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Eine neue „Wannenreise“ hat begonnen

Die Generalreparatur ist erledigt – mehr als 20 Millionen Euro wurden von O-I ins Glaswerk Bernsdorf investiert.

In knapp fünf Monaten wurden von O-I mehr als 20 Millionen Euro in das Bernsdorfer Glaswerk investiert. Das spricht für Standortsicherheit. Nach TDDK in Straßgräbchen ist O-I mit aktuell 99 Beschäftigten das von der Mitarbeiterzahl her zweitgrößte Unterne
In knapp fünf Monaten wurden von O-I mehr als 20 Millionen Euro in das Bernsdorfer Glaswerk investiert. Das spricht für Standortsicherheit. Nach TDDK in Straßgräbchen ist O-I mit aktuell 99 Beschäftigten das von der Mitarbeiterzahl her zweitgrößte Unterne © Foto: Uwe Schulz

Bernsdorf. Das zum amerikanischen Konzern Owens-Illinois (O-I) gehörende Glaswerk in Bernsdorf hat nach der Generalreparatur wieder die Produktion aufgenommen. In den zurückliegenden Monaten sind mehr als 20 Millionen Euro investiert worden, um der weltweit hohen Nachfrage nach dem nachhaltigen Verpackungsmedium Glas gerecht zu werden und Arbeitsplätze zu sichern, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Erstmalig seit der Renovierung vor fast genau zehn Jahren, als schon mal 6,5 Millionen Euro investiert worden waren, standen seit November 2019 die Maschinen still (TAGEBLATT berichtete). Am 21. November wurde mit dem Ablassen der Schmelzwanne begonnen. Damit endete eine zehnjährige „Wannenreise“. So bezeichnen Glasmacher den Zeitraum, in dem eine Schmelzwanne ununterbrochen in Betrieb ist.

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Dem Abriss folgte der Neuaufbau

Vor zehn Jahren war die Wanne lediglich neu mit feuerfest gegossenem Stein ausgekleidet worden. Diesmal erfolgte ein kompletter Abriss und Neuaufbau. Damit nicht genug: Das Gemengehaus wurde umgebaut, eine Glasmaschine rundum erneuert, eine zweite komplett neu installiert. Die Inspektionsmaschinen wurden zur Verbesserung der Qualitätssicherung aufgerüstet. Ende Februar begann das „Antempern“, die Inbetriebnahme. Eine Woche später hatten Wanne und Feeder die notwendige Temperatur, um Glas zu schmelzen. Eine neue „Wannenreise“ hat begonnen. Simultan wurde die Funktionsfähigkeit der Glasmaschinen mit Formenmaterial im sogenannten Kaltlauf überprüft. Seit Mitte März läuft wieder der Regelbetrieb. Es können durchschnittlich 400.000 Glasflaschen pro Tag produziert werden.

Im Zuge der Erneuerung der Schmelzwanne wurden unter anderem auch die Produktionsmaschinen erneuert. Durch die Investitionen haben sich sowohl die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter an den Produktionsmaschinen im Werk nachhaltig verbessert als auch die Maschinen und Anlagen an Effizienz und Wirtschaftlichkeit gewonnen, heißt es aus dem Unternehmen. An der Generalreparatur waren mehr als 200 Personen von internationalen und lokalen Firmen und dem Werksteam beteiligt.

„Die Schmelzwanne ist das Herzstück des Werkes. In ihr werden bei bis zu 1.550 Grad Celsius Glasscherben und diverse Rohstoffe eingeschmolzen. Von Montag bis Sonntag rund um die Uhr erfolgt täglich das Einschmelzen von Glasscherben. Bis zu 150 Millionen Glasflaschen werden jährlich mit dieser Wanne produziert“, verrät Thomas Twarok, Werkleiter O-I Bernsdorf, stolz. „Klar, dass dieser Prozess auch eine Schmelzwanne, die aus feuerfestem Material besteht, stark beansprucht. Aus diesem Grund wurde sie in den letzten Monaten komplett erneuert.“

Über 70 verschiedene Artikel

Das O-I-Werk in Bernsdorf verfügt über eine Schmelzwanne mit zwei Linien. 85 Prozent Recyclingglas werden zur Herstellung von über 70 verschiedenen Artikeln, hauptsächlich in der Farbe Grün und in nicht runden Formen, verwendet.

Die Stadt Bernsdorf, wo immerhin schon seit 1872 Glas produziert wird, ist einer von drei O-I-Standorten in Deutschland und von 78 Niederlassungen weltweit. Von hier aus wird vorwiegend der Spirituosenmarkt bedient. So stammt der Hauptteil der in Deutschland für Jägermeister produzierten insgesamt 15 Flaschenvarianten aus dem Werk in Bernsdorf, das nur zehn Kilometer entfernt liegt von der Jägermeister-Abfüllanlage in Kamenz. 

Zu einer Investition dieser Größenordnung gehört auch eine Einweihungsfeier. Angesichts der aktuellen Corona-Situation soll diese zu seinem späteren Zeitpunkt stattfinden.

Im Bild zu sehen ist die zweite Produktionslinie mit zwölf Stationen, an der aktuell die Ein-Liter-Jägermeister-Flasche (rotglühend) produziert wird.
Im Bild zu sehen ist die zweite Produktionslinie mit zwölf Stationen, an der aktuell die Ein-Liter-Jägermeister-Flasche (rotglühend) produziert wird. © Foto: Sandra Paul

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