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Ein Triumph über den Krebs

Die russische Tennisspielerin Kleybanowa stellte sich ohne Tränen einer Chemotherapie.

© picture alliance / dpa

Von Ulrike Weinrich

Es sind besondere Tage für Alisa Kleybanowa. Kein Wunder, die Erinnerungen kommen immer dann wieder hoch, wenn die russische Tennisspielerin in Italien weilt. Wie auch jetzt wieder bei der Niederlage im Fed-Cup-Finale gegen die italienischen Gastgeber in Cagliari. Dort war die vom Krebs geheilte Kleybanowa die große Hoffnungsträgerin des personell arg dezimierten Teams aus Russland. Doch von Druck keine Spur. Die 24-Jährige wirkt gelassen und lacht viel unter der Sonne Sardiniens. „Ich will einfach nur alles genießen“, sagt Kleybanowa – in ihrem Fall sind solche Worte keine Sportler-Phrasen.

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Ihren größten und schönsten Sieg, den hat die einstige Nummer 20 des WTA-Rankings schon längst gefeiert. Das Ergebnis des Duells auf Leben und Tod zierte über Monate ihre Homepage: Alisa Kleybanowa vs. Hodgkin-Syndrom 6:0, 6:0.

Die Deutlichkeit des Erfolges lässt kaum ahnen, wie viel Kraft die 1,81 Meter große Rechtshänderin aus Moskau der Triumph über den Krebs wirklich gekostet hat. Als Spielorte für den glatten Zu-Null-Sieg gab sie Perugia und Rom an. In den Krankenhäusern der beiden Städte hatte Kleybanowa seit Mai 2011 gegen einen bösartigen Tumor im Lymphsystem gekämpft und sich der Chemotherapie gestellt. Zwei Jahre sagt sie: „Ich bin aus dieser Schlacht als Siegerin hervorgegangen. Dass ich jetzt wieder auf dem Platz stehe, habe ich auch dem Tennis zu verdanken.“

Mit voller Kraft kämpfte sie gegen den Krebs. „Ich habe Alisa nicht ein einziges Mal weinen sehen. Aber ich konnte sehen, dass sie nach den Behandlungen Schmerzen hatte. Sie war äußerlich so schwach, aber innerlich so stark“, sagt Julian Vespan, Kleybanowas Coach. Er hatte sie damals zur Untersuchung gedrängt.

Die Russin klagte im Frühjahr 2011 wiederholt über Erschöpfungszustände. Als sich dann in ihrem Nacken ein Knoten bildete, schwante Vespan Übles. Der Rumäne musste Kleybanowa die schlimme Diagnose nach dem Check überbringen. „Ich habe gezittert, wollte das Wort Krebs nicht aussprechen, doch Alisa blieb ganz ruhig. Sie fragte: Wie bekommen wir das wieder hin?“, erzählte Vespan. Zwei Monate später informierte Kleybanowa die Öffentlichkeit – an ihrem 22. Geburtstag.

Über die Zeit, in der die Strahlentherapie ihre Haut verbrannte und sie vor Schwäche kaum stehen konnte, möchte Kleybanowa nicht viel reden. Was zählt, ist die Zukunft: „Ich bin überzeugt, mein Leben wird besser als je zuvor“, meinte die zweimalige WTA-Turniersiegerin. (sid)