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Eine würdige Stätte

Die Gedenkstätte für Kriegsopfer auf dem Wittichenauer Friedhof ist neu gestaltet. Gestern Nachmittag wurde sie gesegnet.

Von Hagen Linke

Jakob Wowtscherk starb am 5. Mai 1942. Er wurde nur 41 Jahre alt. Wilhelm Schemm schloss am 10. September 1945 für immer die Augen – einen Tag nach seinem 40. Geburtstag. Und Kurt Heerwald erlebte seinen 18. Geburtstag nicht mehr. Er starb am 15. März 1945. Es sind drei von 64 Namen, die seit einigen Tagen auf den Tafeln der neu gestalteten Kriegsgräberstätte des Friedhofes in Wittichenau stehen. Es sind damit deutlich mehr, als viele Jahre zuvor. Im Zuge der Neugestaltung ist viel geforscht worden. Wer starb in der schrecklichen Zeit des 2. Weltkrieges im Malteserstift gegenüber, das damals noch ein Krankenhaus war? „Wir haben uns Mühe gegeben, es so genau wie möglich zu machen“, sagt Johannes Magiera. Unter anderem dem Pfarrer im Ruhestand ist es zu verdanken, dass die zweigeteilte Anlage rechts und links der Priestergräberanlage so aussehen kann, wie jetzt. Unter anderem halfen Einträge in Kirchenbüchern und Daten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. „Es gab natürlich Identifizierungsschwierigkeiten“, sagt der 78-Jährige. „Es fehlten ja viele Papiere.“

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Sicher ist, die Menschen, die hier begraben sind, starben im Zusammenhang mit dem Krieg im Krankenhaus. Der größte Teil waren Soldaten. Unter den Toten sind aber auch Zivilisten, auch Frauen. Sie stammten nicht nur aus Wittichenau. Gefallene an der Front sind an diesem Ort nicht beerdigt. Wann die Gedenkstätte, die jetzt erneuert worden ist, ursprünglich entstanden ist, weiß Johannes Magiera nicht. Dem Thema hat man sich offenbar unmittelbar nach dem Krieg nicht so intensiv gewidmet, wie heute. Bisher waren auf den beiden Tafeln jeweils 13 Namen aufgeführt. Bei fast allen fehlte das Sterbedatum, die meisten Toten waren sogar namentlich unbekannt. Nun sind es jeweils 32 Namen. Von Jakob Wowtscherk, der drei Jahre vor Kriegsende starb, bis zu Max Ziebelz, gestorben am 7. April 1946. Auf einer der Tafeln steht der Zusatz: „7 weitere Opfer blieben unbekannt.“ „Es ist nicht wahrscheinlich, dass wir noch weitere Namen finden werden“, sagt Johannes Magiera, der eine Frau aus den Alten Bundesländern erwähnt, die nach der Wende 1990 etwas über den Verbleib ihres Vaters wissen wollte und das noch selbst erleben wollte. Nun gehört der Name ihres Vaters zu den 64.

Eine weitere Begräbnisstätte für Tote im Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg in Wittichenau befindet sich im Ortsteil Hoske. Ein großes Holzkreuz und eine Metalltafel verweisen darauf. Hier wurde nach dem Krieg eine Isolierstation für Typhuskranke eingerichtet. Jahrelang hat sich eine Dorfbewohnerin um die Gräber der Wehrmachtsangehörigen und Zivilisten gesorgt, die in Hoske starben. Die Hosker Gedenkstelle soll demnächst überarbeitet werden, heißt es aus dem Rathaus.

Die Anlage auf dem Friedhof in Wittichenau wurde gestern Nachmittag gesegnet, nach einer deutsch-sorbischen Andacht in der Pfarrkirche. Es ist eine würdige Erinnerung an Jakob Wowtscherk, Wilhelm Schemm, Kurt Heerwald und die anderen bekannten und unbekannten Menschen, die hier begraben sind, sagt der Pfarrer. „Jeder Einzelne, der umgekommen ist, ist ein Kriegsopfer.“