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Eine neue Kunstsammlung für Waldheim

In der ehemaligen DDR galt er als Design-Papst. Nun vermacht Rudolf Horn seine Bilder der Stadt Waldheim – mit Auflagen.

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© DA-Archiv/André Braun

Von Andreas Neubrand

Waldheim. Beim diesjährigen Neujahrsempfang wurde die Stadt Waldheim großzügig beschenkt. Der Maler und Designer Rudolf Horn und seine Lebensgefährtin und Malerin Christiane Jung möchten den Hauptteil ihrer Bilder der Stadt Waldheim überlassen.

„Waldheim ist nicht nur meine Geburststadt. Sondern hier habe ich auch die Menschen getroffen, die mich in meiner Jugend künstlerisch geprägt haben“, so Horn. „Bei dem Maler Martin Gebhardt habe ich im Rahmen eines freien Unterrichts gelernt, zu zeichnen.“ Doch noch bedeutender für den angehenden Künstler war die Begegnung mit dem sowjetischen Maler Alexander Neroslow. „Eines Tages schickte mich meine Mutter mit meiner Mappe voller Zeichnungen zu ihm“, erinnert sich Horn. „Der schaute sich die Bilder an und fragte mich: ,Für wen willst du das machen?’. Ich weiß nicht mehr, was ich damals geantwortet habe, aber diese Frage wurde zu meinem Leitmotiv in der Kunst.“

Aus diesen Gründen war es für Rudolf Horn klar, dass sein Vermächtnis der Stadt Waldheim gehört. Auch seine Lebensgefährtin war von dieser Idee angetan. „Christiane meinte auch, dass diese Bilder am besten nach Waldheim passen“, so Horn.

Schenkung unter einer Bedingung

Zwischen 100 und 200 Werke der beiden Künstler soll die Stadt erhalten. Dabei sollen die Bilder der beiden gleichberechtigt zu sehen sein. „Unsere Bilder gehören zusammen“, so Christiane Jung. „Sie sind zwar unterschiedlich in der Kunst, aber untrennbar im Werk.“

Allerdings erhält die Stadt die Sammlung nur unter einer bestimmten Auflage. „Wir wünschen uns einen lebendigen Umgang mit unseren Werken“, so Horn. „Also nicht, dass die Bilder später im Archiv verstauben. Dafür müssen wir sie nicht hergeben. Das können sie auch bei uns auf dem Dachboden.“ Vielmehr schwebt Rudolf Horn vor, dass die Bilder wechselnd ausgestellt werden. „Eine Ausstellung, die einmal eingerichtet wird und die dann unverändert so bleibt, lehnen wir ab“, so der Maler. „Das ist uns zu langweilig. Außerdem kommen dann die Leute nicht, wenn immer nur dasselbe gezeigt wird.“ Vielmehr wünsche er sich einen Raum, in dem im Wechsel die Bilder gezeigt werden. „Im Stadt- und Museumshaus gibt es einen großen Raum für Georg Kolbe, so etwas wird es natürlich nicht ein zweites Mal geben“, sagt er. „Aber ich kann mir vorstellen, dass unsere Bilder in Verbindung mit dem Handwerk der Stadt gezeigt werden, oder dass wir einen Raum im Rathaus erhalten. Platz gibt es da ja mehr als genug.“ Dabei sollen die Bilder nicht immer für sich selbst sprechen. „Ich wäre auch bereit, zu bestimmten Zeiten vor Ort zu sein, um mich mit dem Publikum auszutauschen“, sagt Horn. Auch Besuche im Archiv könne er sich vorstellen. „Damit die Besucher auch mal die Möglichkeit haben, hinter die Kulissen zu schauen und auch die Bilder sehen, die gerade nicht ausgestellt sind.“

Doch noch ist die Schenkung nicht in trockenen Tüchern. „Der Stadtrat muss ja erst zustimmen“, so Horn. Zudem müsste die Bedingung noch juristisch formuliert werden. „Unsere Wünsche müssen wir noch vertraglich regeln“, sagt der Künstler. „Damit unsere Kinder und Enkel jederzeit schauen können, ob die Stadt Waldheim ihren Teil des Vertrags auch wirklich einhält.“

Aber da weder er noch seine Lebensgefährtin bei der Schenkung finanzielles Interesse haben, sei er optimistisch, dass das Geschenk auch angenommen werde. „Ich habe schon angefangen, meine Bilder zu ordnen und zu katalogisieren. Allein damit werde ich die nächsten zwei bis drei Monate beschäftigt sein“, so der Künstler. Die Schenkung umfasse mehrere Maltechniken. „Von Öl über Aquarell bis hin zu Grafiken ist alles dabei“, so Horn. „Dabei umfasst das Werk eine Zeitspanne von fast 60 Jahren. Das älteste Bild ist ein Selbstporträt aus dem Jahre 1948, das jüngste Bild stammt aus dem Jahr 2016.“ Gezeigt werden soll auch die ganze Spannbreite seines Werks: von Landschaften über Stillleben, bis hin zu Porträts.

Sein ganzes Leben habe er der Kunst gewidmet, sagt Horn, der in der ehemaligen DDR Designer war, und der in dieser Zeit unter anderem den berühmten Freischwinger entworfen hat. „Auch wenn ich vom Beruf her Innenarchitekt war, die Malerei war immer ein wichtiger Teil von mir“, so Horn. „Ich kann den Designer in mir nicht von dem Maler trennen.“