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Ein seltener Stammgast an der Heidemühle

Aus einem zutraulichen Hirsch wurde letzten Endes eine Plage, erzählt man sich in der Heide.

Von Siegfried Bannack

Im Jahre 1881 entstand im Stil eines Schweizerhauses die Gaststätte Heidemühle an der Radeberger Straße. Der einstige Weg durch die Dresdner Heide war 1840 zur Straße ausgebaut worden und ist die direkte Verbindung zwischen Dresden und der Stadt Radeberg.

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Tüchtig und umtriebig, wie Wirtsleute seit eh und je sind, um Gäste anzulocken, ließen sie sich einiges einfallen. Manchmal kam ihnen dabei der Zufall zu Hilfe, so wie in der Heidemühle. Hier gab es – das belegt das historische Foto – einen außergewöhnlichen Gast, einen stattlichen Zehnender. Der hatte die ihm angeborene Scheu vergessen und sich an einem Frühlingstag im Jahre 1914 zu einem Stelldichein mit dem Heidemühlen-Wirt und seiner Gattin, dem Haushund „Dolly“ und der Hausmieze eingefunden.

Vermutlich hat ihn der Hunger aus dem Wald in die menschlichen Behausungen getrieben. Bereits im vorangegangenen Jahr hatte er das Futter des Geflügels auf der gegenüberliegenden Seite der Radeberger Straße als seins angesehen und aufgefressen. Schließlich streuten ihm die Besitzer regelmäßig Futter vor dem Hauseingang hin. Und so erschien der Hirsch zweimal am Tage, um wie die Ausflügler und Touristen Erfrischung und Stärkung in der damals noch idyllischen Heidemühle zu finden.

Angriff auf den Wirt

Einmal jedoch war er wohl zu früh gekommen oder das Ausschütten des Futters war vergessen worden. Der Futtereimer stand noch auf der Treppe zum Hauseingang. Weil der Hirsch sich nicht traute, dem Eimer näher zu kommen, forderte der Wirt das Hausmädchen auf, den Eimer an der bekannten Stelle auszuschütten. Sie lehnte dies aus berechtigter Furcht ab.

Daraufhin wollte der Wirt selbst den Eimer entleeren. Im gleichen Augenblick wurde diese Absicht von dem Hirsch missverstanden und der Wirt wurde von dem kräftigen und gut bewaffneten Tier attackiert. Eine glücklicherweise nur leichte Handverletzung zeugte davon, dass auch in der Tierwelt Futterneid und Egoismus krasse Formen annehmen können.

Schutz für den Plagegeist

Zuletzt soll sich der Hirsch „Hans“, wie er damals genannt wurde, auch noch zu nachtschlafender Zeit an der Heidemühle eingestellt haben. Er klopfte, so erzählt man sich, mit dem Geweih an Fenster und Tür und machte seinen Anspruch auf sein Gastrecht geltend. Da er, wie bekannt war, sogar königlichen Schutz genoss, galt es als ungebührlich, diesen Plagegeist zu verjagen. Wegen eines Laufleidens, an dem er litt, soll es auch nicht erlaubt gewesen sein, ihn bei der Jagd zu erlegen.