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Ein Unikat aus Holz und Stahl

Seit 45 Jahren ist die Pyramide in Familienbesitz. Sie überstand so manchen Umzug und hat ein besonderes Innenleben.

Von Peter Salzmann

Ein Nostalgiker ist er wahrlich nicht. Dennoch: Wenn Ralf Czarnikow in der Vorweihnachtszeit seine Pyramide aufstellt, dann erinnert er sich an längst vergangene Zeiten und an seine Eltern. Das schmuckvolle, kunsthandwerkliche Unikat stammt von Harald Neidhart, dessen Vater im Erzgebirge heimisch war. Er bastelte, schnitzte und drechselte jedes Jahr eine seiner höchst filigranen Pyramiden manuell. Das gute Stück aus farblosem Sperrholz misst 75 mal 35 Zentimeter, hat vier Etagen. Sechs Kerzen drehen zwölf Flügel, die die Figuren und Bäume bewegen.

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Der 59-jährige Kfz-Meister verbringt das Sommerhalbjahr in Paulsdorf und hat einige Jahre am Mühlfeld unweit der Talsperre Malter gewohnt – lächelt verschmitzt: „Wenn die Pyramide als weihnachtlicher Mittelpunkt der Familie im Elternhaus anheimelnd ruhig ihre Runden drehte, dann musste aufgepasst werden, damit sie nicht zum Stillstand kam und die Flügel zu verkohlen drohten.“ Holz sei bei Temperaturwechsel anfällig, sagt er und bekennt: „Meine Eltern hatten noch Ofenheizung, sodass die Kerzenwärme nicht ausgereicht hat.“

Ralfs Eltern Gertrud und Rolf hatten die Pyramide für 180 DDR-Mark Ende der 1960er-Jahre von Neidhart erworben - ohne Figuren. Die habe die Mutter gekauft oder selbst gebastelt. So schmücken bis heute Kurrende-Sänger im Miniformat, das schlafende Christkind in einer Nussschale, bunte Knappen, Waldarbeiter, Holzweiblein, Nachtwächter und liebenswerte Tiere des Waldes die Etagenteller. Was Vater Neidhart mit der Laubsäge als kunstvolles Pyramidendekor verewigt hat, ist aller Ehren wert und verrät den Erzgebirgler mit Herz und Seele: Hase, Rehbock und Hirsch, Eichhörnchen, Fuchs und Vögel, dazu Nadelbäume und Pilze hat der Meister ins Holz gesägt.

Die Pyramide ist mehrfach umgezogen. Zunächst stand das Prachtexemplar 17 Jahre im Dresdner Elternhaus Czarnikow in der Bernhard-Wensch-Straße, nach dem Tod von Mutter Gertrud in der väterlichen Wohnung Am Kirschberg Dresden-Dölzschen, bevor das Kunstwerk Platz bei Ralf Czarnikow im Dresdner Stadtteil Gittersee fand. Er hütet und pflegt den Familienbesitz und sorgt für trockene Lagerung in einem Holzschrank. Vater Rolf - mittlerweile 96 Jahre alt – hat die Pyramide seinem Sohn zu treuen Händen 2009 übergeben. „Jedes Einzelteil wird vorsichtig in Papier gewickelt, findet Platz in einem Karton und ist noch nie zu Schaden gekommen.“

Etwa 1970 hatte Ralfs Schwester Helga ebenfalls eine Neidhart-Pyramide erworben, ähnlich der ersten, aber mit veränderten Details. Das Exemplar stand zunächst bei Helgas Schwiegereltern im Eichsfelder Dingelstädt, bevor es samt Helga nach Dresden-Weißig kam. „Meine Pyramide“, so Ralf Czarnikow, „hat ihre Besonderheiten.“ So habe er die Mittelachse aus Stahl ersetzen müssen, die auf „einer vertieften muschelartigen Pfanne lagert, damit sie nicht verkanten kann.“ Für die Halterung der 1. Etage habe er ein Teilchen eingesetzt, „das einst zu einem Grammophon gehört hat.“

Pyramiden aus dem Erzgebirge passen zu Weihnachten. Jede ist ein Kunstwerk, doch mit Laubsägearbeiten sind wahrlich nur wenige gefertigt - und die stammen alle aus der Neidhart-Werkstatt.