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Eine Familie tanzt

In der aktuellen Inszenierung der KuFa-Tanzcompagnie Hoyerswerda findet sich fünf Mal der Name Mietzsch.

Von Mirko Kolodziej
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Jasmin, Judith und Juliane Mietzsch (von links nach rechts) halten Bruder Julian – Mutter Barbara behält dabei die Übersicht. Alle fünf gehören zu den KuFa-Tänzern.
Jasmin, Judith und Juliane Mietzsch (von links nach rechts) halten Bruder Julian – Mutter Barbara behält dabei die Übersicht. Alle fünf gehören zu den KuFa-Tänzern. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Das Plakat zum aktuellen Stück der Tanzcompagnie der KulturFabrik Hoyerswerda zeigt, das kann man so sagen, eine Fratze. In „Hoy! is‘ wer da?“ geht es um Einsamkeit. Per Kunst lässt sie sich personifizieren. Auf dem Plakat abgebildet ist ihr trauriges Gesicht. In diesem Fall handelt es sich um eine ziemlich teure Theatermaske. Für das Foto posiert hat ein junger Tänzer, der persönlich mit Einsamkeit wenig am Hut hat. Der 17-jährige Julian Mietzsch gehört nicht nur zur Gemeinschaft der Tänzer, sondern ist auch der Jüngste in einer großen Familie. Wobei das in diesem Zusammenhang kein Unterschied ist.

Mit Gummibändern verbunden

„Das ist eine tolle Familie“, schätzt „is‘- wer-da?“-Choreograph Stéphane Le Breton ein. Er weiß das, weil fünf von insgesamt sechs Mietzschs an diesem Wochenende mittanzen. Es war Julians Schwester Juliane, die 2010 gleich im ersten Stück der Reihe „Eine Stadt tanzt“ mitwirkte. Es war das Jahr ihres Abschlusses am Lessing-Gymnasium und die Schule damit nicht mehr ganz so fordernd. „Ich hatte Zeit und es war eine schöne Abwechslung“, sagt sie. Ganz fremd war das Metier auch nicht. Am Lessing-Gymnasium war sie Mitglied der Jazztanzgruppe von Lehrerin Inge Bormann. Als Nächste machte Schwester Jasmin mit, gefolgt von Julian und Schwester Judith. „Ich habe angefangen als Chauffeurin“, lacht Mutter Barbara Mietzsch. Sie habe die Kinder zum Tanz-Training gefahren: „Und da habe ich gedacht, da kann ich auch gleich mitmachen.“ Und so waren die fünf in wechselnden Besetzungen Bestandteil aller bisherigen Stücke der Tanzcompagnie. Voriges Jahr im „Manifest!“ standen sie erstmals alle fünf auf der Bühne. Einzig Ehemann beziehungsweise Vater Michael ist nicht mit von der Partie. Aber er nimmt Anteil, wird sich die Inszenierung im Bürgerzentrum am Wochenende natürlich ansehen. Stéphane Le Breton hat sich für das neue Stück eine Reihe tänzerischer Portrait-Szenen ausgedacht. Die Mietzschs werden dabei durch Gummibänder weniger aneinandergefesselt, sondern mehr miteinander verbunden sein. „Die Szene heißt auch Familienbande. Sie zeigt die Verbindungen, die Familienmitglieder haben, die elastisch sind, manchmal auch eine Fessel sein können“, erklärt der Choreograph. Die Idee hinter der Darstellung: Hier hat jede Bewegung, die Einer oder Eine macht, Auswirkungen auf alle anderen.

Die Mietzschs sagen, mitunter würde man sich über sie wundern. „Viele sagen, dass wir so harmonisch seien und es keinen Streit gibt“, beschreibt Judith. Ihre Mutter lächelt: „Ja, in Großfamilien muss man einfach tolerant sein.“ Humor hilft dabei, meint Jasmin:: „Es fallen schon öfter mal Worte, die man nicht so ernst nehmen sollte.“ Andererseits hat natürlich auch jedes Familienmitglied ein eigenes Leben. Es gibt deshalb diesen großen Kalender mit sechs Spalten, über den das Familienleben koordiniert wird. Es ist also kein Wunder, dass es ein gemeinsames Tanz-Training zu Hause tatsächlich nicht gibt. „Dazu müssten wir mehr Platz haben und alle zum selben Zeitpunkt zu Hause sein“, sagt Julian.

Schwester Juliane findet an der Tanzcompagnie unter anderem gut, dass es jedes Mal neue Herausforderungen gibt. Die Beschäftigung mit der Einsamkeit als Phänomen, das sicher viele Hoyerswerdaer trifft, deren Familienmitglieder oder Freunde weit entfernt leben, gehört dazu.

Gemeinschaft auch beim Tanz

Denn es ist nichts, was im Hause Mietzsch eine Rolle spielen würde. Juliane erzählt, dass die Tänzer für eine Szene Fotos von Menschen mitbringen sollten, die sie vermissen: „Da ist mir niemand eingefallen.“ Die Familie ist in Hoyerswerda und die Freunde sind dank elektronischer Hilfsmittel virtuell eigentlich ständig in der Nähe.

Auch, wenn das traurige Gesicht der Einsamkeit vielleicht nicht unbedingt einladend wirkt: „Man kann trotzdem positiv gestimmt aus der Vorstellung gehen“, verspricht Julian Mietzsch. Denn im Grunde sind Projekte wie die Tanzcompagnie das nötige Gegenmittel. „Mir gefällt dieses große Gemeinschaftsgefühl“, so der 17-Jährige. Und das solle auch dargestellt werden.

„Hoy! is‘ wer da? - Premiere am Freitag ausverkauft, weitere Vorstellungen am Sonnabend (14, 17, 20 Uhr) sowie am Sonntag (15 Uhr und 18 Uhr)