseitige Behinderungen gestalten. Für die Technik der Wehr gibt es ausreichend Lagerplatz, und das Fahrzeug der Feuerwehr kann bequem aus dem Depot hinaus und wieder hinein gefahren werden. Mit bis zu zwei Minuten weniger Ausrückezeit rechnet Thomas Polpitz infolge der neuen Gegebenheiten. Auf eines aber freut er sich besonders: "Als Gemeinde im sorbischen Siedlungsgebiet werden wir das neue Gerätehaus zweisprachig beschriften."

Den Neubau begreift er auch als Motivation für die Kameraden, die Polpitz als "verhältnismäßig junge, dufte und schnelle Truppe" beschreibt . Er hofft, mit dem modernen Neubau vielleicht den einen oder anderen Einwohner zusätzlich für dieses Ehrenamt zu begeistern.

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