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Eine Wohnung, die mitdenkt

Ausgeklügelte Technik kann das Alleinsein für Senioren sicherer machen. Aber wer will das?

Von Jana Ulbrich

Neben der Wohnungstür leuchtet eins der roten LED-Lämpchen auf: Das Fenster im Bad ist angekippt! „Kabellose Fensterüberwachung“, erklärt Uwe Benusch. „Der Mieter sieht sofort, ob irgendwo noch etwas offen steht, wenn er die Wohnung verlässt.“ Benusch ist Techniker der LebensRäume Dienstleistungs GmbH in Hoyerswerda. Und diese völlig umgebaute Wohnung hier in einem der großen Plattenbau-Elfgeschosser ist sein technisches Meisterstück. „Walli“ (wo Alter leben leichter ist) nennen die Hoyerswerdaer liebevoll ihre Musterwohnung für ältere Menschen. Uwe Benusch hat hier alles umgebaut und integriert, was Senioren das Leben tatsächlich sehr erleichtert: 90 Zentimeter breite Türen, höhenverstellbare Toilette, ebenerdig zugängliche Dusche mit Haltegriff und Sitz, Bewegungsmelder fürs automatische Lichteinschalten, Balkontür ohne Schwelle und Technik, Technik, Technik.

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Die Berufsakademie Sachsen in Riesa lädt Studieninteressierte am 18. September 2021 zum digitalen Tag der offenen Tür ein.

Rollläden lassen sich per Knopfdruck bewegen. Feuchtigkeitssensoren im Fußboden stellen das Wasser ab, wenn die Waschmaschine ausläuft oder ein Hahn offen ist. Über dem Fernseher im Wohnzimmer leuchtet ein Licht auf, wenn draußen an der Tür jemand klingelt. Steckdosen haben eine Aushubautomatik, mit der sie leichter zu bedienen sind. Das Radio im Bad ist kabellos in die Wand integriert. Ein Zentral-Ausschalter an der Tür trennt beim Verlassen alle Geräte vom Strom – außer dem Kühlschrank natürlich.

Noch viel mehr wäre technisch möglich, weiß Uwe Benusch. Die Frage sei nur, was am Ende auch bezahlbar und von den Mietern wirklich gewollt ist. Es gibt Bewegungsmelder, die Alarm schlagen würden, wenn der Mieter in der Wohnung stürzt und nicht mehr alleine aufsteht, oder wenn er nicht zur gewohnten Zeit aus dem Bett aufsteht. Das wäre alles programmierbar, sagt Benusch. Aber bis jetzt habe sich im ganzen Wohngebiet noch kein Mieter gefunden, der das gerne hätte. Das ist wohl auch eine Geldfrage, vermutet der 48-Jährige. 60 000 Euro hat die Umgestaltung der Musterwohnung gekostet. Die Miete läge weit über dem Üblichen.

Die Musterwohnung „Walli“ in Hoyerswerda, Straße des Friedens 1-3, kann auf Anfrage besichtigt werden.