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Ein Projekt für zwei Kirchen

Mit EU-Mitteln sollen die Gotteshäuser in Petrovice und Lückendorf saniert werden. Aber das ist nicht so einfach.

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© SZ Thomas Eichler

Von Rolf Hill

Es ist ein langer Weg, bevor die 2015 geborene Idee von der Rettung der beiden Kirchen in Lückendorf und dem unweit gelegenen Petrovice (Petersdorf) umgesetzt werden kann. Mithilfe eines grenz- und vor allem auch konfessionsübergreifenden EU-Projekts könnte das nun geschehen. Beide Kirchen müssen saniert werden. Nun hoffen beide Orte dafür auf Geld von der EU und wollen das mit einem gemeinsamen Förderantrag bekommen. Doch die Zeit drängt. Und nachdem man auf tschechischer Seite anfangs schneller vorangekommen ist als auf deutscher, nimmt nun auch in Lückendorf die Entwicklung an Fahrt auf.

Zwei Kirchen, dieselben Probleme: Die beiden Kirchen in Petrovice (links) und Lückendorf sind baufällig und müssen saniert werden. Beide Orte hoffen dafür auf Geld von der EU und wollen das mit einem gemeinsamen Förderantrag bekommen. Fotos: Thomas Eichle
Zwei Kirchen, dieselben Probleme: Die beiden Kirchen in Petrovice (links) und Lückendorf sind baufällig und müssen saniert werden. Beide Orte hoffen dafür auf Geld von der EU und wollen das mit einem gemeinsamen Förderantrag bekommen. Fotos: Thomas Eichle © SZ Thomas Eichler

Natürlich ist man in der Vergangenheit auf beiden Seiten der Grenze in Sachen Kirchensanierung nicht untätig gewesen. Der ersten gemeinsamen Zusammenkunft im Dominikanerkloster von Jablonné v Podještedi (Deutsch Gabel) folgten weitere. Trotz aller bisher erzielten Übereinstimmungen scheint aber die Überwindung gewisser Vorurteile nur zaghaft zu gelingen.

Für eine ziemliche Überraschung sorgte der Lückendorfer Architekt Detlef Grösel, der eine durch ihn erstellte umfangreiche und fundierte Dokumentation zur Dreifaltigkeitskirche Petrovice vorlegte. Ausgehend von den historischen Gegebenheiten wies er darin nach, dass es zwischen dem Bau beider Gotteshäuser durchaus gewisse Parallelen gab, wenngleich sich daraus mitunter auch eine Konkurrenzsituation ergab. So geht aus einer Chronik der Lückendorfer Kirchen aus dem Jahre 1839 hervor, dass die Gemeinde zwar bereits 1589 das Material und den Bauplatz hatte, „Doch es wussten die Dominikanermönche zu Gabel diesen Bau zu verhindern; und es mussten 100 Jahre vergehen . . .“, hieß es damals. Inzwischen war Lückendorf sächsisch geworden, und Kurfürst Johann Georg III. erteilte am 17. September 1689 endlich die Baugenehmigung.

Das Gotteshaus in Petrovice wurde nach Grösels Meinung als Barockbau errichtet. Besonders deutlich werde das bei der Ansicht vom Haupteingang des Gotteshauses, also von der Westseite her. Die feingliedrige filigrane Bauart weise deutlich auf eine Planung und Ausführung zwischen 1700 und 1730 hin. Es sei durchaus möglich, dass der damals in ganz Europa bekannte Architekt des Klosters in Jablonné v Podještedi, Johann Lukas von Hildebrandt, auch hier mitwirkte. Große Bedeutung komme auch den Ausmaßen der barocken Kirche zu. So entspricht die Höhe des Turmes mit 27 Metern genau der Länge, also der West-Ost-Ausdehnung des Gebäudes. Das bestätige ebenfalls seine Theorie, so Grösel.

Doch damit sei noch nicht genug der neuen Erkenntnisse, wie Detlef Grösel berichtet. „Auf der Unterseite des zum Glück erhalten gebliebenen Taufbeckens fanden wir die Inschrift: ,Franz Reinelt, Zinngiessermeister in Markersdorf, gebaut den 11. April 1834.’ In Lückendorf lebt noch heute ein hochbetagter Verwandter dieses Franz Reinelt, der selbst aus Ringelshain, dem heutigen Rynoltice, stammt“, sagt der Architekt. Dieser habe die Existenz der Zinngießerei in Markersdorf, schon damals im Ortsteil von Deutsch Gabel, bestätigt.

Im zweiten Teil der Dokumentation liefert Grösel eine mit detaillierten Fotos und Bauskizzen untersetzte Bestandsaufnahme. Mit einem möglichen Voranschlag der Gesamtkosten, aufgeschlüsselt nach einzelnen Positionen, sowie einem Entwurf für die eventuelle Neu- und Weiternutzung des Gotteshauses in Petrovice schließt Grösel das Ganze ab. Damit, so war man sich einig, steht der römisch-katholischen beziehungsweise tschechischen Seite, die zweifellos als Leadpartner des Projekts fungieren wird, bereits die entscheidende Grundlage für den Antrag zur Verfügung.

So sehen es wohl auch die anwesenden Vertreter der evangelisch-lutherischen Kirche Löbau-Zittau. Und sie unternahmen ihrerseits nun einen erfolgversprechenden Schritt. Der zuständige Pfarrer Christian Mai setzte kürzlich den Lückendorfer Baufachmann Grösel auch für die von ihm vertretene deutsche Seite als bevollmächtigten Administrator ein. Dessen Kommentar: „Jetzt muss ich mich also kümmern. Na, da kann’s ja losgehen.“