merken
PLUS

Meißen

Eine Hobbit-Siedlung in Meißen

Erdhügelhäuser könnten die Lösung für die Bebauung am Kapellenweg sein. Eins gibt es schon in der Stadt.

Nur die rötliche Fassade verrät das Haus im Hintergrund. Der Meißner Unternehmer Ingolf Brumm war mit dem Bau des Erdhügelhauses beauftragt. Solche Gebäude kann er sich auch für den Kapellenweg vorstellen.
Nur die rötliche Fassade verrät das Haus im Hintergrund. Der Meißner Unternehmer Ingolf Brumm war mit dem Bau des Erdhügelhauses beauftragt. Solche Gebäude kann er sich auch für den Kapellenweg vorstellen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Wohnen wie die Hobbits, vielen bekannt aus der Film-Trilogie „Herr der Ringe“: Ist das auch in Meißen denkbar? Ja, sagt Stadtrat und Bauunternehmer Ingolf Brumm und verweist auf das erste Erdhügelhaus in der Porzellanstadt. Er selbst hat es vor etwa zehn Jahren gebaut. 

Unauffällig schmiegt sich das Einfamilienhaus mit etwa 130 Quadratmeter Fläche der Landschaft an. Wenn man auf dem Friedhof an der Martinskapelle am Kapellenweg Richtung Albrechtsburg schaut und seinen Blick nach links wendet, entdeckt man wenige Meter entfernt ein unscheinbares Gebäude mit einem begrünten Dach, in den Felsen gebaut. Glaskuppeln sorgen für natürliches Licht im Gebäude.

Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie

Die Apotheke, Drogerie und der Lebensmittelhandel haben in der Elbgalerie weiterhin für Sie geöffnet und freuen sich auf Ihren Besuch.

Diese Art der Bebauung kann sich Brumm hervorragend für die geplanten Häuser auf dem ehemaligen Grundstück von Otto Horn zwischen Kapellenweg und Plossenweg vorstellen. Zwar ist es seit etwa einem dreiviertel Jahr ruhig um den Wohnungsbau an dieser Stelle geworden, aber dieses Jahr, so glaubt Brumm, wird es wieder ein Thema im Stadtrat werden.

Der freie Blick zur Burg (rechts) aus mehreren Himmelsrichtungen – einst Meißens Aushängeschild. Mit der Bebauung am Kapellenweg könnte auch dieser Blick verloren gehen.
Der freie Blick zur Burg (rechts) aus mehreren Himmelsrichtungen – einst Meißens Aushängeschild. Mit der Bebauung am Kapellenweg könnte auch dieser Blick verloren gehen. © Claudia Hübschmann

Große Aufregung gab es 2019 wegen der geplanten Häuser, die wie Würfel aussehen sollten. Aber auch der spätere Vorschlag der Meißner Wohnungsgesellschaft Seeg sei laut Brumm nicht konform mit der Gestaltungssatzung, die Anfang der 90er Jahre als Richtlinie für die Bebauung in Meißen erstellt worden ist, erklärt der Meißner Bauunternehmer.

Ganz wichtig sind demnach die Blickbeziehungen, „der Blick zur Burg und der Blick von der Burg aus.“ Auch die klare Gliederung von Fassade und Dach sei festgelegt. So seien riesengroße Glasfassaden, wie sie beispielsweise in den Wintermonaten vom Kapellenweg aus am Sankt-Afra-Gymnasium gut zu sehen sind, nicht konform mit der Baurichtlinie. Und auch Flachdächer seien in Meißen nicht erlaubt.

„Mein Anliegen ist es als Meißner, das Stadtbild zu erhalten“, dabei ist Brumm klar, dass sich eine Stadt weiterentwickeln muss. Aber gerade für die Ausblickspunkte, für die Meißen einst berühmt war, sollte gekämpft werden. „Man hatte früher von allen Himmelsrichtungen aus einen Blick auf die Stadt.“

Ein solcher Aussichtspunkt könnte am Kapellenweg wieder gebaut werden. Und mit einer Hobbit-Haus-Siedlung könnte weiterer Wohnraum geschaffen werden – ohne das Stadtbild zu verändern. Denn von der Burg aus wären die Erdhügelhäuser nicht zu sehen. Diese würden zwar auch nicht der Baurichtlinie entsprechen, aber darauf will der Meißner nicht beharren, wenn es gute Alternativen gibt, die das Gesamtbild nicht beeinträchtigen: „Es ist eine Kompromissidee.“

Die Dächer der bis zu zehn Hobbit-Häuser, die am Kapellenweg Platz hätten, würden gerade einmal so hoch sein wie die Straße. Zudem haben sie einen weiteren Vorteil: Sie sind energiesparend. Und auch nicht dunkel, erläutert Brumm. Denn die im Dach eingelassenen Glaskuppeln lassen genügend Licht in die Zimmer fallen. Zudem bieten sie einen phänomenalen Blick in den Sternenhimmel, sagt Brumm. Und mit Feuchtigkeit oder gar Schimmel – wie viele meinen – gebe es überhaupt keine Probleme.

Doch neben der Wohnbebauung sollte nach Brumms Vorstellung an dieser Stelle unbedingt auch eine Aussichtskanzel gebaut werden, „mit einem kleinen Weinausschank.“ Und noch einen Wunsch äußert Ingolf Brumm mit einem Augenzwinkern: „Dann bauen hoffentlich ein paar gut betuchte Anwälte hier, die gegen den Plossen klagen.“ Genau in diesem Moment seiner Aussage quält sich wieder ein Schwertransporter die enge Kurve hinauf, schafft es nicht, bleibt stehen und kämpft sich mit viel Gasgeben den Anstieg nach oben.

Wie es nun weitergeht am Kapellenweg, ist – abgesehen von der Bauweise – auch noch von einer anderen Frage abhängig. Denn während im vorigen Jahr alle über Fach- oder Satteldächer für die neuen Häuser diskutierten, brachte Stadtchronist und Meißens Ehrenbürger Günter Naumann das Testament von Otto Horn ins Gespräch, in dem er sein Grundstück der Stadt vererbt hatte. Allerdings mit der Einschränkung, dass sein Gelände der Öffentlichkeit zugänglich bleiben sollte.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen und Umgebung lesen Sie hier.