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Ein schwachsinniger Vorschlag

über die Idee, eine Europaliga zu gründen

Daniel Klein

Wer in einer anderen Liga spielt, kann auch gleich eine eigene Liga gründen: die 16 bis 20 Topklubs Europas vereint in der Europaliga. Klingt gut, ist aber totaler Schwachsinn. Der Vorschlag geistert immer mal wieder durch die Medien. Zuletzt befeuerten ihn Aurelio de Laurentiis, der Präsident des SSC Neapel, und der einstige Torwart-Titan Oliver Kahn. Laurentiis ist nebenbei noch Filmproduzent, ein Streifen von ihm heißt übersetzt „Goldene Hoden“, von Kahn ist seine Forderung „Wir brauchen Eier“ in Erinnerung.

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Das ist die gute Nachricht an der schlechten Idee: Da die Absender bisher nicht gerade als fußballerische Vordenker aufgefallen sind, muss man sich keine Sorgen machen, dass ihr Vorschlag ernst genommen wird. Zugrunde liegt ihm die Sorge, dass einige wenige Klubs die nationalen Ligen dominieren – so wie zuletzt die Bayern und Dortmund die Bundesliga. Und es somit langweilig wird.

Die Einführung einer Europaliga würde jedoch bedeuten, die Bundesliga abzuwerten. Es wäre ihr Todesurteil. Hauptsächlich wegen München und Dortmund zahlen die TV-Sender ARD und Sky doch jährlich 600 Millionen Euro. Eine nationale Liga lebt auch vom Lokalkolorit, von der Tradition, der Rivalität, den Derbys. Und von der Möglichkeit, dass die Kleinen die Großen schlagen können. Wenn die Großen aber woanders spielen, wird es erst recht langweilig.

Außerdem gibt es die Europaliga doch schon. Nein, gemeint ist nicht die unsägliche Euro League, die kaum einen interessiert, sondern die Champions League. Dort treffen nach der Winterpause im Achtelfinale die besten Mannschaften aus den Topligen aufeinander. Wozu dann also noch eine Europaliga?