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Ein Traum in Trümmern

Kein Privatmann wurde so stark von der Schlammflut in Meißen getroffen wie Fritjof Möckel. Er sieht sich im Stich gelassen.

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© Claudia Hübschmann

Von Christoph Scharf

Die frühere Wassermühle von Fritjof Möckel ist in mehrfacher Hinsicht ein Sonderfall. Dort – direkt unterhalb der Hohen Eifer – war die Strömung der Wasser- und Schlammlawine so stark, dass sie Wände im Kellergeschoss umwarf. Dort hat allein ein einziger Privateigentümer Schäden, die vom Gutachter auf weit über 200 000 Euro beziffert werden. Dort stand das Wasser noch immer im Grundstück, als alle anderen im Triebischtal schon am Putzen waren. Denn das Grundstück hat eine Besonderheit: Dort kommt das Wasser sehr schnell her, wenn der Kirchsteigbach erst einmal die Massen nicht mehr fasst. Es findet aber keinen Weg, wieder abzufließen. – Das liegt weniger am Baudenkmal selbst, das seit fast 500 Jahren an derselben Stelle steht. Tatsächlich wurde seitdem aber mehrfach das umliegende Areal angehoben – zuletzt etwa der Parkplatz für den auf der Rückseite angrenzenden Netto-Markt. „Der wurde einfach einen Meter höher gemacht, ohne auf mein Grundstück Rücksicht zu nehmen“, sagt der 56-Jährige, der schon als Lehrer, Journalist oder beim Aufbau von Solarprojekten gearbeitet hat und sich mit der Sanierung und dem Ausbau der einstigen Mühle eigentlich eine Altersvorsorge schaffen wollte.

Doch dieser Traum stand binnen einer Viertelstunde 2,50 Meter unter Wasser. Denn auch der alte Mühlgraben war längst nicht mehr dafür geeignet, das Areal zu entwässern. „Von diesem Problem hat mir aber keiner was gesagt, als ich das Grundstück 2010 von der städtischen Wohnungsgesellschaft kaufte“, sagt Fritjof Möckel. Und ein mögliches schlechtes Gewissen bei der Stadt hält er auch für einen Grund, warum Meißens OB bis heute nicht bei ihm vorbei geschaut hat. „Die einzige öffentliche Unterstützung bislang habe ich von der Denkmalpflege bekommen – und von Bauamtsleiter Dirk Herr, der sich um Helfer für mich kümmerte.“

Zu den finanziellen Rückschlägen kommt die Sorge, dass sich das Ereignis jederzeit wiederholen könnte. Die landwirtschaftlichen Großbetriebe würden oberhalb des Triebischtals weiter machen wie bisher. Auch vom angekündigten Rückhaltebecken sei noch nichts zu bemerken. „Wäre der OB persönlich betroffen, wäre die wasserrechtliche Genehmigung vom Land wohl längst da.“ Angesichts zunehmender Extrem-Wetterlagen schwebe die Situation wie ein Damokles-Schwert über ihm. „Man kann sich nur wundern, wie viel Zeit sich die Ämter nehmen.“