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Einander brauchen mit Herz und Hand

In schweren Zeiten muss man sich aufeinander verlassen können – und nicht nur an sich denken.

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Von Jörg Sirrenberg

Lieber Freund, im Leben hat es Dich ganz schön getroffen. Du kannst Erlebnisse schildern, die noch in keinem Buch stehen. Geschichten von Krankheiten, von schweren Rückschlägen, von ergebnislosen Suchen. Erfahrungen, die an Deiner Existenz nagen und die Frage aufwerfen: Wofür lebe ich? Rückblickend verlieren diese herausfordernden Lebensabschnitte ihre Härte und du siehst hoffentlich: In der für mich schweren Zeit konnte ich mich auf die Hilfe meiner Familie oder meiner Freunde verlassen. Denn das gehört zu unserer Menschlichkeit mit dazu: Wir brauchen einander. Vielleicht sagst Du nun: Nein, es gab Zeiten, da stand ich immer nur allein. Keiner hat mir geholfen. Alle sagten, ich wäre selbst schuld an meiner Situation. Das schmerzt noch heute. Lieber Freund, wenn Du das erlebt hast, wirst du wohl erst recht jetzt sagen: Wir brauchen einander! Und wenn jemand in Not ist, soll er Hilfe erhalten – und sei es nur von einem Freund.

Wir kennen uns noch nicht persönlich und doch spüre ich deutlich: Du brauchst unsere Hilfe – um Deine Lebenserfahrungen mitzuteilen, um selbst wieder zu einem normalen Leben mit Würde und Ehre zu finden. Manche in unserer Gesellschaft sagen, Du missbrauchst unser Asylrecht. Sie sagen es, weil sie Angst haben, sie selbst würden zu kurz kommen. Sie sagen es, um Angst zu schüren. Sie machen das professionell – viele gehen ihnen auf den Leim. Das gehört zu unserer Menschlichkeit nicht mit dazu – nur an sich zu denken.

Die meisten haben vergessen: In schweren Zeiten brauchen wir einander. Im Grunde ist das so einfach – doch leider denken manche nur an sich. Einige Reiche schleusen ihr Finanzvermögen an der Steuer vorbei und ein paar Arme verlassen sich zu sehr auf den Staat, von dem sie leben, ihn aber selten genug unterstützen. Wenn Du dann hier bist, wirst du das alles mit eigenen Augen sehen können. Doch hoffe ich und wünsche es Dir, dass diejenigen, denen das Miteinander wichtiger ist als das Gegeneinander, deutlich in der Mehrzahl sind. Zur Menschlichkeit gehört es eben mit dazu: Wir brauchen einander. Und gerade Menschen wie Du, die in Not sind und so viel Schweres durchgemacht haben, sollen Freunde an ihrer Seite finden, die sie auf dem schweren Stück des Lebensweges begleiten. Dann singen wir ein Lied: „Einander brauchen mit Herz und Hand, gemeinsam weben ein buntes Band.“