merken
PLUS

Einem Wohltäter auf der Spur

Diethard Mardek erforscht Obergurigs Geschichte. Auch über Stifter Johann Michael Buder hat er Neues herausgefunden.

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Das Haus ist ziemlich unscheinbar. Kaum etwas erinnert daran, dass es einst das Wohnhaus des Niedergutes von Obergurig war, geschweige denn daran, dass hier eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Ortes lebte. Diethard Mardek vom Heimatverein hat es herausgefunden – und nun erinnert eine kleine Tafel an Johann Michael Buder. Am Montag wird sie offiziell enthüllt, dann jährt sich Buders Geburtstag zum 300. Mal.

Anzeige
Jetzt Bäume kontrollieren lassen
Jetzt Bäume kontrollieren lassen

Wer dieses Szenario als Haus- und Gartenbesitzer vermeiden möchte, sollte seine Bäume jetzt vom Fachmann kontrollieren lassen.

© Uwe Soeder

Buder wirkte nicht nur in Obergurig als Gerichtsherr, sondern vertrat juristisch auch die Bewohner vieler umliegender Dörfer, dabei handelte es sich oft um arme Sorben. So wurde er auch Bauernadvokat genannt. Schließlich vermachte er in seinem Testament fast sein gesamtes Vermögen „der wendischen Armut in der Ober- und Niederlausitz sowie im Meißnischen Kreis“. Die daraus entstandene Stiftung unterstützte 90 Jahre lang tausende Empfänger, bis sie im Zuge der Inflation 1924 zum Erliegen kam.

Drei Jahre lang hat Diethard Mardek zu Buder geforscht. „Viel war zu ihm nicht bekannt“, sagt der Hobby-Historiker, der sein Berufsleben als Vermesser verbracht, sich aber schon immer für Geschichte interessiert hat. In Großpostwitz und Wilthen hat Mardek alte Kirchenbücher studiert. So fand er heraus, dass Buder eins von elf Geschwistern war und dass auch sein Vater und Großvater bereits Richter waren. Ein Eintrag im Einschreibebuch der einstigen evangelischen Rats- und Lateinschule Budissin belegt, dass Buder ab 1725 dort Gymnasiast war. Das fand Mardek im Bautzener Stadtarchiv heraus.

Aufwendiger war es, einen Beleg für Buders Studienort zu finden. In bisherigen Veröffentlichungen steht, dass er Rechtswissenschaften in Leipzig studiert hat. Per Internet und Telefon suchte Mardek an der dortigen Uni nach einem Hinweis. Doch weder dort noch an der Uni in Halle konnte man ihm weiter helfen. Dafür wurde er in Wittenberg fündig, wo sich Buder 1733 einschrieb, um Jura zu studieren.

Im Staatsfilialarchiv in Bautzen sah Mardek schließlich tausende Seiten durch, die Hinweise zur richterlichen Tätigkeit Buders beinhalten. „Das ist so umfangreich, da habe ich noch eine Weile zu tun.“ Denn mit dem Durchsehen allein ist es nicht getan. Mardek muss die Seiten auch „übersetzen“, sind sie doch in alter deutscher Schrift verfasst, die heute kaum noch jemand lesen kann. Auch Diethard Mardek hat sie als Kind nicht mehr gelernt. „Ich habe mich erst Anfang der 1990er-Jahre damit befasst.“ Denn als Vermesser musste er die alten Eintragungen im Liegenschaftskataster lesen können. Das kommt nun im Ruhestand dem Oberguriger Heimatverein zu Gute. Seit 2001 ist Mardek Mitglied im Verein und hat sich seitdem schon ausgiebig mit Details aus der Oberguriger Historie befasst, unter anderem die Geschichte der Huf- und Waffenschmiede erforscht. Dabei stammt Mardek gar nicht von hier, erst seit 1999 wohnt er in Obergurig. Viele Jahre hat der gebürtige Schlesier, der in Moskau Geodäsie und Astronomie studiert hat, in der Nähe von Berlin gelebt. Erst als Rentner zog es ihn und seine Frau in die Oberlausitz, um der Tochter näher zu sein, die in Bautzen als Augenärztin arbeitet.

An Obergurig fasziniert den 78-Jährigen, dass der kleine Ort relativ viele bedeutende Persönlichkeiten zu bieten hat. Größtenteils waren sie aber lange Zeit vergessen. Erst der Heimatverein hat dafür gesorgt, dass man sich in ihrem Geburtsort wieder an sie erinnert, so an den Landschaftsmaler Karl Franz Adolf Fischer-Gurig oder den Komponisten Johann Ernst Freyschlag. Auf sie wie auch auf den Mundartdichter Hermann Klippel weisen heute Gedenktafeln an ihren Geburtshäusern hin. Auch für Buder hat der Heimatverein eine Tafel gestiftet. Mit deren Enthüllung ist das Thema Buder für Diethard Mardek aber noch längst nicht abgeschlossen. Er möchte noch manche Episode aus Buders Leben und Wirken herausfinden und dazu auch sorbischsprachige Dokumente auswerten. Die lässt er sich übersetzen. Einen Beweis dafür, dass Buder selbst Sorbe war, habe er bisher aber nicht gefunden. „Er hat immer deutsch geschrieben, auch in seinen Tagebüchern.“ Dass er zum Wohltäter der Sorben wurde, dafür habe wohl sein starker Gerechtigkeitssinn den Ausschlag gegeben und die Tatsache, dass der größte Teil seiner Klienten arme Sorben waren.

Doch neben den noch unerforschten Dokumenten über Buder will sich Mardek bald auch jene zur Geschichte des Oberguriger Rittergutes vornehmen. Das hatte Buder übrigens 1770 gekauft – gelebt hat er da entgegen bisheriger Annahmen aber nie, weiß Mardek. Bis zuletzt wohnte der durchaus reiche, aber bescheiden gebliebene Advokat ohne Frau und Kinder auf seinem Niedergut. Dort ist er 1789 gestorben.

Enthüllung der Gedenktafel am Montag 14 Uhr am Geburtshaus von Johann Michael Buder, Am Dorfplatz 5 (ehemals Bauerngut Halke) in Obergurig