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Eine Ostfriesin betet im Gefängnis

Christel Bakker-Bents ist die neue Seelsorgerin in der JVA. Neben Gesprächen und Gottesdiensten will sie künftig auch Paartherapie anbieten.

Von Antje Steglich

Mit Ostfriesen muss man erst einen Sack Salz essen, bevor man miteinander warm wird. Heißt es. Das herzliche Lachen von Christel Bakker-Bents straft diesen Spruch allerdings Lügen. Die gebürtige Ostfriesin mit der fröhlichen roten Brille ist seit Oktober die neue Seelsorgerin in der Justizvollzugsanstalt Zeithain (JVA) und hat hier scheinbar schon viele Menschen für sich einnehmen können. Die Bediensteten im Gefängnis unterstützen sie sehr, der Einführungsgottesdienst in Streumen sei sehr herzlich gewesen, und die Nachfrage nach den Gesprächen nehme vonseiten der Gefangenen immer mehr zu, sagt die 51-Jährige erfreut. „Und so komisch es klingt, ich fühle mich im Gefängnis richtig wohl“, so ihr Fazit nach den ersten Wochen.

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Ganz neu sind die Gefängnismauern der Pastorin allerdings nicht. Schon als Studentin arbeitete sie über Jahre als ehrenamtliche Vollzugshelferin in Celle, hat dort unter anderem eine Gefangenenzeitschrift mit herausgegeben, Ausgänge begleitet und Seelsorge geboten. „Es ist aber schon etwas anderes, ob man als Ehrenamtliche durchgeschleust wird oder selbst die Schlüssel in der Hand hält“, so Christel Bakker-Bents über die neue Verantwortung in Zeithain. Zumal sie vor ihrem Umzug nach Sachsen viele Jahre im Dienst der Landeskirche Hannover stand und zuletzt die Christophorus-Kirchengemeinde Schüttorf im Kirchenkreis Emsland-Bentheim führte. Über 70 Prozent sind dort konfessionell gebunden, „hier im Osten hat dagegen ein Traditionsabbruch stattgefunden, das ist für mich ungewohnt. Aber ich muss das akzeptieren“, sagt die Pastorin, die 2009 zusammen mit ihrer Tochter zu ihrem Ehemann nach Dresden zog. Es sei für sie deshalb auch nicht ungewöhnlich, dass in den Gesprächen mit den Gefangenen nicht Gott und die Kirche, sondern eher die Selbstreflexion der Häftlinge im Vordergrund stehe. „Es kommen oft Männer zu mir, die durch ihre aktuelle Situation an ihre Grenzen gestoßen sind und sich neu orientieren müssen“, erzählt Christel Bakker-Bents über ihre Arbeit. Obwohl diese Art Seelsorge – der Dienst am Menschen – an sich den christlichen Glauben verkörpere, und es durchaus auch vorkomme, dass ein Gespräch mit einem Gebet ende.

Auch versucht die Pastorin, die an der Oberschule und dem Gymnasium der Christlichen Schule Dresden unterrichtet, in der JVA ein aktives Gemeindeleben zu entwickeln: mit monatlichen Gottesdiensten, Bastelrunden und größeren, ökumenischen Gottesdiensten zu den Feiertagen. So wird es zum Beispiel kurz vor Weihnachten einen Adventsnachmittag für die Häftlinge mit einem Jugendgospelchor geben, kündigt sie an. „Und das geht für mich über die Arbeit eines Sozialarbeiters hinaus“, erklärt Christel Bakker-Bents, warum die christliche Seelsorge in einer JVA notwendig ist: „Grundsätzlich ist der Glaube auch eine Ressource, die der Seele eine große Widerstandskraft verleiht. Das kann in einer JVA helfen.“

Die Seelsorgerstelle von Christel Bakker-Bents ist zunächst bis Ende 2017 befristet, dann soll nach den aktuellen Plänen von Sachsen und Thüringen das gemeinsame Gefängnis in Zwickau starten und Zeithain schließen. „Mein Schicksal hängt also an dem der JVA“, sagt die Pastorin. Die Zeit bis dahin will sie intensiv nutzen. So möchte sie auch Angebote für die JVA-Bediensteten und die Angehörigen der Häftlinge entwickeln sowie ab dem kommenden Jahr eine Paartherapie anbieten. Schließlich sei die Haftzeit für jede Beziehung hart, weiß die Pastorin.

Darüber hinaus sieht Christel Bakker-Bents ihre Zukunft klar in Sachsen und könnte sich durchaus eine Stelle in einer Kirchgemeinde vorstellen – auch wenn ihr das „Nu“ noch nicht über die Lippen kommt. „Ja, wir Ostfriesen sind da sehr stur“, lacht sie.